Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
106
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lassen und frei von leidenschaftlichen Bewegungen. Er bliebstets in seiner gehaltenen, ernst-freundlichen Fassung undkannte sein Terrain. Die Natur hatte ihm eine Gestalt undPhysiognomie gegeben, in der sichtbar Gutmüthigkeit aus-gedrückt war. und einen Ton der Stimme, worin Treuher-zigkeit und Wohlwollen lag. Fröhlich mit den Fröhlichen, undweinend mit den Weinenden, turbirte er kein Verhältniß,schloß sich leicht an jedes an, und vermittelte gern alle Dis-sonanzen,- dabei war er vorsichtig und verschwiegen, zuver-lässig und treu. Bemittelt und unverhcirathet, einfach inseiner Lebensweise, blieb er bis zur Verschwendung freigebiggegen Arme und Nothleidende, die unaufhörlich bei ihm auchHülfe suchten und fanden. Das meiste Gute that er imStillen und ist darum erst nach seinem Tode bekannt gewor-den. In seinem Testamente vermachte er der Luisen-Stif-tung zu Potsdam ein ansehnliches Legat, und Jeder, der ihngekannt hat, segnet sein Andenken.

Dieß sind die Hauptzüge aus dem Charakter und Lebeneines Mannes, der eine lange Reihe von Jahren dem Königeam Nächsten stand und Seiner Freundschaft gewürdigt wurde.Der König hatte, wie Er noch Kronprinz war, ihn schonliebgewonnen und mit Seinem Vertrauen beglückt. Wie großdieß Vertrauen war, sieht man am Deutlichsten und Vollstemdigstcn aus einem an ihn gerichteten Eigenhändigen Privat-schreiben, welches der König bei Seinem Rcgierungs-Antritt,damals 27 Jahr alt, den !li. November i?!)7 an ihn rich-tete, und welches den hohen Verfasser so eigenthümlich undinteressant charakterisirt, daß es als ein merkwürdiges, authentisches Actcnstück Seines Lebens in dieser Biographienicht fehlen darf.