Widerlegung der Schrift- Die zwanzig heil. Röcke der Prof. O. v. Vildemeisser und von Sichel. Von Nr. A. I. Binterim. Aua den Kaiholischen Blättern besondere abgedruckt. Zweite Lieferung. Düsseldorf, Verlag von P. Roschütz A Comp. 1843. — 59 — III. Artikel. Die negative Kritik der Bonner Professoren kann die kirchUme Neöerucfeeung der Trierer Kirche »das; der h. Roch durch die h. Helena dahin gebracht worden," nicht verdächtigen. Kirchliche Ueberlieferungen, die unsere alten bischöflichen Sitze als eine heilige Erbschaft bewahren, darf man den gewöhnlichen Volkssagen und gemeinen Erzählungen nicht gleichstellen. Sie wurzeln in einem weit bessern Boden als diese, in dem Boden einer ehrwürdigen Autorität der Kirchenvorsteker, die vom Geiste Gottes angeordnet, jeden Betrug, jede Verfälschung als eine Befleckung und Schaudung des ihnen anvertrauten Heilig- thums von ihren Kirchen fern halten müssen und somit nichts als verchruugswürdig aufnehmen und öffentlich ausstellen dürfen, was nicht nach der Reinheit der katholischen Glaubenslehre gehörig geprüft worden. Man war daher gewohnt,*) dergleichen Ueberlieferungen gewisser Particularkirchen als fortlebende Urkunden, deren Beweiskraft durch die Länge der Zeit immer steigt, und als kostbare Monumente anznseheu, die eine den schriftlichen Zeugnissen gleiche Autorität behaupten. Als es sich einst zur Zeit deS h. Ambrosius handelte um die Bewährung der erst aufgefundenen Reliquien der h. Märtyrer Gervasius und Protasius zu Mailand, bezog sich Vergl. ltooorst. a 8. »laria swoisävers. in Rsgul et usum Oities». viss. Vl. l-ibr. V. ^.rt. 10. ksZuI. N. i> 17t. ?om. III. 4 — 6V — dieser große Kirchenlehrer auch auf die in Mailand noch bestehende Überlieferung. „Die Alten sagen, die Namen dieser Märtyrer einst gehört und die Titel gelesen zu haben; die Stadt wußte nichts mehr davon."*) — Schriftliche Urkunden können durch mancherlei Zufalle verloren gehen oder vernichtet werden, wo die kirchliche Überlieferung sich erhält und von Mund zu Mund fortlebt. Gcrärh sie auch zuweilen, weil die Zeitgenossen nicht mehr so genau darauf reflectiren oder nicht mehr Werth darauf legen, in eine Vergessenheit, so bleiben doch noch immer in dem alten Bode» einige Wurzeln, die zur gelegenen Zeit wieder austreiben und die zeitlichen Nachforschte auf den alten Stamm zurückführen. Die aufgeweckte Wurzel gewinnt dann bald neue Nahrung und wächst rasch auf. Die uralte bischöfliche Kirche zu Trier, die Prima- tialkirche des U. Belgiens, bewahrt euie zweifache terar, lige Überlieferung: ->) daß sie den ungcnähten Rock des Herrn besitze, nnd d) daß sie diesen durch die h. Helena, des ersten christlichen Kaisers Constantin Mutter, mit noch mehrcrn andern Reliquien erhalten habe. — Die erste Überlieferung wollen die jungen Kritiker dadurch verdächtigen und kurzweg abweisen, weil die Trierer Kirche keine bis auf die Zeit der h. Helena (I. 326.) zurückgehende schriftliche Urkunden oder Zeugnisse auflegen kann; sie machen sich lustig über den enormen Sprung des Hrn. Prof. Marr oder vielmehr Nücksprung vom 12. bis zum 4. Jahrhundert, ohne dabei eine Pause zu machen, oder anzuzeigen, wo solche gemacht worden ist. Das ist allerdings etwas Unbegreifliches für jene, die gar LS. 'luio. ll. vxsi-. 8. e>tU. Riturio. I>. S77. — 61 — keine Ucberlieferung gelten lassen und Alles mit eigenen Augen sehen oder mit Händen betasten wollen, ehe sie eine langst vergangene Begebenheit als geschichtliche Thar- sache annehmen: aber was ist den Schülern eines Bruno Bauer selbst die bewährteste und heiligste Geschichte? — Daß die Trierer Kirche keine schriftliche Urkunden oder Zeugnisse über ihr Besitzthum früher gehabt habe, wird Niemand zu behaupten wagen. Sie war von den frühesten Zeiten her reich an eigenen und auswärtigen Reliquien, wie sich aus einem Schreiben Alcuin's an den Bischof Paulin von Trier *) und aus den Gesten schließen läßt:**) soll sie von allen diesen Reliquien keine schriftlichen Zeugnisse besessen haben? Man kann indessen genau die Zeit bestimmen, wo alle schriftliche Urkunden mit mehrern andern Kostbarkeiten der Trier'schcn Kirche geplündert, zerstört und verbrannt worden sind. Nicht nur einmal, sondern wiederholt und in verschiedenen Jahrhunderten traf eine gänzliche Zerstörung die alte Stadt. Diese unglücklichen Zeiten für Trier beschreibt ausführlich Hr. Prof. Marx in seiner Schrift: Geschichte des heil. Rockes H. 5. S. 29. :c. und es wird unnöthig seyn, dies hier zu wiederholen. Es überlebten aber die letzte Zerstörung durch die Normannen noch einige treue Männer, die ohne Zweifel die alten schriftlichen Urkunden und historischen Zeugnisse gesehen und gekannt haben, die dann dieselben nach der Zerstörung gleichsam aus der Asche wieder hervorgesucht und gesammelt, oder die ganz verbrannten und zerstörten aus dem Gedächtniß nachgetragen Lpist. KS lkom. I. oper. ^tcuini oäit. Grobem! p. 49. Bon dem St. Paulin - Kloster allein sagen die 6«^»: lnnuwarabili!» e^usdom multitullioi« in live (H. pautiut) wooszterio e»«o comnrstisnza. 