— 132 —
der nämlichen Spinnerei und Weberei seyn mögen? Dasliegt den Professoren ob, aus archäologischen Gründen zubeweisen. Dabei wollen sie uns auch genau Zeit undOrt bestimmen, wann und wo diese Partikeln von demächte» ungenähten Rocke abgeschnitten worden, und mitwelcher Scheere. Man darf uns diese etwas curios lau-tenden Forderungen nicht verargen, denn die BonnerHerren babeu sie uns in ihrer Prüfung des Trierer Rockesgelehrt. Auch schreiben sie S. St. §. 10. „Dem Triererh. ungenähten Rocke ist sein Recht geworden, es ist billig,daß eö den übrigen h. ungenähten Röcken nicht versagtwerde." Wir glauben also, diesem Billigkeitsgesetze folgenzu müssen, doch scheint uns das nicht Recht zu seyn, wennmau einem Theiichen das zueignet, was^) dem Ganzenzukommt. Darf man wohl ein Stück von dem Saumeeines Kleides als ein vollständiges Kleid ausgeben oderdarstellen? Mit welchem Rechte stellen dann die Prof.jede kleinste Partikel, deren zwölf bis dreizehn in derSchrift vorkommen, als einen ganzen ungenähten Nockvor? Soll man dies Verfahren nicht einer Unredlichkeit,einer Tauschung des Publikums beschuldigen dürfen? Sieversprechen dem Publikum zwanzig andere Röcke — näm-lich wie der Trierer Rock ist, und geben nur einige Fäden!Im Anhange werden zwar die Originaltexte aus latei-nischen Werken geliefert, aber nicht alle Leser verstehendiese Sprache, und doch liest jeder auf dem Titelblatte
Die Regel der Poesie: pars pro low, findet hier keineAnwendung. Zn der Kirchenspruche bei Reliquien wirdzwar zuweilen ein Theil des Körpers der Körper, Corpus8. iviart^ris genannt, wie Baronius »a .^nn. ss, iv. tö,bemerkt, aber in einer w i sse n schas l i i ch en Unter-suchung über die Aechtheit einer bcsondern Reliquiehört diese poetische und kirchliche Freiheit auf.