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Katechismus über die Unterscheidungslehren der Katholiken und Protestanten : von katholischen Pfarrgeistlichen Crefelds ; veranlaßt durch den Katecismus der Duisburger Kreis-Synode
Entstehung
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tigc Lesen der Bibel in ihm erweckt werden, gleich für untrüg-liche anzunehmen nnd sich selbst also für unfehlbar zu halten.Für unfehlbar aber müßte er sich halten, sonst hatte er keinevollständige Gewißheit nnd bliebe fortwährend im Zweifel.

2. Um gewiß zu sein, daß man das Rechte gefunden, bc--dürfte es wieder einer besonder», alle Täuschung anßschlicßcndcn,übernatürlichen Beglaubigung.

3. Alle die Einzelnen, denen solche Beglaubigungen zuTheil würden, müßten in ihren Erklärungen' übereinstimmen.Das ist aber nicht der Fall, vielmehr weichen sie in den wesent-lichsten Punkten von einander ab, legen der h. Schrift denwidersprechendsten Inhalt bei, und je »ustunigcr nnd gottloserdie Irrlehren waren, desto hartnäckiger beriefen sich die Predigerderselben auf die Schrift und ans eine Beglaubigung von Oben.LZ. Aber vielleicht legen die Gelehrten unter den Protestanten die h. Schrift

richtig aus?

Nein; denn auch diese stimmen nicht einmal unter sich übereinnnd beschuldigen sich gegenseitig des Irrthnms n»d der Ent-stellung. So'z. B. gab es über die einfachen Worte:Diesist mein Leib" schon kurz nach Luther unter den von der KircheAbgefallenen gegen 20» Erklärungen. Ferner müssen auch dieGelehrtesten die Möglichkeit annehmen, daß durch gründlichereSchriscforschung Anderer ein ganz anderes Resultat gewonnenwerden könne, als sie bereits gefunden haben. Endlich ist jabekannt, daß es kein einziges Buch in der h. Schrift gibt, wel-ches nicht schon protestantische Gelehrte, ans ihr Privatnrtheilund ihre evangelische Freiheit sich berufend, verworfen haben.54. Worin ist nach der Lehre der Katholiken die andere, zur Selig-keit nöthige Wahrheit enthalten?

In der Tradition oder mündlichen Uebcrliefernng.

55. Was verstehen die Katholiken unter Tradition?

Manche Lehren Ehristi sind von den Aposteln nicht schrift-lich, sondern mündlich verbreitet worden. Von den Apostelnwurden sie ihren Nachfolgern nnd von diesen wieder ihren weitemNachfolgern durch mündlichen Unterricht überliefert, wie dasauch schon ans den Worten hervorgeht, welche Paulus an denBischof Timotheus schrieb:Was du gehört hast von mir vor sovielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen, welche tüchtigsind. Andere zu lehren." 2 Timoth. 2, S. Diese so mündlichfortgepflanzten Lehren Christi nennen wir Tradition oder münd-liche Ucberliefernng.

5g. Ist >s wahr, daß durch die Tradition viele großen Mißbräuche undfalsche schriftwidnge Lehren in der katholischen Kirche Anerkennung ge-funden haben?

Nein. Mißbräuche konnten durch die Tradition als solchenicht einschleichen, weil sie eine göttlich verbürgte Einrichtung ist.Späterhin konnte es auch deshalb nicht geschehen, weil die