Drittes Buch. Hebräische Melodie». 113
Er besprengt damit den Tisch,
Nimmt alsdann ein kleines Wachslicht,
Und er tunkt es in die Nässe,
Daß es knistert und erlischt.
Jchuda ben Halcvy.
«Fragment.)
I.
„Lechzend klebe mir die ZungeAn dem Gaumen, und es welkeMeine rechte Hand, vergaß' ichJemals dein, Jerusalem —"
Wort und Weise, unaufhörlichSchwirren sie mir heut im Kopfe,
Und mir ist, als hört' ich Stimmen,Psalmodierend, Männerstimmen —
Manchmal kommen auch zum VorscheinBärte, schattig lange Bärte —Traumgestaltcn, wer voll euchIst Jehuda ben Halevy?
Doch sie huschen rasch vorüber;Die Gespenster scheuen furchtsamDer Lebend'gen plumpen Zuspruch —
Aber ihn Hab' ich erkannt —
Ich erkannt' ihn an der bleichenUnd gedankcnstvlzen Stirne,
An den Augen süßer Starrheit —
Sahn mich an so schmerzlich forschend —
Doch zumeist erkannt' ich ihnAn dem rätselhaften LächelnJener schön gereimten Lippen,
Die man nur bei Dichtern findet.
Jahre kommen und verfließen.
Seit Jchuda ben HalevyWard geboren, sind verflossenSiebenhundertfünfzig Jahre —
Hat zuerst das Licht erblicktZu Toledo in KastilienUnd es hat der goldne TajoIhm sein Wiegenlied gelullct.
Hcinc'S Werke. III. Vd. 3