unser gläubiges Auge das höchste Ideal göttlicher Gesinnungund göttlicher Thatkrast. In ihr spiegelt sich der Abglanzhimmlischer Klarheit und von ihr umflossen liegt der höchstePunkt menschlicher Veredlung in dem schwer errungenenZiele, welches das Bekenntniß verherrlicht: Ich lebe, dochnicht ich, — Christus lebt in mir.
Das reiche Leben ist reich an Mitteln, den Menschenvon Stufe zu Stufe immer höher zu heben und ihn einergöttlichen Natur theilhaftig zu machen, und wer, der denGang ihrer Entwicklung kennt, möchte dieselbe ausschließungs-weise an dogmatische kirchliche Formen knüpfen? Aber wasunsere Natur gründlich heilt, alles Herbe, Harte, Sauere undUnreife von ihr wegnimmt, sie reiniget, zeitigt und heiliget,entspringt voll und frisch aus dem Glauben an den Erlöser,in und mit welchem man sich selbst und darin die Weltüberwindet.
Aus dieser heiligen Quelle entsprang beim HochscligenKönige die Kraft und Liebe, die Seinen Zartsinn in einemGrade ausbildete, wie er in männlichen, kräftigen Naturenselten sichtbar geworden ist. Alle Welt weiß das und er-zählt davon schöne Züge und rührende geschichtliche Beweise.Aber die Wenigsten wissen, was es mit solchem Zartsinn aufsich hat; die Meisten nehmen das Wort in einer flachenBedeutung und verstehen darunter, bald nur feine Sitte, an-genehme Form, freundliche Manier, bald die Acußcrung derGutmüthigkcit eines wohlwollenden Herzens, und verbindendamit den Nebenbegriff einer gewissen Weichheit, die nichksabschlagen könne. Bei noch Andern ist Zartsinn ein Actder rechnenden Klugheit, die es nur darauf anlegt, zu gefallen