dct über die Tugend der Bescheidenheit und Dcmuth, alsdas sicherste Bewahrungsmittel unserer Zufriedenheit.
An demselben Tage zur Mittagstafel eingeladen, nahmich, bei der Anwesenheit vieler hochgestellten Männer, beimletzten Eintreten in den Speisesaal meinen Platz unten ander Tafel. Als der König den Kreis Seiner Gäste über-schauet«? und mich da erblickte, rief Er mir zu« „Eylcrt, Siedenken wohl ans heutige Evangelium; da heißt's aber: Freund,rücke hinauf! Kommen Sic und setzen sich mir gegenüber."Von der dabei erwiesenen Ehre kann natürlich die Redenicht sein, denn sie war in diesem Eclat eine unverdiente,in Verlegenheit setzende; aber auch diese kleine Anecdote zeigtwieder, wie klar, schnell und freundlich der König in SeinerUmgebung Alles ermunternd auffaßte und Sein freundliches,wohlwollendes, verbindliches, witziges Scherzen umfloß eineigenthümlichcr Zauber, der alle Herzen gewann. Solchejoviale Stimmung war aber eine Ausnahme von der Regel,Seine gewöhnliche war würdevoller Ernst, der den Scherzauch bei Anderen nicht gut aufkommen ließ.
Da praktische Verständigkeit im steten Bunde mit sitt-lichem Tacte Seine vorherrschende Stärke war, so war SeineEinbildungskraft ein untergeordnetes Vermögen, das Ihnnicht beherrschte, sondern nur Sein Leben nebenher decorirte.Der Phantasie sich hingeben, ihre Bilder ausmalen, ihnen nach-hängen und dadurch Affectc erzeugen, war Seine Sache nicht.Die gesunde praktische Tendenz Seines Wollens und Stee-dens ließ eine poetische Stimmung und Richtung nicht auf-kommen, und doch hatte Er, im glücklichen Gleichgewichteder Scelcnkräfte, einen entschiedenen Sinn für das Schöne.Er liebte die schönen Künste, namentlich Musik, mehr noch