Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

geworden, war gestorben. Er hatte, theils wegen seineramtlichen Stellung, mehr noch vielleicht aus Neigung, eingroßes Haus gemacht und die Tafelfreudcn geliebt. Nachdemer schon einige Wochen beerdigt, kamen Kisten an ihn adres-sirt an, die IlXX) Flaschen ächten Champagner enthielten,die er selbst noch bestellt hatte, jede Flasche zu 2 Thaler be-rechnet. Der Spediteur schickte die Kisten mit dem verlang-ten ausgestellten Wechsel über 2lwl) Thaler an den Sohnund Erben, der zwar nicht in Berlin ansässig, jedoch geradedaselbst anwesend war.

Als dieser Umstände machte, den Wein anzunehmen unddafür die bedeutende Summe zu zahlen, zeigte, nach manchemunangenehmen Hin- und Herschreiben, der Kaufmann denganzen Hergang der.Sache dem Könige an, mit der Bitte,den vorzüglichen Wein für den Königlichen Keller anzuneh-men. Der König runzelte, als Ihm die Sache vorgelegtwurde, die Stirn und sagte zum Geheimen Kämmcrier Timm:„Ich kann nicht zugeben, daß auf den Namen des verdienst-vollen, verewigten Mannes irgend ein Flecken komme undeine üble Nachrede entstehe. Sein Wille muß geehrt werdenund seiner Bestellung ein Genüge geschehen. Das Geld willich dem Kaufmann geben; aber der Wein ist ein Theil derNachlaßschast und gehört dem Erben. Sorgen sie, daß Allesgleich in seine gute Ordnung kommt." Es geschah, derKaufmann erhielt in derselben Stunde seine Bezahlung undder Sohn den Wein, welchen der Bater bestellt hatte.

Auch in diesem kleinen Zuge zeigt sich der zartsinnigeEdelmuth des unvergeßlichen Herrn. Die Sache, um die essich handelte, war, als sie vor Ihn kam, res nullius, und