Romancero — Letzte Gedichte.
BrutnS, wo ist dein Cassius?
Er denkt nicht mehr ans Morden!
Es heißt, er sei am NeckarstnßTyranncnvorleser geworden.
Doch Brutus erwidert: „Du bist ein Thor.Kurzsichtig wie alte Poeten —
Mein Cassius liest dem Tyrannen vor,
Jedoch um ihn zu töten.
„Er liest ihm Gedichte von Matzerath —Ein Dolch ist jede Zeile!
Der arme Tyrann, früh oder spätStirbt er vor Langeweile.
Der Ex-Nnchtwiichtcr.")
Mißgelaunt, sagt man, verließ erStuttgart an dem Ncckarstrand,lind zu München an der IsarWard er Schauspiel-Intendant.
Das ist eine schöne GegendEbenfalls, es schäumet hier,
Geist und Phantasie erregend,
Holder Bock, das beste Bier.
Doch der arme Intendant?,
Heißt es, gehet dort herumMelancholisch wie ein Dante,Wie Lord Byron, Zlocnn^, stumm.
Ihn ergötzen nicht Komödien,Nicht das schlechteste Gedicht,
Selbst die traurigsten TragödienLiest er — doch er lächelt nicht.
Manche Schöne möcht' erheiternDieses gramnmflorte Herz,
Doch die Licbesblickc scheiternAn dem Panzer, der von Erz.
Nnnnerl mit dem NiegclhnubchcnGirrt ihn an so muntern Sinus —„Geh ins Kloster, armes Täubchen,"spricht er wie ein Dttncnprinz.
"> Franz Dingclstcdt, Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters