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3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
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Nachwort zum Romanccro. 9

die gegen sehr hohe und sehr niedrige Personen gerichtet waren,wurden deshalb in vorliegender Sammlung nicht aufgenommen. Ge-dichte, die nur Halbweg Anzüglichkeiten gegen den lieben Gott selbstenthielten, habe ich mit ängstlichstem Eifer den Flammen überliefert.Es ist besser, daß die Verse brennen, als der Versifex. Ja, wie mitder Kreatur, habe ich auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht, zumgrößten Ärgernis meiner aufgeklärten Freunde, die mir Vorwürfemachten über dieses Zurückfallen in den alten Aberglauben, wie sieineine Heimkehr zu Gott zu nennen beliebten. Andere, in ihrer In-toleranz, äußerten sich noch herber. Der gesamte hohe Klerus desAtheismus hat sein Anathcma über mich ausgesprochen, und es gicbtfanatische Pfaffen des Unglaubens, die mich gerne auf die Folterspannten, damit ich meine Ketzereien bekenne. Zum Glück stehen ihnenkeine andern Foltcrinstrumente zu Gebote, als ihre Schriften. Aberich will auch ohne Tortur alles bekennen. Ja, ich bin zurückgekehrtzu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei denHegelianern die Schweine gehütet. War es die Misere, die mich zurück-trieb? Vielleicht ein minder miserabler Grund. Das himmlische Heim-weh überfiel mich und trieb mich fort durch Wälder und Schluchten,über die schwindligsten Bergpfade der Dialektik. Auf meinem Wegefand ich den Gott der Pautheisten, aber ich konnte ihn nicht gebrauchen.Dies arme träumerische Wesen ist mit der Welt verwebt und verwachsen,gleichsam in ihr eingekerkert, und gähnt dich an, willenlos und ohn-mächtig. Um einen Willen zu haben, muß man eine Person sein,und, um ihn zu manifestieren, muß man die Ellbogen frei haben.Wenn man nun einen Gott begehrt, der zu helfen vermag unddas ist doch die Hauptsache so muß man auch seine Persönlichkeit,seine Außerweltlichkeit und seine heiligen Attribute, die Allgüte, dieAllweisheit, die Allgerechtigkcit n. s. w. annehmen. Die Unsterblichkeitder Seele, unsere Fortdauer nach dem Tode, wird uns alsdann gleich-sam mit in den Kauf gegeben, wie der schöne Markknochen, den derFleischer, wenn er mit seinen Kunden zufrieden ist, ihnen unentgeltlichin den Korb schiebt. Ein solcher Markknochen wird in der französischenKüchensprache la. rejouissanoa genannt, und man kocht damit ganzvorzügliche Kraftbrühen, die für einen armen schmachtenden Krankensehr stärkend und labend sind. Daß ich eine solche rsjonissauas nichtablehnte und sie mir vielmehr mit Behagen zu Gemüte führte, wirdjeder fühlende Mensch billigen.

Ich habe vom Gott der Pautheisten geredet, aber ich kann nichtumhin, zu bemerken, daß er im Grunde gar kein Gott ist, sowie über-haupt die Pantheisten eigentlich nur verschämte Atheisten sind, diesich weniger vor der Sache, als vor dem Schatten, den sie an dieWand wirft, vor dem Namen, fürchten. Auch haben die meisten inDeutschland während der Restanrationszeit mit dem lieben Gotte die-