4* und überliefert haben. Ein*) von dem gelehrten Be- ncdictiner der St. Matthias-Abtei zu Trier, Maurus H ilar, aus einem sehr alten Pergamenl-Manuscript aus- gehobenes Fragment sagt: „Dies über die Thaten der h. rtiaier haben wer, da wir nach der Zerstörung der Stadt Trier die übriggebliebene Äsche vorsichtig durchsuchten, hier uno da aus Papier geschrieben gefunden und dann zusammengetragen, welches wir dem guten Gebrauche der gegenwärtigen wie der zukünftigen lleser bestens empfehlen." Äm Ende wiederholt oaS Fragment, daß zwar die Ur- kundcnbücher verbrannt sehen und nur wenig aus dem Schulte hervorgehoben woroeu, doch aber die bei oen Reliquien bewirkten Wunder die Aechlyeit derselben und ihre alle Kraft bewiesen. — Unrer den vor dem Euif..llc der Rormanncn berühmten Geleorren und Scribeuten der St. Matthias-Ablei wiro besoiiders erwähnt der Recror Fweberl, ver die ganze Zerstörung der Stadt Trier er- tevr und nach derstloeu noch drei Fahre dort thatig war. Auf ihn folgte als Rector der Schule Eberhard, der ebenfalls die unglückliche Epoche erUbl uno spater noch lange Fahre in Trier die schule geleitet uno wieder erhoben hat. Von diesen beiden gelehrten Mannern redet der ! Abt Trithcm in seinem -lderke über die Schriftsteller (ele Fei'ipwi'ib.) sowohl wie in der Hirsauer Ehronik auf die Fahre 88ö und lll)g, wo er berichtet, daß sie nicht nur die Invasion der Normannen und die Zerstörung der Vimiiei-t« Inst, '1'esvleeos. tileiis 1773 p. 36. Uusc «ts Kesii» »5. I'iueuiu ^iusi «zxeiriiuiu 'rievi-riv-uz uriir-i rt-Ilvi»» ciuvre!« ltrliAeuiius ui-ruw« »luii'zim iu ciureluli-z «vi iuvLulurus, ijUiU- iu uuui» r»rriitciit utilit!lii tluin lttin peuo^t-ueium ijUiem tuiurviuui üittilllve euur- — 63 — Stadt Trier beschrieben, sondern auch die Geschichte der Trierer Kirche überarbeitet haben. Wie die Mönche der St. Matthias-Abtei, so werden auch wohl einige andere ans den übrigen Stiftern, Abteien und Klöstern die Invasion der Normannen und die Verbrennung der Stadt überlebt haben, und wenn sie auch aus der Asche keine Monumente oder Bücher retteten, io konnten sie doch ihren Nachkömmlingen das aus der früher» Geschichte mündlich überliefern, was sie selbst in den alten schriftlichen Urkunden gelesen baben. Ans diesen gewiß glaubwürdigen Zeugen ruhet also die aus den schriftlichen Urkunden fortlebende Tradition und von ihnen ging sie auf die folgenden Jahrhunderte über. Der Sprung vom 10. Jahrh. bis ins 11. ist doch wahrlich nicht groß, vielmehr reibet sich hier ein Jahrhundert an das andere. Der Verfasser der Lebensbeschreibung des h. Bischofs Agritius, der nach dem Urtbeil der Bollandisten im 11. Jahrhunderte geschrieben hat, bezieht sich auf die Erzählung der Vorfahren, die er selbst gesprochen hat. „Nach ganz wahrhafter Erzählung unserer Vorfahren haben wir vernommen, daß ein frommer Bischof von Trier, da er mancherlei Gerüchte über die in der dortigen Domkirche befindlichen h. Reliquien unseres Heilandes hörte, indem Manche sagten, es sey der angenähte Rock unserers Erlösers, Andere, es -sey das Purpnrkleid, Einige auch meinten, es seyen die Schuhe des Erlösers, und da er diese Meinungen durch Nachforschung der wahren Sachlage sehnlich zu entscheiden Willens war, ein dreitägiges Fasten in der ganzen Stadt ansagte, nachdem er zuvor die Gemeinde sowohl wie die Clerisei zu Rathe gezogen hatte. Nach abgelaufener Fastenzeit wurde die Elerisei und die Gemeinde in die Domftrche, die jenen Schatz bewahrt, ge- — 64 — rufen. Da wählte man einen sehr frommen und andächtigen Mönch, der das h. Geheimniß beschauen und dem Bischöfe nach Befunde bestimmte Nachricht ertheilen sollte. Der fromme Mönch schloß die Kiste auf, in welche der b. Agritius jenen Schatz hinterlegt hatte; aber sobald er den Deckel aufhob, um hinein zu schaue», ward er blind. Aus dieser Züchtigung des Herrn schlössen nun alle Vernünftigern, daß kein sündhafter Mensch es wagen dürfe, jenes h. Geheimniß zu erforschen. Nach jener Stunde erwartete bis auf diesen Tag Niemand mehr die Aufschließung der Kiste."