Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

N7

wohnte, mehrere geräumige Zimmer und einen Saal hatte,so war er doch nicht so häuslich eingerichtet, um Gäste beisich zu sch'cn und sie standesgemäß bewirthen zu können,auch konnte dieß nicht stattfinden, da er seit vielen Jahrentagtäglich, Mittags und Abends, beim Könige speiste.

Die Aeußcrung des Königs, bei ihm zu frühstücken,hielt er daher anfangs für einen wohlwollenden Scherz; ge-riet!) aber, als er sah, daß es damit Ernst sei, in die pein-lichste Verlegenheit und dcprecirte die ihm zugedachte Ehre,die noch Keinem zu Thcil geworden, mit den verbindlichstenAusdrücken. Humoristisch wies aber der König dieß mitden Worten zurück: „Nein, nein, es bleibt dabei, wir bringenden Köckcritz nach Hause und dejeuniren bei ihm "

„Es geht wahrhaftig nicht," antwortete der Gcängstigtc,„meine confuse Junggcsellcnwirthschaft ist nicht darnach ein-gerichtet." „Warum," replicirte der König, „sind Sie nichtverheirathct! Ich habe das oft an Ihnen getadelt; nun ist'szu spät, — aber Sie sollen heute dafür bestraft werden."„Wenn es denn sein soll," antwortete kleinlaut Köckeritz,„so bitte ich um eine Frist von wenigstens 4 Stunden, umdie nöthigen Anstalten zu treffen; es ist Nichts im Hauseund Alles liegt und hängt in meinen Zimmern in- unddurcheinander- ich kann wahrhaftig Ew. Majestät nicht beimir sehen." „Ei was," siel der König ein, „ein General-Lieutenant wird doch wohl ein Butterbrod und ein GlasWein geben können. Es bleibt dabei!" und zu Seinem Ge-folge sich wendend: „Kommen Sic, meine Herren!"

Nun setzte sich der glänzende Zug durch die breiteStraße nach dem Neustädter-Thore in Bewegung, und