Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
60
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anklebte, verfehlte ihren Zweck. Sein feiner, schneller, sitt-licher Tact empfand sogleich jegliche Uebcrtreibung, und Waszu viel sagte, sagte Ihm nichts. Wenn Ihm in einer ver-bindlichen, indirccten, versteckten Art Lobeserhebungen gebrachtwurden, und dieß, was so oft der Fall war, geschah vonhohen, Ihn besuchenden regierenden Herren, und wobei ErSeine innere Abneigung gegen alle Schmeicheleien nicht äußernkonnte: so embarrassirtc Ihn das sichtbar und Schamrötheüberflog Sein edles Angesicht. So hat man Ihn oft gesehen,und wer Ihn so gesehen, der lernte an die Würde der mensch-lichen Natur glauben und sich überzeugen, daß es doch mög-lich ist, sich ein reines Herz und seine Unschuld zu bewahren.

Als im Jahre I8W Ihn die Söhne des Königs vonFrankreich, die Herzöge von Orleans und Nemours, besuch-ten und nach mehrtägigem, vielfach cclebrirtcn Aufenthalte,und nach einer, im Neuen-Palais gegebenen, prachtvollenAbschiedsfütc die Prinzen sich dem Könige empfahlen, ver-suchte es der Herzog von Orleans wiedcrholentlich, die Handdes Königs zu küssen, der sie verlegen zurückzog und auf denRücken legte. Aber der gewandte Prinz ergriff sie nochmalmit den Worten:Mein Vater hat mir befohlen, nicht zu-rückzukehren, ohne die wohlthätige Hand geküßt zu haben, diezwanzig Jahre lang der Welt den Frieden bewahrt hat." Nunreichte sie ihm der König, umarmte ihn aber auch zugleich.

Ein regierender Großherzog stand beim Krönungs- undOrdcnsfeste mit den, Könige im alten Schlosse am Fenster,und nach dem Museum hinblickend, bemerkte derselbe -So schönals jetzt war Berlin doch unter keinem Könige von Preußen,so ist es erst geworden unter Ew. Königlichen Majestät."