*) — Gin anderer Schriftsteller des nämlichen Jahrhunderts, der Verfasser der Translation des h. Apostel Matthias, der auch des durch die h. Helena nach Trier überbrachten h. Rockes erwähnt,**) bezieht sich ebenfalls auf die Ueberlieferung der Alten. „Ein gewisser alter Geistlicher erzählte mir weinend, er habe es mit seinem Mitpriester nicht ohne Verwunderung Vieler gesehen."***) So erreichte die kirchliche Ueberlieferung das 12. Jahrhundert, — obne eigentlichen Sprung — wo der h. Rock unter dem Erzbischofe Johannes dem gläubigen Volke gezeigt worden ist. S. Marr Geschichte des h. Rockes Z. 4. S. 20. Wie kam es aber, wird man fragen, daß, da die Ueberlieferung das Besstzthum des h. Nockes so lebendig bewahrte, doch der Ort, wo derselbe hinterlegt worden, äel» Hnnotiir. ^ttin. I. annunr. pnx. 5") Uu!c (u,a>>) I!. Ilvlcliit reliquin» >n»»niko»s, tunivnm viNMivel Dnmini incnnsulilein, oum unn olnvurmn i>o cultello .lesu, «nnotuin quoque iU»lU>i,'lia »postnluin m «snsx religiös»» cum Incr>in>«, so in Onmflrsükvtei'n »uo snepiu« Iioo vwisss ouin Nil- wirntloue wulcurum. 1'nin. III. k'ebru»,'. 44S. unbekannt war? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Bei der Verheimlichung oder Verbergnng des h. Schatzes zur Zeit der Invasion der Normannen*^) waren nur wenige Vertraute zugezogen worden, um jede Gefahr der Entdeckung zu verhüten, denn so etwas geschieht nicht im Angesicht des Volks. Nach dem Abzüge der Normannen, wo die ganze Stadt in einem Schulte lag, ließ sich au eine Erhebung des verborgenen Schatzes sobald noch nicht denken, und so kam nach dem Absterben der wenigen Vertrauten der Ort, wo der Schatz verborgen war, in Vergessenheit. Dies berichtet auch eine alte Handschrist, welche der oben erwähnte Hilar x. 67. anfükrt. „Daher sind zu Trier eine Menge Bücher und die meisten Klo- sierornamcnte zu Grunde gegangen, und deshalb konnte man nachher die Namen der vielen h. Bischöfe, wie auch der h. Märtyrer und mehrerer Andern nicht ausfindig machen." In der St. Paulinus-Kirche zu Trier halte man sogar, wie die Gcsta erzählen, die dort an den Wänden befindlichen Inschriften der daselbst begrabcmn Märtyrer getilgt, damit dadurch die Reliquien nicht entdeckt würden. Hier wollen wir für eine kurze Weile unsere jungen Kritiker sprechen lassen, um ihre Weisheit bewundern zu können. S. 12. schreiben sie: „Man verbarg alles Kirchengut in unterirdischen Grüften, ebenso die Reliquien der Märtyrer-, man nahm die Inschriften, die deren Namen anzeigten, von den Wänden und grub ihre Namen Diese Vorsicht beobachtete man auch später in den Tagen der Ruhe, aus Furcht, die h. Reliquien möchten gestohlen werden. Bei der Hinterlegung der h. Reliquien des Apostels Matthias im Jahre lOZll heißt es: i>!puci«8lmj-j tiilelibu« ouoeeiis. 4'om, III. b'edr. LuIIauU. x. 446. — 66 — und Geschichte in bleierne Tafeln ein, deren Inhalt die Gcsta mittheilen, und bei denen es sehr beachtcnswcrlh ist, daß sie ganz, wie zu vermnthen, nur von Marlyrer- rekquien und keinen andern sprechen. Warum erwähnte man nicht des Rockes, wenn er wirklich da war, oder wenn die bleiernen Tafeln verloren gegangen sind, wie kommt es, daß die von ihm und allen andern zweifelhaften Reliquien redenden untergehen mußten, die aber von wabrscheinlich und wirklich vorbandcnen Märtyrer- rosten handelnden sich erhielten?" — Sollen unsere Prof. mit ihrem kritischen Auge hier nicht beobachtet haben, daß in den Gesten nur Rede ist von den in dem St. Paulinus-Kloster heimlich hinterlegten Reliquien und von dem daselbst mit dem an eisernen Ketten Hangenden Sarge des b. Paulinus geschehenen Wunder? Von den Reliquien der Domkirche und der andern Kirchen zu Trier wird n-chts erwähnt. Nun war aber der h. Rock in der Domkirche des h. Petrus, nicht aber in der St. Pauliuskirche. Dhne Zweifel hat die Domk rche und die anderen Kirchen zu Trier ihre Reliquien auch verborgen, wovon aber der Verfasser der Gcsta hier nicht redet. Es war ferner nöthig, die Namen der in unterirdischen Grüften verborgenen Martyrerreliquien auf bleierne Tafeln zu schreiben, um sie aufzubewahren und den Nachkömmlingen zu überliefern, weil deren mehrere waren; das war aber beim h. Rock nicht nöthig, weil dieser sich selbst durch seine