Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

63

der Hof- und Garnison-Kirche zu Potsdam eine Probepre-digt halten. Der Mann redete über christlichen Heldenmuthvortrefflich; als er nun aber das Gesagte auf die Person desKönigs und die Preußische Armee in ungcmessencn Lobeser-hebungen anwandte, wurde der König, der sonst stets an-dächtig da saß und mit ungctheilter Aufmerksamkeit zuhörte,unruhig, stand auf und sah in die Kirche umher. Als Erdemnächst Seinen Unwillen darüber gegen mich aussprach,setzte Er hinzu:Der Geistliche hat gewiß die heilige Schriftnicht studirt, wenigstens ihren Geist sich nicht angeeignet;sonst müßte er doch wissen, daß das göttliche Wort demMenschen nie schmeichelt, ihn vielmehr stets demüthiget. Ei-nen Geistlichen, der meine Soldaten selbstgcnügsam machtund damit einschläfert, statt sie zu wecken, kann ich nichtbrauchen."

Als der König im Jahre 1866 mit Seiner Familie vonKönigsberg nach Berlin zurückkehrte, feierte Er, Seiner frü-heren Gewohnheit treu, am Charfreitag 1816 in der Hof-und Garnison-Kirche zu Potsdam mit der Gemeine, nachdreijähriger, unglücklicher, schmerzvoller Abwesenheit zum Er-stenmalc wieder, das heilige Abendmahl. Das Rührende undErhebende einer solchen frommen Wiedervereinigung mit demLandcsherrn an heiliger Stätte lag allen Herzen so nahe,daß ich glaubte, es herausheben zu müssen, wo es denn frei-lich unvermeidlich war, dabei des Königs, wenn es gleichmöglichst zart geschah, zu gedenken. Aber auch dicß schonhatte Ihm mißfallen.Ich danke Ihnen," sprach Er nachher,für Ihre Predigt, die mich erbauet hat. Aber unangenehmiffs mir, wenn beim Vortrage des göttlichen Wortes mei-ner, namentlich lobend, gedacht wird." Als ich erwiedcrte