48 Romancero — Letzte Gedichte.
Sie stand im Kahn so blaß, so schlank,Und unbeweglich dabei,
Als war' sie ein welsches Marinorbild,
Dianens Konterfei.
Der Mond verbirgt sich ganz. Es PfeiftDer Rachtwind kalt vorbei;
Hoch über unfern Häuptern ertöntPlötzlich ein gellender Schrei.
Die weiße, gespenstische Möwe war's,
Und ob dem bösen Schrei,
Der schauerlich klang wie ein Warnnngsrnf,Erschraken wir alle drei.
Bin ich im Fieber? Ist das ein SpukDer nächtlichen Phantasei?
Äfft mich ein Traum? Es träumet mirGrausame Narretei.
Grausame Narretei! Mir träumt,
Daß ich ein Heiland sei,
Und daß ich trüge das große KreuzGeduldig und getreu.
Die arme Schönheit ist schwer bedrängt,Ich aber mache sie frei
Bon Schmach und Sünde, von Qual und Not,Von der Welt Unfläterei.
Du arme Schönheit, schandre nichtWohl ob der bittern Arznei;
Ich selber kredenze dir den Tod,
Bricht auch mein Herz entzwei.
O Narretei, grausamer Traum,
Wahnsinn und Raserei!
Es gähnt die Nacht, es kreischt das Meer,O Gott! o steh nur bei!
O steh mir bei, barmherziger Gott!Barmherziger Gott Schaddei!
Da schollert's hinab ins Meer — o Weh —Schaddei! Schaddei! Adonai! —
Die Sonne ging auf, wir fuhren ans Land,Da blühte und glühte der Mai!
Und als wir stiegen aus dem Kahn,
Da waren wir unsrer zwei.