Gestalt alsbald erklärte und für sich allein war. Es ist aber auch nicht wahr, was die Prof. sagen, daß die Namen aller verborgenen Märtyrer auf bleierne Tafeln geschrieben waren, denn nach den Gesten waren nur die Namen der vorzüglichsten Märtyrer auf die bleiernen Tafeln geschrieben, sie gestehen vielmehr, daß sie selbst — « 7 — die Namen der unzähligen andern Märtyrer nicht entdecken konnten.") Am Ende bemerken noch die Gesta: „Den Leib des h. Eucharius und der andern daselbst »idulsm) Begrabenen habe man tiefer in die Erde versenkt; dasselbe habe man gethan mit den andern um die Stadt Begrabenen." — Das Wortchcn daselbst scheint uns hier bemerkenswerth. Denn es ist aus der Translationsgeschichte des h. Matthias, welche die Bollandisten > aus den 24. Februar aus zwei alten Handschriften geben, gewiß, daß der Leib des h. Eucharius nicht in dem Sr. Paulinus'-, sondern in dem St. Matthias-Kloster geruhet habe und dort auch zur Zeit der Invasion der Normanneu liefer in die Erde versenkt worden sey. Damit also das ibiclem, daselbst, seine wahre Bedeutung behaupte, muß etwas vorhergegangen seyn, was zunächst die Reliquien der St. Matthias-Abtei betrifft. Die erste Receu- sion der Gesten, die mit den oben angeführten Worten schließt, scheint also hier mangelhaft zu seyn, wie sie auch in den verschiedeneu Ausgaben des Leibuitz, D'achery und der neuesten Trierer bald kürzer, bald langer ist. Wenn nun aber der Leib des h. Eucharius mit den daselbst ruhenden andern Reliquien, also auch des h. Apostel Matthias, damals tiefer in die Erde, und zwar mit Wissen sehr weniger Vertrauten, versenkt"") worden sind, so läßt 6) Xnni prnetsr Iwi-um pi-inoyiuin evrporn, innumsrnbiNn eju-uwin miilcUuMuts i» Iioo mniiuslerio sunt vui»>>i elisn«i>, «zuomui uuinnin 5Wut iniuiuwi-Miilis populi et i>eevK;riu>, nun >>»>.uvrunl, roperiri, uoo Uuoi« - vveutniln, c>»i 'dliiesu» vovnbntur. I. p-lA. 88. edil. Die Xetir invsiNilinis 8. (!,>iu»»i'js !>l!ltit>ii»e, iiuolui-L Ivuinkeri« moasotni crvvit-vn-. bei den Bollandisten III. »!,!'. >>. äw. Nr. 2 sagen auch i t)uel» (Muntnnln) nun pust Laeti.» , qui tunc: eeunl 'tl'reviri», l f — 63 — sich leicht begreifen und erklären, wie es kam, daß die Reliquien des h. Apostels mehrere hundert Jahre verborgen bleiben konnten, so daß man endlich nicht mehr die Stelle wußte, wo sie lagen. Wie dies geschah mit den Reliquien des h. Matthias, die erst um die Hälfte des eilfteu Jahrhunderts entdeckt wurden, so geschah es auch mit dem H.Rock des Herrn, der in dem folgenden Jahrb. wieder aufgefunden wurde. Cr hätte doch wahrlich nicht ausgefunden werden können, wenn er nicht früher daselbst hinterlegt worden wäre. Man darf ferner aus dem, daß der h. Rock mehrere Jahrhunderte gänzlich verborgen geblieben, keinen Verdacht gegen die Aechtheit desselben erregen. Denn es kommt in der Kirchcngeschichle sehr oft vor, daß Reliquien der Heiligen, die mehrere hundert Jahre verborgen geblieben und in gänzliche Vergessenheit gerathen sind, entweder zufällig lui Reparaturen oder Neubauten der Kirchen oder durch besondere Offenbarungen entdeckt worden sind. So wurden im 10. Jahrhundert zu Trier die lang verborgenen Reliquien des h. Bischofs Celsus entdeckt, worüber Brower das Weitere berichtet. So wurden im 11. Jahrhundert in dem Kloster Moyenmoütier die Reliquien eines h. Märtyrers Bonifatius aus der Thebaischen Legion entdeckt, wovon kein Mensch etwas wußte.*) So die Reliquien des h. Mal- . . . proptsr iugrueute» , quas .^rinoi et ptixoni con- eitiebitllt Leoleslitruin perseeiitiones, )uxt-r ourpora 5s. ^»oliarst, Vnlerii et Mnterni terrae nltlus Urtossum, veuerabllitsr oolloonverunt. — So auch die ersten Acten der Translation Nr. 2 bei den Bollandisten lVt.atlunm ^Vpostoluin nltius terrae inlotlleiis, i^Ai'itius) )uxt!r eornorn 8s. patrum kuelnrrii, irinterni et V-rlerii >n Suliurdin 'Trevlrsosi iM nieriNlsin eolloenvil. stinonicon Itleclinni Nnnnsterii 2'oiu. VI. .Vlouumentur. Kern», lustur. Nert». p. So. — 69 — thias, wie oben gesagt. Der gelehrte Kritiker, Honorat a St. Maria, führt ein ganz neues Beispiel an, das, weil es ein wahres Seiteustück von der Erfindung des h. Rockes ist, hier eine besondere Erwähnung verdient. „In einer Schrift, die der Stadt und Diöccse Clermont in Nieder-Anvergne Kirchen und die darin bewahrten Reliquien anführte, geschah Erwähnung eines gewissen Klosters llo (Rsmiliei-es, welches ein Collegiat-Stift eines gewissen Flecken