Druckschrift 
[1. Heft] (1784)
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58 ^

dem Püschen/ (2) das am rechten Rheinufer etwa eine halbe Stunde von Bonnliegt, gräbt man auch Holz- und Steinkohlen; auch werden jene daselbst zu Aschegebrannt.

Handel ist gar keiner auf dem Westerwalds, wenn man den wenigen mit Holz,Holzkohlen, Früchten und Viehe ausnimmt. Der Holzhandel ist der eintracht-lichste : aber nur in den Händen von einigen wenigen Menschen. Der Graf vonHachenburg verkaust das Holz einem Holzhändler, und läßt sich von ihmdieKvhiendavon liefern, damit er der Mühe, es verkohlen zu lassen, uberhoben fev. Man glaubt,der Graf stehe gut dabei): wenigstens steht der Holzhändler dabey nicht übel.

Fabriken sind zum grossen Nachtheile des Landes gar keine. Handwerker fin-det man auf den Dörfern, Schuster, Schneider, Rothgerber, Schmiede, Aimmer-lleute, Tischler und Maurer. Wenn der Bauer Schuhe und Kleider bedarf; soläßt er den Schuster und Schneider ins Haus kommen, und giebt ihm Kost undTagelohn. Dies aber geschieht gemeiniglich nur zweymal im Jahre.

Die Krankheiten der Menschen dieses Landes sind vorzüglich die Kolik, die vonihrer sauern Diät herrühren mag; der Rheumatismus, und vorzüglich der Rheu-matismus der Lenden; die Arthritis-Vaga; die Auszehrung; das Asthma unddie Wassersucht. Die Krätze findet man auch: aber noch nie hat man die Lust-seuche und den Aussatz getroffen. Von Geschwüren und Knochen-Krankheiten findste nicht frey. Blutgeschwären sind sehr gemein, welches ich den Habcrmehlsuppenzuschreibe. Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß alte Leute keine Erdapfel mehrvertragen können; denn sie werden engbrüstig davon. Von hitzigen Krankheitenherrschen die Pocken, das Seitenstechen, viele ephemerische Fieber/ die diesen Ge-genden vorzüglich eigen zu seyn scheinen, Gallenfieber, Faulfieber, Katgri hacheberund Dysenterien: doch pflegen die Grassationen der hitzigen Krankheiten sehr gelindezu seyn. In diesen hitzigen Krankheiten gehen sie selten zum Arzt, sondern über-lassen sich der Natur. Das Gallenfieber heilen sie mit häufigem Wassertrinken;Die Ruhr, und oft auch hitzige Fieber machen sie durch das Weintrinken, durchstopfende Mittel und durch das Fleischessen nicht selten tödtlich. In chronischenKrankheiten lausen sie am meisten zum Arzte, und von diesem lordern sie, daß er dieKrankheit aus dem Urin des Kranken erkennen solle. Sie fallen aber meistens indie Hände der Quacksalber und Marktschreyer, die ihnen ihre nichtsbedeutenden un-krästigen Pulver und Essenzen geben, und damit entweder nichts Helsen oder schaden.Die Marktschreyer dringen dem Bauern sogar ihre Arzneyen aus. Von jenen isteine ganze Kolonie in dem Kumiersschm Doris Pelervlalv welche sich ma Erlaub-nis