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[1. Heft] (1784)
Entstehung
Seite
60
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Junker Bertram von Nesselrode und seine Gemahlin Margaretha von Ueltgenbach«rbaucten im Jahre 1495. das neben dem Schlosse gelegene Kreuzbrüder, Kloster, und schenk»ten ihm hinlängliche kändereyen, Waldungen und Weinberge. Die Kirche ward so abgelegt,daß die Bewohner des Schlosses durch einen Gang ans die Gallerie der Kirche, wo die Or»gel lieht, kommen, und dem Gottesdienste beywohnen konnten. Diese Stifter werden in denJahrbüchern des Klosters als besonders fromme und gegen die Geistlichkeit und Arme sreyge»bige Leute gerühmt; auch sagt man von ihnen, daß sie noch 20. andere Kloster gestiftet ha-ben. Ihr Grabmahl, mit ihren Porträten, Wappen und einer teutschen Aufschrift befindetsich in der Kirche, so wie noch zwei) andere Grabmäler, und die aufgehangenen Wappen dernämlichen Familie. Das Kloster scheinet anfänglich keine sonderlich grosse Einkünfte gehabt zu haben,indem es nur auf sechs Personen gestiftet ist: nachher ward es, wie die Annale» beweisen,Von verschiedenen, theils Edelleuten, z. B. von den Junkern von Berscheid und von Nett»qeirbach, theils von Bauern, deren Namen aufbewahret find, sowohl mit baarem Geldeals mit Grundstücken beschenkt. Daher können diese Mouche s ehedem Patres, nun epemteregulirte Chorherren) zu io. und ir. sehr gut leben, wiewohl gegenwärtig mit dem Priorihrer nur 9. sind.

Ehrenftein liegt in einem sehr tiefen Thale, won'nn die Mörbach mit der Wiedbach zu»sammcnfiießt. Nach Osten und Süden ist es ganz von hohen Gebirgen verschlossen, und vom Novem-ber bis zum Februar hat es keine Sonne, woher das Kloster sehr feucht und ungesund ist, auch nuroben, und nicht im untern Stockwerke, das man verfallen läßt, bewohnet wird. Das Schloß liegtauf einem, in der Mitte des Thales sich erhebenden, schichten Hügel, und hat erstaunlich, manchmaliz Fuß dicke, aus grauem Felsstcine erbauete feste Mauern. Zur Festigkeit der alten Mauerntrug überhaupt sehr viel bey , daß vcrmuthl-ch unsere Väter den Kalch erst bepm Gebrauche, nicht abervorher, geloscht haben. Ein sehr grosser gewölbter Keller, den man hier findet, ist aber Aufmerksam-keit würdig. Auch bemerkt man, daß die eichenen Balken, da, wo sie die Nasse nicht berührt hat,noch so fest find, als wenn sie neu waren.

DaS Dörfchen und das Kloster liegen im Thale, Die Bibliothek enthält blos alte Bücher, unddarunter einige seltene; Manuscripte aber gar nicht. Die Mönche lassen ihr ziemlich Ruhe; essen undtrinken dagegen nicht übel. Sie haben zwo Psarreyen, eine im Kurkölnischen zu Oberlar, und die an-dere im Kurtrierischen zu Pettrslar.

Die ehemaligen Herren von Nesselrode waren Drossarde des ganzen Bcrqischen Landes(OrolftM re rrne inoncenliZ, sagt die Urkunde) welches damals den Herzogen von Kleve zugchvrte.

Zu Burglar, welches Dorf eine Vierttlstunde von .Oberlar entfernt liegt, sind aufeinem Hügeldie Ruinen eines alten Schlosses, nebst einem daselbst noch stehenden Thurms. Die Bauern haben mirerzählt, daß man in Kriegszeiten Gctraide und andere Sachen in diesem Thurme verborgen habe. Weraber dieses Schloß ehedem bewohnet, weiß ich nicht; vmnuthe aber, daß es jemand von der Jsenburgi-schen Familie gewesen, nach deren Aussterben ihre Besitzungen an die Kurfürsten von Köln und Triergekommen sind.

Bruch bey Oberlar jenseits der Wledbach ist ein Gräflich - Berlenburgisches Gut; trägtjährlich ?oO Gulden Pacht ein, und hat ehedem ein mit Teichen umgebenes Schloß gehabt, wovon manjtzl nur die Ruinen noch sieht. Die Kurtrierischc Regierung maßt sich einer Gerichtsbarkeit darüber an,wogegen aber der Graf und der Pachter aus allen Kräften protestiren.