bei Elcrmont war: wo die h. Tecla ruhet. Die Ueberlieferuug der Kirche, alte Gemälde und Inschriften und das dort eingeführte feierliche Fest der h. Tecla bestätigten diesen Zusatz. Die Kritiker erhoben sich gegen diese Behauptung; sie bezogen sich auf den Abgang der glaubhaften Urkunden; bewiesen aus mehrern Zeugnissen, daß die h. Tecla in Scleucien ruhe, und einige Reliquien davon an gewisse Kirchen geschickt worden wären. Man kam also auf den Gedanken, um doch die obige Nachricht mit der kirchlichen Tradition zu einige», es sepe eine andere Tecla, nicht die Schülerin des Paulus, deren Leib hier ruhe, die vielleicht in der Gegend von Clermont gelebt habe. Als nun aber die Kirche erweitert werden sollte und deshalb der in einem Chörchen an der Mauer stehende Altar weggenommen werden mußte, fand man eine aus ganz fremdem Holze angefertigte Kiste, worin die Gebeine mit einer bleiernen Tafel waren, die folgende Inschrift hatte: „Diese sind die Reliquien der h. Jungfrau und Martprin Tecla, die in Ikonien geboren war, dann aber von dem Apostel Paulus bekehrt, zu Seleucia geruhet hat." Die Kiste enthielt den ganzen Unterleib der h. Martyrin. Die Herren der Negation mögen hieraus eine Regel für ihre Kritik nehmen. 5) Xnimit>IvL,->!. in vsui» ec Oilie. Indr. V. vis», Vl. ^rc. Xi. I'.LA. I. — 7 s» — 2. Die zweite Überlieferung, „daß die Kirche zu Trier den h. Rock durch die Kaiserin Helena erhalten babe," steht in engster Verbindung mit der ersten; beide Überlieferungen ruhen in gleichem Boden. Es steht fest, daß die h. Kaiserin in den letzten Jahren ihres Lebens nach Jerusalem gereist ist, und wir glauben Art. I. bewiesen zu haben, daß sie dort mit Beihülfe des Bischofs Macarius das h. Kreuz gefunden habe. Es konnte uns bier nun gleichgültig seyn, ob die Kaiserin gerade in der Meinung nach Palästina gereiset sey, um das h. Kreuz und Reliquien aufzusuchen; denn wenn sie auch beim Anfange ihrer Reise solche Meinung nicht harte, so konnte sie doch dieselbe fassen, als sie an den geheiligten Orten war, wodurch sie obne Zweifel an Manches erinnert wurde, woran sie früher nicht gedacht hat, wo ihr auch Manches wird begegnet seyn, Manches vorgestellt worden, was ihre heiligen Gefühle in Anspruch genommen hat. Ader weil die Bonner Prof. hier so unkritisch den Hrn. Marr krilisiren, und besonders die gelehrten Bollandisten für ihre Behauptung citiren, müssen wir uns auch auf die Untersuchung einlassen, warum Helena nach Palastina gereisel und was sie vorzüglich in diesem h. Lande gethan hat. Hr. Marr sagte, Helena habe sich nach Palästina begeben, „um heilige Erinnerungen an das Leiden und Sterben des Erlösers an das Licht zu sieben." Die Bonner Prof. erwicdern ganz kühn: „Dies ist lediglich ringeschwärzt, um einem willkübrlicben Mittelglied? der Eombination den Schein einer überlieferten Tbatsache zu leihen." S. 19. Aber dies ist eben so wenig einge- schwärzt, wie auch die Nachforschung und Erfindung des h. Kreuzes durch Helena. Doch die Herren beziehen sich aus die alten Historiker, und so wollen wir sie weiter — 71 — sprechen lasse». „Die alten Kirchenhistoriker , die ihre Reise erwähne», selbst die, welche sie das Kreuz finden lassen, geben ganz andere Gründe an. Eusebius sagt, sie habe Gott ihre gottselige Gesinnung beweisen und für ibren Sohn und ihre Enkel durch Gebet den gebührenden Dank darbringen wollen; nach Sulpitius Severus will sie Jerusalem sehn; bei Rufin und Socrates erscheint bloß der Zweck, das Grab auszusuchen, wozu sie durch Traume ermuntert ist; ebenso — cllvino, nt exitus i-!r>?uu8 pereZi-ioMinnis ejus Luis villeiur tuisso, ut NerlusN-irel Niiluesliniiiii, IM pruUiKÜs Plenum, neue jlUaein loci »iLiM-is l>e» ^i'Mms >imsuIvmM cls tue i»o tumis litvvribus ckee, 'Im». III. ^VuAustt p. ökl. ?i. 5V. — 73 — hinterließ sie auch sogleich den Nachkommen die Frucht ihrer Frömmigkeit." — Wer nur mit einem halben Auge diese Worte des Eusebius betrachtet, wird bald finden, daß in denselben mehr, weit mehr liege, als die Prof. angeben; sie wählten nur den Anfang des Euseb'schen Berichtes und hielten den Schluß stillschweigend zurück, weil dieser gerade ihrem Zwecke widersprach. Warum war der h. Helena das Land so verchrungswürdig? Warum sagt Eusebius, daß sie den Fußstapfen des Herrn die gebührende Verehrung erwiesen habe? Leuchten nicht ans ^ diesen Worten die hellsten Strahlen einer religiösen Gesinnung, die, wenn sie auch die fromme Kaiserin nicht