Romancero — Letzte Gedichte.
Mein Fritz, gewohnt, ans huntbeblüintcn AuenSein Flügelroß mit leichter Hand zu leiten,Und sich zu schwingen hoch, wo Adler horsten:
Mein Fritz wird nun, will er sein Herz erbauen,Ans einein dürren Prosngaul durchreitenDen Knüppelweg von Münster bis nach Dorsten.
Zum „Lazarus".
1.
Laß die heil'gen Parabvlen,
Laß die frommen Hypothesen —Suche die verdammten FragenOhne Umschweif uns zu lösen.
Warum schleppt sich blutend, elend,linier Krenzlast der Gerechte,
Während glücklich als ein SiegerTrabt ans hohem Roß der Schlechte?
Woran liegt die Schuld? Ist etwaUnser Herr nicht ganz allmächtig?Oder treibt er selbst den Unfug?Ach, das wäre niederträchtig.
Also fragen wir beständig,
Bis man uns mit einer HandvollErde endlich stopft die Mäuler —Aber ist das eine Antwort?
2.
Es hatte mein Haupt die schwarze FrauZärtlich ans Herz geschlossen;
Ach! meine Haare wurden grau,
Wo ihre Thränen geflossen.
Sie küßte mich lahm, sie küßte mich krank,Sie küßte mir blind die Augen;
Das Mark aus meinem Rückgrat trankIhr Mund mit wildem Saugen.
Mein Leib ist jetzt ein Leichnam, worinDer Geist ist eingekerkert —
Manchmal wird ihm unwirsch zu Sinn,Er tobt und rast und berserkert.