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<145 Was halten die Protestanten von der letzten Oelung?
Sie halten dieselbe für eine menschliche Einsetzung, womitkeine göttliche Verheißung verbunden ist, und widersprechendadurch den Zeugnissen des ganzen kirchlichen Alterthnms, jasogar allen mvrgenländischcn Sekten, die die h. Oelung alsein Sakrament betrachten.
l4S. Wie sind sie zu dieser Behauptung gekommen?
Dadurch, daß sie die obige Schriftstelle unrichtig auslegten,obschon die Worte: „Im Namen des Herrn" und „wenn erin Sunden ist, so werden sie ihm erlassen werden," die gött-liche Einsetzung und Gnadenwirknng nicht verkennen lassen.Sie meinen bei ihrer willkürlichen Auslegung der Stelle zngenügen, wenn sie dieselbe so verstehen, daß der Prediger denKranken besuchen und über ihn und mit ihm um Genesungbeten soll, da die Oelsalbnng nur als ein Brauch der erstenKirche zn betrachten sei- Mit Recht bemerkt über ein solchesVerfahren sogar die „Berliner evangelische Kirchenzcitnng vomJahre 1.3S7": „Freilich hat sich die neuere Eregese übersolche Stellen, wie Jak- 5, 14. 15. leicht hinweggeholfen, in-dem sie erklärte, daß sie nur für jene Zeiten geschrieben, undjetzt sei davon keine Anwendung mehr zn machen. Wer weißnicht, wie diese Auslegnngswcise das Christenthnm be-schnitten und verstümmelt hat, und wie fast jeder a n ß er-de in sch o n W eg ge ra n m tcn noch Mehrcres wegznrän-men fand? Und wo ist da die Grenze? Wo ist der WillkürVorzubeugen, die alles, was ihr nicht gefällt, in das Gebietdes ans die Zeit Beschrankten verweist? Sei es, daß unser Herrnnd Meister etwas unmittelbar oder durch seine Apostel befoh-len habe; dies Letztcrc muß denen, die an ihn wahrhaft glau-ben, ebenso gültig sein."
147. Hoben sich auch protestantische Gelehrte günstig über die h. Oelungausgesprochen?
Ja; von dies-m sei wiederum nur allein Leibnitz genannt,der also schreibt: „Ueber die letzte Oelung ist es nicht nöthigVieles zn sagen, sie hat die h. Schrift für sich nnd die Aus-legung der Kirche, welcher sich fromme nnd katholische Christensicher anvertrauen. Auch sehe ich nicht, was an jenem Ge-brauche, den die Kirche angenommen hat, von Jemand könnegetadelt werden. Wir sehen, daß chedessen oft die Gabe derHeilung damit verbunden war, welche nun, so wie andereaußerordentliche Wohlthatcn nach fest begründeter Kirche nichtmehr so häufig ist, doch muß man auch nicht glauben, daßselbst damals Alle geheilt worden seien, welche die Oelungempfingen. Indessen hat sie wenigstens auch heute noch fürwohl bereitete Seelen jene fortwährende und niemals trügendeKraft der Heiligung, welche der Apostel Jakobns ihr beilegt,und welche er m den Sündennachlaß und in die Befestigung