gerade von vorn herein zur Besuchung des Landes bewogen oder angetrieben, doch gewiß sie in dem Lande selbst überall und in Allem wird geleitet haben? Es ist also nicht lediglich eingeschwärzt, was Hr. Marr gesagt hat, sondern es ergiebt sich ganz klar aus dem geschichtlichen Berichte des Eusebius, noch mehr aber aus der Rede des heil. Ambrosius, die unsere Herren Professoren gänzlich bei Seile lassen, obschon die Bollandisten die hierhin gehörige Stelle des Ambrosius anführen. „Die für ihren Sohn, den römischen Kaiser besorgte Mutter eilte nach Jerusalem und erforschte den Ort des Leidens des Herrn: Helena kam, sie fing an, die h. Orte zu besehen, der Geist gab ihr ein, das Kreuzholz aufzusuchen, sie begab sich zum Golgolha und sprach: Sieh, der Ort des Kampfes, wo ^ ist der Sieg? Ich suche die Fahne des Heiles und ich finde sie nicht" :c. :c. — Hierin liegen doch gewiß „heilige Erinnerungen an das Leiden und Sterben des Erlösers." Oder sind es nur rednerische Figuren, Gedanken des h. Ambrosius? Gewiß gesprochen ans dem Innersten der großen Kaiserin, die, wie der h. Paulinus schreibt, eifrig - 74 - bedacht auf die göttlichen Werkzeuge nach Je- rumlem sich begab, um mit eigenen Augen zn sehen, waS sie von Andern gehört hatte. Diese wichtigen Worte Pau- lin's: blogins vonerabills ut voait Nierosoi^iuain . . clivinorain euriosa inüigniuni ole. scheinen die Herren Prof. wieder nicht bemerkt zu haben; sie bleiben bei den Worten: clivino, ut cloouit eiilus, insgirsta oon. -ilic, stehen. Diese heiligen Eingebungen, die Russin cli- viua« visionos, göttliche Erscheinungen, Sokralcs » I)eo in snmnis sclmonita, von Gott im Schlafe eingegebene Anregungen, Paulinus rovelminnez Offenbarungen nennt, sind ihnen natürliche Träume. Wenn aber die so kluge Kaiserin voll solcher Träume war, so muß sie wahrlich in ihrem wachenden Zustande voll derartiger Gedanken gewesen seyn. Man träumt docb so leicht nicht von Sachen, wovon man keinen Begriff, wofür man keinen Sinn hat. Die besten Aufschlüsse geben jedoch hier Sozomen und Theophancs, die auch von den Bollandisten angeführt, aber von den Profess. übergangen werden. Beide verbinden die Reise der Kaiserin mit dem Ausgange des General-Conciliums von Nicäa, und Theophancs sagt mit klaren Worten, daß der Kaiser Eonstantin dem Bischof Macarius von Jerusalem die Weisung gegeben habe, nach seiner Rückkehr zn Jerusalem fleißig nachzuforschen nach dem Orte der Auferstehung, nach dem Golgotha und nach dem h. Kreuz- Holze. Nachdem hierauf Eonstanlin seine Mutter als Kaiserin gekrönt hatte, erfolgte die Reise nach Jerusalem. „Sie hatte eine Erscheinung, die ihr befahl nach Jerusalem zu reisen und die heiligen Orte, welche von den Gottlosen und Heiden mit Erde überschüttet waren, ans Licht zn ziehen; sie bat ihren Sohn Eonstanlin, die ihr — 75 — von Gott auferlegte Pflicht zu erfüllen." Gleich darauf fährt Theophanes fort: „Im nämlichen Jahre schickte Konstantin die gottselige Helena mit einer großen Summe Geldes nach Jerusalem, um das Kreuz des Herrn aufzusuchen. Der Patriarch von Jerusalem Macarius kam der Kaiserin mit gebührender Ehrbczeugnng entgegen, trennte sich dann mit ihr von dem Getümmel der Begleitung und betrieb mit Geistesruhe, mir inbrünstigem Gebete und mit Fasten die Aufsuchung des Kreuzes." — Theophanes gehört zwar zu den Schriftstellern des IX. Jahrhunderts, aber da er am kaiserlichen Hofe zu Eon- stantinopel erzogen worden, so hatte er die beste Gelegenheit, die geschichtlichen Quellen zu erforschen, besonders da er den ganzen Vorrath des berühmten griechischen Geschichtschreibers, Georg Syncellus, mit dem Auftrag, dessen unvollendetes Werk fortzusetzen, e> hielt. Er sagt daher gleich beim Eingänge seiner Chronographie: „er habe viele Werke sorgfällig durchgelesen und geprüft."^) Jbm standen also gewiß ältere geschichtliche Quellen zn Gebot, wie Anselm von Lucca bezeuget, die wir letzt nicht mehr haben. Er verdient also in dergleichen geschichtlichen Berichten vollen Glanben, vbschon seine Zeilrechnung nicht zuverlässig ist. Noch einen andern griechischen Gcschichtschreibcr können wir dem Theophanes zur Seite stellen, den Mönch Alexander, welcher eine große Rede über die Erfindung des h. Kreuzes gehalten hat. In dieser sagt er, wie früher der h. Ambrosius: 'Nlienpliaii. OtirunvAi'.'lpIiIa pa-;. 