16
und' die Beschaffenheit sinnlicher Genüsse in Speisen undGetränken auf den Geist und das Temperament einwirken,und in vielen Fällen sogleich und für den nächsten Tag diegeistigen Functionen bedingen. Bei dem innig festen Bande,welches den Körper und die Seele zur Einheit verknüpft, istes namentlich im Leben eines Regenten von unaussprechli-cher Wichtigkeit, wie Er jenen nährt, um diese immer wackerrecht gebrauchen zu können. Wer im Essen und Trinkendas rechte Maß hält, wird es auch leichter für höhere Dingefinden. Und wenn wir dieß im Leben des Königs auf eineausgezeichnete Art wahrnehmen, so hatte es gewiß doch auchmit in jenem seinen Grund.
Reich begabte geniale Naturen (von gewöhnlichen, blossinnlichen, kann hier nicht die Rede sein) machen freilich da-von oft eine Ausnahme, und Alles gestaltet sich bei ihnenanders. Rhapsodisch in ihrem Denken, Wollen und Thun,lieben und suchen sie äußere erhebende Impulse, und findensie gern in dem rosenfarbcnen Colorit der Tafelsreudcn. Bonihnen geweckt und belebt, nimmt dann ihre Phantasie einenneuen Schwung, und sie sind geistreicher, heiterer, witziger,als sie ohne diese Bcibülfe sinnlicher Reizmittel würden ge-wesen sein. Naturen, die für diese Exaltationen Empfäng-lichkeit haben, besitzen dann auch damit die Kraft, sie in sol-chen Schwingungen ernsten Gegenständen zuzuwenden, unddie sinnlich angeregte Begeisterung in eine geistige zu ver-wandeln. Bei den vorzüglichsten Werken Schillers stand,als er sie schuf, in stillen Abendstunden die Flasche Cham-pagner oft neben ihm, und der geniale Lichtenberg bekenntvon sich offenherzig: „wenn ich Rebhühner gegessen und Jo-hannisbcrger getrunken habe, bin ich in meinen Ideen Heller