In einem seltenen Grade war er das Eigenthum desHochscligcn Königs, so daß man sagen kann, Sein gesunder,natürlicher, gerader Menschenverstand prädominirte in Allemund stand Ihm mit seiner Hülfe stets zur Seite. Washat ein Regent nicht Alles zu beurthcilen und zu entscheiden!und bei wie vielen, namentlich gelehrten Facultätsgcgenstän-den, wird eine tiefere, wissenschaftliche Bildung verlangt, umin jedem vorkommenden Falle jedesmal das Rechte zu tref-fen. Diese tiefere, gelehrte, allumfassende Bildung von einemRegenten zu verlangen, weil er Regent ist, wäre eine höchstunbillige Forderung, die sich auch bei dem reichst Begabtennicht würde geltend machen lassen. Aber in allen, auch denabstraktesten, verwickeltesten und intrikatesten Dingen mußdoch, wenn sie gut und gemeinnützlich sein sollen, gesunderMenschenverstand und eine diesem entsprechende Tendenz lie-gen. Und kommt es bei jedesmaliger Entscheidung vorzüg-lich darauf an, dieß klar zu erkennen und rein heraus zufühlen, so traf der König gewiß, unterstützt von dem moti-virten Vortrage Seiner Minister, auch dann, wenn Er nichtihrer Meinung war, immer das Rechte. Schien es bei er-hobenem Widerspruche auch anfangs nicht so, dann rechtfer-tigte doch stets der spätere Erfolg die Richtigkeit Seines Ur-thals. Denn Er faßte jede Sache nicht einseitig, wie sie inudsti'NLto idealisch sich darstellt, sondern concret, wie sie in'sLeben tretend sich macht und praktisch gestaltet, scharf, son-dernd, klar und fest in's Auge, immer in der Wurzel, nie inder Spitze; nur von jener kam Er zu dieser.
Sein an Erfahrungen aller Art reiches und vielseitiggeprüftes Leben hatte Ihn belehrt, daß jede, auch die besteSache, die, als solche, im Vorschlage glänzend vor die Au-