35—37 ecilt. Nannenx. lttuttls xt<>ui,tem svoluittinidii« NillxeMlu« exljutxntx et sxitmlnattx Hv. vetuxlixsimtk elii-oweis tZraevoruni «»»ipilnveeiim kixtai-tum 'INieoptiane« er tZeorxtii». ttibr. il. cuine. Luidvrtum rr,nlii>ap!tm. - 76 — „Der Kaiser Constantin gab dem Bischof Macarius von Jerusalem, der auch auf dem Generalconcilium war und für die apostolischen Lehrsätze heftig gekämpft hatte, die Weisung, alle Mühe, allen Fleiß anzuwenden, um das h. Kreuz aufzusuchen, das Grab des Herrn und die andern heiligen und gottseligen Stätten zu erforschen. Auch die andern Bischöfe ermahnte er, daß jeder nachsuche, was zur Verherrlichung seiner Kirche nothwcndig schiene. Es war das neunzehnte Jahr der Regierung, als die Synode zu Nicäa gehalten worden. Hernach schickte der Kaiser seine Mutter Helena, eine überaus lobenswürdige Frau, mit Briefen und mit einer großen Summe Geldes, zu dem Bischof Macarius zu Jerusalem, damit sie mit ihm zugleich das h. Krcuzholz aufsuchen und die heiligen Orte durch neue Gebäude verherrlichen möge, wie sie, die Kaiserin, es verlange: sie sagte auch, sie habe eine göttliche Erscheinung gehabt, welche befahl, sich nach Jerusalem zu begeben, um die mir Erde überschütteten und durch die Länge der Zeit aus der Menschen Kenutmß gekommenen h. Orte ans Licht zu erheben. Als der Bischof erfuhr, die Kaiserin komme jetzt an, ging er ihr mit den Biichöfen der Provinz entgegen. Sie legte diesen aber gleich auf, alles aufzubieten, um das heilige Kreuz zu entdecken."*) Was sollen wir nun aus diesen so klaren Zeugnissen schließen? Die Worte, welche Hr. Marr S. 17 hat, beHallen ihre Würde, weil die Geschichte sie bestätiget, dagegen sind die Worte der Professoren S. 19. „Keiner von ihnen hat ein Wort, daß sie (Helena) etwa vorher ") Bei Krelser rom, II. Na 8«. Cruce. p»K. S4. — 77 — nur das Kreuz zu finden gedacht, vielwcniger, daß über« Haupt Reliquien zu suchen ihre Absicht war," zu streichen. Ganz richtig urtheilen indessen die Hrn. Prof., wenn sie sagen S. 20. „Hätte wirklich Helena das Kreuz gefunden, halte sie Reliquien absichtlich gesucht, so hat sie damit noch nicht den ungenähtcn Rock Christi gefunden." Denn Niemand hat daran gedacht zu behaupten, der un- genäbte Rock Christi habe in dem Grabe des Herrn oder in der Gruft bei den andern Werkzeugen gelegen. Wir wissen ja, daß derselbe in die Hände der Knegsknechte gekommen ist. Aber das ist doch gewiß nicht unwahrscheinlich, daß, wie Hr. Marr annimmt, die Erfindung des h. Kreuzes Veranlassung gegeben habe, auch andere Reliquien aufzusuchen. Das Krcuzholz war allerdings das wichtigste, was zuerst erfunden, durch Wunder bestätiget worden ist; alles andere, obschon auch Heilige, sah man als eine Zugabe au, wie sich dies zeigt selbst mit den Nägeln des Herrn. Der Rock des Herrn war gewiß Allen sehr Werth, heilig, wie er uns noch heilig ist, aber nicht so heilig, wie das Kreuz selbst nach der Weisung des Apostels: „Es sey fern von mir, mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesu Christi." Gal. VI. 14. Darum predigen wir auch Jesnm den Gekreuzigten, wie Johann Damascenus sagt, nicht den Erhöbeten. Der Katholik wird also das nickt billigen können, was die Prof., um ihr Argument gegen Hrn. Marr zu schärfen, sagen: „Und doch war gewiß das Kleid des Herrn eine eben so wichtige Reliquie, als das Kreuzholz." Das Kreuz ist der Thron des Gott-Menschen, ist die Siegesfahne, ist unser Ruhm, allen Gläubigen die beseligende Kraft. Wäre uns Katholiken der Rock des Herrn so heilig wie das Kreuz, so würde man unsere Altäre eben so mit einem nachgemachten Rock, wie jetzt mit einem Kreuze zieren, wir würden an den Wegen solche Röcke hangen, und was noch mehr wäre, wir würden dergleichen ungenähte Röcke tragen wie wir jetzt Kreuze tragen. Wo aber haben die Hrn. Prof. so etwas beobachtet? — Nachdem aber das Kreuz entdeckt und so feierlich erhoben war, fiel die Aufmerksamkeit auch auf die andern Reliquien des Herrn, die vielleicht bei Verwandten des Herrn oder Seiner Jünger oder auch in Kirchen aufbewahrt wurden. Diese Vermuthnng des Hrn. Marr gewinnt einige Wahrscheinlichkeit durch die geschichtliche Erzählung der Auffindung und Entdeckung des Kleides der Mutter des Herrn, Maria, die ein sehr alter griechischer Priester, der Augenzeuge der Erhebung dieses Kleides unter dem Kaiser Heraclius war, schön beschrieben und worüber der Bischof Andreas von Ereta, der im VIl. Jahrhundert lebte, eine herrliche Rede gehalten bat; sie findet Wahrscheinlichkeit durch die l'ebcrseudnug der h. Reliquien, welche der Patriarch Johannes von Jerusalem dem Kaiser Earl gegen das I. 799 zu Aachen Übermacht hat."