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[1. Heft] (1784)
Entstehung
Seite
55
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daß in den Hungerjahren 177c) und 1771. Brodaus Wurzeln und Eicheln ge-backen worden. Hader und Erdapfel nimmt man aber auch in guten Iahren zumNocken, und backt eintrocknes und schweres unverdauliches Brod daraus. Nur be-stehet die vornehmste Kost der Einwohner aus Brod, Habermehlsuppen, die sie mitMolken oder Schemmern) zubereiten, Erdapfel, Kohl, Rüben, Möhren, Erbsen,Bohnen, Butter und Käse. Fleisch essen sie nur Sonn-und Feyertags; einige essennur einigemal im Jahre Fleisch, anderegar nicht, sie müsten es denn betteln, oder ineinem fremden Hause, oder bey einen Hochzeit essen.

Ihre Hochzeiten werden mit herrlichen Schmausen geschert; sie dauern oftdrei) Tage; Schwein-und Rindfletsch, Bier und Brantwein, aber seltener Weinwerden den Gasten in Ueverfluß vorgesetzt, dagegen müssen diese aber dem neuenPaar ein Gejchenk an Geld oder leinen Tuch machen. Das Geldgeschenk bestehetgememiglich in einer Krone, einem Konventionsthaler, auch wohl in einem Dukaten.Da nun der Gaste immer viel sind, so hat das neue Paar bey einer solchen Hochzeit-feyer nie Verlust, sondern immer Vortheil. Ich halte die Gewohnheit, das neueEhepaar zu beschenken für eine der Vernünftigsten, wenigstens ist sie dem Staatevortheilhafter, als jene, wodurch das Vermögen des neuen Ehepaars bey kostbarenSchmausereyen ruinirt wird. Von Todtenmahlen wissm sie gar nichts. Das Fleischdas gefpetftt wird, ist meistens gedörrtes Schweinefleisch. Ehedem waren Speckund Haber-oder Hirsenbrey mit Milch ihre Leckerbissen, nun aber fangen sie auchan, Kaffee zu trinken, und auf ihren Dörfern msten sich Kramer ein, die denselben,Zucker, Gewürze, Tobac? und Halstücher, Sacktücher, Stoffe Schnalleu.d.gl. verkaufen.

Süsse Milch halten sie mit Recht vor delikat. Saure geronnene Milch es-sen sie aber im he>ssen Sommer sehr hausig, und das mit Recht; denn man weiß,daß diese geronnene Milch eine heftige Säure hat, daß sie das Mittel gegendie Aus-zehrung ist, und daß sie eine unvergleichliche und geprüfte antiseptische Kraft hat. ImBranteweintrinkcn schweifen sie aus, die Reichern öfters, die Aermern seltener. Auchkann man sie von Ausschweifungen in der Liebe nicht ganz frey sprechen: Aberdas Ende vom Liede ist gewöhnlich, daß das debauchiere Madchen ihrem Liebhadereinen Rechtshandel an den Hals wirft, worauf dieser verehlichet. Aber doch ist mirein Beyspiel bekannt, da ein Kerl, von dem fein Madchm schon zwey Kinder hatte,feyerhch vor Gerichte schwur, er sey unschuldig. Ehebrüche sind so sehr ausserordent-lich nicht, und ich habe einen Mann gekannt, der dieses Lasters wegen zweymal zumFsstungsbau verdammet worden ist. Von

*) Ein Gelrank/ das aus geflossenen wilden- oder Holzäpfeln mit Wasser zubereitet wird.