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1 (1842)
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Prüfung«! gegangen und durch ihre weise Benutzung geläutert, veredelt, höher und reiner gestimmt, versteht er amBesten Leidende, weil er aus eigener Erfahrung gelernt hat,wie dem Leidenden zu Muthe ist.

Nicht alle Leiden kann man mittheilcn, am Wenigstendie tiefsten und schwersten^ der christliche Zartsinn sieht sieim Blick der Wehmuth, hört sie im Tone der Stimme, ah-net sie in der Schüchternheit, bemerkt sie in der Verschämt-heit, sein Ohr vernimmt sie in den leisesten Lauten, sein Mit-gefühl nimmt sie auf in den stillsten Behlingen verwundeterHerzen. Darum fragt und forscht er nicht, weicht Allemaus, was de» Unglücklichen verlegen machen, demüthigen undden Stachel des Schmerzes noch tiefer eindrücken könnte.Seine Hand ist saust, sein Blick innig, sein Gang leise,seine Versicherung kurz, seine Hülfe schnell, seine Theil-nahmc ausdauernd.

Anders gestaltet sich der christliche Zartsinn bei edle»Jungfrauen und Frauen, anders bei ernsten Männern. Beijenen, von der Natur feiner besaitet, erscheint er im angebo-renen schnelleren, reinen Gefühl als Anmuth, bei diesen alsWürde. Jene wecken Sympathie und gewinnen schnell, diesewollen erst gekannt und erkannt sein. Bei Beiden aber ister immer die langsam gereiste Frucht einer wahren Durchbildung und kann nur durch sittliche Kampfe und Siegeerrungen werden. Der christliche Zartsinn stehet, in seinervollen Wahrheit, auf der Höhe einer heitern Resignation, inder man den unteren neblichten Regionen gemeiner Ansichtenund Motive bereits entrückt ist, und wo man, frei gewordenvon der Selbstsucht, herabblickt auf ihr unreines Gewebe.