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wichtigsten Lehren derselben schriftlich aufgezeichnet wurden.Schriftwidrige Lehren kennten eben so wenig durch die Tra-dition Anerkennung finden, weil das schriftliche Wort eins istmit dem mündlichen und beide ans der Kraft des h, Geisteshervorgehen; weshalb auch die Tradition gewöhnlich die Norm,die Richtschnur der Schrifterklärung genannt wird. Daß aberaus der Schrift allein schriftwidrige Lehren hergeleitet werdenkönne», sehen wir an Calvin, welcher aus den Worten: „Gotthat den Pharao verstockt," die gräßliche Folgerung zog: Gott istdie Ursache des Bösen, erschafft einen Thcil der Menschen zurSünde, um ihn nachher verdammen zu können.
57. Ist die Tradition stets als Richtschnur der Schcistcrklärung angesehen
worden i
Ja, denn schon in den ersten Zeiten des Christcnthnms wurdendie Ketzer nicht ans der h. Schrift widerlegt, sondern aus derTradition, wie sie das unfehlbare Lehramt der Kirche festhielt.Die Kirchenlehrer, „denen das Wort der Apostel noch in denOhren wiederhallte," beschicden die Ketzer dahin, daß, wennein Zweifel über die Lehre der h. Schrift entstanden, die in derKirche fortlebende Ueberlieferung sich entschieden genug aus-spreche und ihr die Unterwerfung nicht zu versagen sei. Freilichunterließen die Kirchenväter nicht, die h. Schrift zur Widerlegungder Ketzer anzuwenden; aber dann stand manchmal die Ansichtdes einen gegen die des andern, und nach dem Dafürhaltender streitenden Parteien, die Schrift auf beiden Seiten. Aufdie in der Kirche fortlebende Tradition aber berief man sichnun, um das Endnrlheil fällen zu können; denn diese bestimmte,was wahre, von den Aposteln überkommene Lehre sei. Ebendarum auch, weil die Tradition den Jrrlebrern am kräftigstenentgegen trat, schreibt der h. Basilius: „Es ist das gemein-schaftliche Ziel aller Feinde der gesunden Lehre, die Festigkeitunseres Glanbens an Jesus Christus zu erschüttern, indem" siedie apostolischen Ueberliefcrnngen vernichten."
58. Was ist darüber zu sagen, daß die Protestanten die Tradition verwerfen?
1. Sie müßten behaupten, daß es in den ersten Zeiten desChristenthnms keine wahren Christen gegeben habe; denn esdauerte mehr als WO Jahre, bevor die h. Schrift so gesam-melt war, wie wir sie jetzt besitzen.
2. Sie ständen mit sich selbst in Widerspruch, da sie einzelneLehren der Tradition, z. B die Kindcrtanfe, annehmen, die siedoch den Mcnnonitcn gleich verwerfen müßten.
3. Sie standen mit sich selbst in Widerspruch, da sie dieh. Schrift, wie wir sie haben, annehmen, obwohl uns dieselbein dieser Gestalt nur von der Tradition überliefert worden ist.
Endlich sagt selbst der protestantische Gelehrte Lessing: Wennalle Bibeln der Welt zu Grunde gingen, könnten die Prote-stanten nicht mehr Christen sein; denn sie hätten nichts, woraussie die christlichen Lehren zn schöpfen im Stande wären.
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