Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
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Ein hübscher Conditor-Knabe in Potsdam hatte einenKuchen, den er wegtragen sollte, bei einem Fehltritte mit derSchüssel aufs Pflaster fallen lassen, und stand bitterlich wei-nend da, als eben der König vorüber kam. Ohne sich mitihm in ein Gespräch einzulassen, sagte Er zum Knaben, ihmsanst über's Gesicht streichelnd:Komm mit mir!" Das Kindfolgte zitternd, obenein noch Strafe fürchtend. Angekommenim nahegelegenen Schlosse, ließ der König ihm eine schö-nere große? Schüssel mit einem noch besseren Kuchen aus derHofconditorci reichen und entließ dann den Ucberraschten undnun Beglückten mit der freundlichen Warnung,künstig vor-sichtiger zu sein." Demnächst zog der König nähere Erkun-digung über den jungen Gesellen ein, und als dieselbe zu-seiner Empfehlung ausfiel, wurde er in der Hofconditorciangestellt.

Im Thiergarten, gekleidet in eine einfache Ofsicier-Unisorm ohne Decoration, mit einer Seiner Töchter spazie-ren gehend, läuft ein armer Knabe neben dem von ihm un-erkannten Könige her und bittet, ihm eine kleine Börse ab-zukaufen, die er in großer Anzahl in dem vorgehaltenenKörbchen trug. Der fremde Herr weiset ihn zurück; dasKind hört aber nicht auf, zu bitten:Ach! Herr Lieutenant,kaufen Sie mir doch eine Börse ab! kostet nur k Groschen;und wenn Sie auch keine brauchen, dann schenken Sie derschönen Mamsell eine, die Sie am Arme haben." Noch malzurückgewiesen, seufzt der Knabe aus tiefer Brust:Ach, nunhaben wir diesen Mittag nichts zu essen!" Jetzt steht derKönig stille und nimmt aus dem Körbchen sechs Börsen,dem Kinde einen doppelten Friedrichsd'or reichend.

Wie der Knabe das Goldstück stehet, spricht er: Ach, gnä-