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[1. Heft] (1784)
Entstehung
Seite
59
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nissder Obrigkeit daselbst niedergelassen hat. Dieses Gesindel zieht vom Frühlingbis in den Herbst in der Welt herum, und betrügt das Publikum, verzehrt aberim Winter sein Geld in Peterslar.

Die Westerwalder sind klein und unansehnlich von Statur, meistens sehrhager. Die Mannspersonen haben durchgehcnds keine schöne Gesichtsbildung:aber hier und dort, wiewohl selten, findet man noch ein hübsches Maochen: sie blei-ben das aber nicht lange nach ihrer Hochzeit, wo die Geburten, die Haussorgen,ihr sclavischer Zustand, die schwere Arbeit, der Mangel an Bequemlichkeit und Er-holung, nebst dem Klima, das bischen Schönheit bald zernichten.

Die Geburten der Weiber sind meistens leicht. Kömmt aber ein Fall, da dasKind eine verkehrte Lage hau so ist niemand, der die Wendung machen könnte, undso stirbt die Mutter gemeiniglich mit dem Kinde. Eben dieses Unglück entsteht beyeinem Vorfall der Mutter, oder wenn das Becken zu enge ist: denn der Gebrauchder Instrumenten ist hier ganz unbekannt.

Ihre Kinder lassen sie, wie, nach Tacitus Bericht, die alten deutschen, imKoth aufwachsen, und im Sommer meistens nur im Hemde, das ist: fast ganznackt herumlaufen. Die Schulen sind im Kurtrierischen und in den Grafschaften ziem-lich gut eingerichtet, und stehen -m Kurkölnischen am Rande einer grossen Reformation.

Die Protestanten in den Grafschaften sind die fleissgsten Ackerleute, auch dieaufgeklärtesten und vermögendsten Burger. Nach diesen kommen im Ackerbau dieEinwohner des Amtes Altewiek»: auch sind dieselbe am meisten zum Handel aufge-legt; dabei) aber ein abgeleuutes schlaues Volk, welches unter andern WielandsAusspruch bestattiget, daß allzugroffer Luxus und allzugrosse Armuth gleich frucht-bare Quellen des Lasters seyn.

Im Kurttierischen werden die Einwohner durch Kopfgeld, Ehegeld, welchesauch die ärmste Wittwe Zeitlebens erlegen muß, und andere dergleichen Auflagengedruckt. Aber weder in den Kursürffenthümern, noch in den Grafschaften sindsie von Frohndiensten frei), die in den Graischuften zwar mit einer unbedeutendenBagatelle bezahlt, aber darinn doch am strengsten und härtesten sind. Der Herrkann, wenn er will, immer den andern Tag für sich zum Frohndienste fordern.

Ehrenstein. Dieß ist ein verfallenes Schloß, zwo Mellen ostwärts finz, das demGrafen von Nessel« ode zugehöret. Es wurde im dreißigjährigen Kriege zerstöret, aber nochin« ersten Viertheil dieses Jahrhunderts wohnte ein Jager darum. Auch erinnere ich mich, inmeiner Jugend noch viele Kanonen und steinerne Kugeln daselbst gesehen zu haben: diese aberhat inan in der Folge weggesühret. Das merkwürdigste ist ein durch lebendige Felsen ge»hauener Gang nach einem Thurm , der auf einem, »eben dem Schlosse gelegenen, Berge er«bauet ist, und der Sage gemäß die letzte Retirave bey Belagerungen war.

H 2 Junker