8 Romcmcero — Letzte Gedichte.
für mich, wie für meine Freunde. Doch Geduld, alles hat sein Ende.Ihr werdet eines Morgens die Bude geschlossen finden, wo euch diePuppenspiele meines Humors so oft ergötzten.
Was soll aber, wenn ich tot bin, aus den armen Hanswurstenwerden, die ich seit Jahren bei jenen Darstellungen emplvyiert hatte?Was soll z. B. ans Maßmann werden? Ungern verlast' ich ihn, undes erfaßt mich schier eine tiefe Wehmut, wenn ich denke an die Verse:
Ich sehe die kurzen Beinchen nicht mehr,
Nicht mehr die Platte Nase,-
Er schlug wie ein Pudel, frisch, fromm, fröhlich, frei,Die Purzelbäume im Grase.
Und er versteht Latein. Ich habe freilich in meinen Schriften so oftdas Gegenteil behauptet, daß niemand mehr meine Behauptung be-zweifelte, und der Ärmste ein Stichblatt der allgemeinen Verhöhnungward. Die Schulbuben frugen ihn, in welcher Sprache der Don Quixvtegeschrieben sei? und wenn mein armer Maßmann antwortete: „Inspanischer Sprache" — erwiderten sie, er irre sich, derselbe sei lateinischgeschrieben und das käme ihm so spanisch vor. Sogar die eigeneGattin war grausam genug, bei häuslichen Mißverständnissen aus-zurufen, sie wundere sich, daß ihr Mann sie nicht verstehe, da sie dochDeutsch und kein Latein gesprochen habe. Die Maßmännische Groß-mutter, eine Wäscherin von unbescholtener Sittlichkeit und die einstfür Friedrich den Großen gewaschen, hat sich über die Schmach ihresEnkels zu Tode gegrämt; der Onkel, ein wackerer altprcußischer Schnh-flicker, bildete sich ein, die ganze Familie sei schimpfiert, und vor Ver-druß ergab er sich dem Trunk.
Ich bedaure, daß meine jugendliche Unbesonnenheit solches Un-heil angerichtet. Die würdige Waschfrau kann ich leider nicht wiederins Leben zurückrufen, und den zartfühlenden Oheim, der jetzt zuBerlin in der Gosse liegt, kann ich nicht mehr deS Schnapses ent-wöhnen; aber ihn selbst, meinen armen Hanswurst Maßmann, willich in der öffentlichen Meinung wieder rehabilitieren, indem ich alles,was ich über seine Lateinlosigkeit, seine lateinische Impotenz, seinemuAna, Unnaus ronmrms iAnorankia, jemals geäußert habe, feierlichwiderrufe.
So hätte ich denn mein Gewissen erleichtert. Wenn man ansdem Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsam und weichselig, undmöchte Frieden machen mit Gott und der Welt. Ich gestehe es, ichhabe manchen gekratzt, manchen gebissen und war kein Lamm. Aberglaubt mir, jene gepriesenen Lämmer der Sanftmut würden sich mindersrömmig gebärden, besäßen sie die Zähne und die Tatzen des Tigers.Ich kann mich rühmen, daß ich mich solcher angeborenen Waffen nurselten bedient habe. Seit ich selbst der Barmherzigkeit Gottes bedürftig,habe ich allen meinen Feinden Amnestie erteilt; manche schöne Gedichte,