Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

fahrt Bringende, stand bei Ihm stets im Vordergrunde, unddann erst, wenn dieses befriedigt war, dachte Er an dasSchöne und Belustigende. Das, was man Schwelgen im An-schauen schöner Kunstwerke nennt, kannte Er nicht. Enthusias-mus, Begeisterung, war Ihm fremd; Seine Phantasie war diePhantasie der klaren Verminst und eines warmen sittlichen Ge-fühls; beide tempcrirten stets Sein ganzes praktisches Seinund Wesen. Er haßte alle Extreme, wie alle Excentricitätcn,und stand überall fest in der Mitte,' Alles gehörig und ruhigrepartirend. Alle Lust- und Trugbilder und Hirngespinnsteerfüllten Ihn mit Unwillen, den Er unverholen und lebhaftaussprach. Darum haben vielversprechende Projcctenmachcrnie bei Ihm Eingang gefunden; wie Viele sich auch, besondersin den unglücklichen Jahren von I8W bis 1812, einfanden,Keiner hat Glück gemacht.Ich liebe," hörte man Ihn oftsagen,keine Phantome und Phantasmagoricn. Phantastenkann ich nicht gebrauchen;" und setzte dann skeptisch hinzu,Phantasus war ein Bruder des Morpheus."

Nur die stillen, sanften, schuldlosen Freuden einer culti-virten, der Vernunft und dein Gewissen subordinirten Phan-tasie kannte und liebte Er. Die Verirrungen, Täuschungen,Spiele und Leiden derselben haben Seine reine Seele niebefleckt und beunruhigt. Fester Gleichmuts» hat Ihn imGlück und Unglück nie verlassen. Dieser kann aber nur daeintreten, wo die Phantasie mit ihren zweideutigen Gabenin ihren Schranken gehalten wird.

Reicher wie sie und eminent hervortretend war SeinGedächtniß und Erinnerungsvermögen. Eine Gabe, dieJedem willkommen, vorzüglich aber einem Regenten wichtig