sein Auge, sondern immer ein reines menschliches Wohlwol-len. Sein Blick flackerte nie, warf sich nie oberwärts, warnie gemessen und abgemessen, sondern immer wahr und auf-richtig, nach der Beschaffenheit des Gedankens und der Ge-müthsstimmung. Man kann kein menschliches Angesicht sehen,das reiner und klarer der Spiegel des Innern ist, als manes auf diesem jedesmal deutlich las. Ein Panorama allerempfangenen Eindrücke möchte man's am Treffendsten nennen,vorzüglich der schmerzhaften. War von Unglücksfällen, dieDiesen oder Jenen betroffen, die Rede, so sah man das Mit-gefühl fremder Schmerzen in dem leichten Zucken der Gesichts-muskcln, wie selbstempsundcncn Schmerz in allen Gesichts-zügen, wie im Zucken der Achseln, und still machte Er danneinen Knoten in's Schnupftuch, damit Er die Hülfe nichtvergesse. Lavater macht in seinem genialen Werke über Phy-siognomik die treffende Bemerkung, daß in dem Angesichtealler wahrhaft großen und guten Menschen sich eine lieblichezusammenfließende Mischung von Ernst und Wehmuth alseine charakteristische Signatur vorfinde, einer Wehmuth, diedas bittere Weh des Lebens aus Erfahrung kennt, aber dochauch Kraft und Much hat, es zu besiegen. Solche Zeichen-sprache, in welcher Sonnen- und Mvndstrahlen sich harmo-nisch verschmelzen, macht auf den Menschenkenner einen fes-selnden Eindruck, weil man in ihm die beiden Elemente jederwahren Menschengröße „Kraft und Liebe" vereinigt fin-det; eine Kraft, die mit Verehrung, eine Liebe, die mitVertrauen erfüllt. So bei Ihm. -— Melancholie war esnicht, was im Gesichte des Königs lag, noch weniger verbis-sener Schmerz, am Wenigsten Mißmuth und Ueberdruß, dennes war klar, frisch, heiter; aber diese Klarheit, Frische undHeiterkeit hatte den Schmelz und die Umschattung einer mil-
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