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3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
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253
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Letzte Gedichte. 253

Mir schwinden die Sinne nnd traumhaft hör'

Ich von Kataplnsmen reden,

Auch von der Mixtur — einen Eßlöffel voll —

Zwölf Tropfen stündlich in jeden.

26.

Wenn sich die Blutegel vollgesogen,

Man streut auf ihren Rücken bloßEin bißchen Salz nnd sie fallen ab —

Doch dich, mein Freund, wie werd' ich dich los?

Mein Freund, mein Gönner, mein alter Blutsauger,Wo find' ich für dich das rechte Salz?

Du hast mir liebreich ausgesaugtDen letzten Tropfen Rückgratschmalz.

Auch bin ich seitdem so abgemagert,Ein ausgebeutet armes Skelett —

Du aber schwollest stattlich emporDie Wttnglein sind rot, das Bäuchlein ist fett.

O Gott, schick mir einen braven Banditen,Der mich ermordet mit raschem Stoß —

Rur diesen langweil'gen Blutegel nicht,

Der langsam saugt — wie werd' ich ihn los?

27.

Im lieben Deutschland daheime,

Da wachsen viel Lebensbäume;

Doch lockt die Kirsche noch so sehr,Die Vogelscheuche schreckt noch mehr.

Wir lassen uns wie SpatzenEinschüchtern von Teufelsfratzen;

Wie auch die Kirsche lacht und blüht,Wir singen ein Entsagungslied:

Die Kirschen sind von außen rot,

Doch drinnen steckt als Kern der Tod;Nur droben, wo die Sterne,

Gicbt's Kirschen ohne Kerne.

Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist,Die unsere Seele lobt und preist —

Nach diesen sehnet ewiglichDie arme deutsche Seele sich.