83
bezweckten, legte Er, wenn ich mich so ausdrucken darf, zuvorFühlhörner aus, und wenn eine lange Reihe von Fragen, dieEr vorausschickte, nicht klar und bestimmt zu Seiner Zufrie-denheit beantwortet wurden, brach Er ab und bestimmte eineandere Stunde zur Audienz.
Schwer war es, Sein Vertrauen zu erhalten, nurlangsam konnte man dazu gelangen. Er gab Aufträge, inder Absicht, auf die Probe zu stellen, so fein, daß eskaum bemerkt wurde; vor Allem richtete Er den forschendenBlick auf Gesinnung und Motive, und erst dann, wenn Erdiese thatsächlich als rein und lauter erkannt, wandte Er deinLiebgewonnenen das Herz zu. Hatte man aber einmal SeineZuneigung, so besaß man dieselbe bei einem offenen, redlichenVerhalten auch für immer. Nichts machte Ihn dann darinwankend; jeder feindseligen, noch so versteckten Insinuation,jeder Verläumdung war Sein Ohr verschlossen. Der gerade.redliche Mann bedurste in dem Verhältnisse gegen Ihn nunweiter keiner Connerion; er brauchte keinen Neid zu fürch-ten und konnte sich unbefangen und frei bewegen. Alle aber,deren Wesen ein kriechendes und schleichendes war, die niewidersprachen, jeder Seiner Ideen sich anschmiegten und Ei-gennutz blicken ließen, hielt Sein Mißtrauen fern und wur-den bald ganz entfernt.
Am Meisten war Sein Mißtrauen rege bei der Wahlneuer Subjccte für wichtige Acmter im Staate und in der Kircheund Er stellte dabei die Forderungen so hoch, daß es schwer,oft unmöglich wurde, Ihm darin ein Genüge zu thun. Auf-gefordert, für eine vacant gewordene wichtige und bedeutendekirchliche Stelle einen tüchtigen, qualisicirten Geistlichen vor-