Druckschrift 
3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Buch. Historien.

II.

„Ich bin der Gvtt der Musika,

Verehrt in allen Landen;

Mein Tempel hat in GräciaAuf Mont-Parnaß gestanden.

„Auf Mont-Parnaß in Gräcia,

Da Hab' ich oft gesessenAm holden Quell Kastalia,

Im Schatten der Cypressen.

„Vokalisiercnd saßen daUm mich herum die Töchter,

Das sang und klang, la-la, la-la,Geplauder und Gelächter.

„Mitunter rief, tra-ra, tra-ra!Ein Waldhorn aus dem Holze;

Dort jagte Artcmisia,

Mein Schwcstcrlein, die Stolze.

„Ich weiß es nicht, wie mir geschah;Ich brauchte nur zu nippenVom Wasser der Kastalia,

Da tonten meine Lippen.

„Ich sang — und wie von selbst beinahDie Leier klang, berauschend;

Mir war, als ob ich Daphnc sah,Ans Lorbcerbiischen lauschend.

„Ich saug — und wie AmbrosiaWohlrüche sich ergossen,

Es war von einer GloriaDie ganze Welt umflossen.

„Wohl tausend Jahr' aus Gracia,Bin ich verbannt, Vertrieben —

Doch ist mein Herz in Gräcia,

In Gracia geblieben."

III.

In der Tracht der Beginnen,Iii dem Mantel mit der KappeVon der gröbsten schwarzen Serge,Ist vermummt die junge Nonne.