*) — Es ist aber auch nicht einmal nöthig, die Entdeckung des h. Rockes von der Auffindung des h. Kreuzes abhängig zu macheu. Denn nach dem Zeug- niß des h. Hieronymus***) waren schon lange vor der 5) Bei Onmbntis. Uistoriit »»ooetielicuiiiiii. Luiasäs tki-lS. 7.52. "-) /Vnnni. ici-iuKMe. aU ^nn. 799 — 89t). Un<>in« tUiinnio. u1. tu. ^") I.nnKuni est nunc ui> uscensu vninini usizus nU pi-.ae- svmsi» ilinni per sinA»1,as aststns ciiia-ere, r. !>, rom l. puK. 206. e6it. V-rliursii. Daß der Kaiser Constantin, Sohn der Helena, zu Trier den christlichen Mauden angenommen habe, beweiset LucUsrius libr. 8. vel^U kumani. 6, — 30 — Hier treten uns die Herren Prof. mit einem schlagenden Argumente entgegen: Sie sagen S. 21. „Die Schenkung (des h. Rockes) an die Domkirche (in Trier) ist unmöglich, weil wir durch den h. Athanasius, der von 336—338 nach Trier erilirt war, wissen, daß damals wahrend st'iues Aufenthaltes dort noch keine Kirchen waren." In der Note Z. S. 101. heben sie dann die griechischen Worte des h. Athanasius aus, lenken dabei doch schon etwas leise ein, indem sie zusetzen: „Große Kirchen waren also in keinem Falle, am wenigsten die Domkirche schon vorhanden." Um dann noch den Schein einer Parteilichkeit von sich fern zu halten, beziehen sie sich auf die Ansicht und Worte des gelehrten Jesuiten Sirmond. — Wie wird sich hier Hr. Marx, wie werden wir uns selbst Helsen? Was Sirmond angeht, antworten wir ganz kurz: gusnclo^ue bonus ckoimitst Ilomerus. Der gelehrte Jesuit hat sich geirrt in seinem Schreiben an seinen Ordensbruder Wilthcm. Wir nehmen dann die Apologie des h. Athanasius zur Hand und lesen sie mit rubigen Augen, da finden wir dann, daß die Hrn. Prof. sich gewaltig getäuscht haben. Zuerst wollen wir die Worte des h. Athanasius, welche die Herren in der Ursprache ciriren, in das deutsche übersetzen, dannt unsere im Griechischen nicht bewanderten Leser den Schluß des Arguments recht auffassen mögen. Sie lauten: „Desgleichen sah ich, daß in Trier und Aquilesa geschah, wo auch wegen der Volks- Masse, da Tempel erbaut wurden, in denselben nichts desto weniger die gotlesdienstlichcn Versammlungen gehalten worden; es war keiner, der deshalb eine gerichtliche Klage anhob." Was wird der Leser nun aus diesen Worten schließen? Oder vielmehr was wollen die Herren, daß wir aus diesen Worten schließen? Das: weil damals — gl — zu Trier und Aquileja neue Kirchen gebaut und in den« selben an den höchsten Festen wegen des großen Zulaufes des Volkes, ehe sie noch cousccrirt waren, Gottesdienst gehalten wurde, so ist klar, daß noch keine Kirchen in Trier vor dem Jahre 336 waren. Eine von allen Seiten hinkende Schlußfolge, die sich noch klarer berausstellcn wird, wenn wir das Ganze in einem Zusammenhange vorlegen. — Athanasius, der eifrige Kämpfer des Ka- tholicismus, war von seinen Gegnern, den Arianischen Bischöfen, beim Kaiser über mehrere Punkte angeklagt, worunter auch diese Klage war: er habe in einer noch nicht eingeweihten Kirche feierlichen Gottesdienst gehalten. Er antwortet: „Ja, das habe ich gethan. Es war nämlich das Osterfest nnd eine ungeheure Volksmasse, eine so große Menge Christen war anwesend, daß christliche Kaiser wobl wünschen möchten, es scyen in allen ibren Städten so viele Christen. Da nun wenige Kirchen^*) da waren und diese noch zu enge waren, so bat das Volk mich mit Ungestüme, in der großen Kirche den feierlichen Dienst zu balten. Das geschah dann auch. Ich hätte dies lieber ausgestellt, und auf jegliche Weise in andern Kirchen auch unter dem stärksten Drucke den Dienst gehalten, aber das Volk folgte nicht und zog vor, trotz ibrer Abmüdung von der Reise, lieber unter freiem Himmel als in solcher Trauer das Fest zu feiern. Glaube es, o Kaiser, schon während der Fastenzeit wurden wegen der "h Nach damaliger Kirchendisciplin mußten alle von Stadt und Land an den höchsten Festtagen des Herrn stcb in der bischöflichen Mutterkirche versammeln und dem Gottesdienste beiwohnen. **) Es waren also andere Kirchen da, aber keine von diesen war so groß, daß sie die ganze Vvlksmasse fassen konnte. Enge der Tempel und der Menge der Gläubigen sehr viele Kinder, nicht wenige jnuge Frauen, vorzüglich aber viele alte Matronen so gedruckt, daß sie nach Hanse mußten gerragen werden. Alle aber waren unzufrieden und wünschten die große Kirche. Wenn nun an dem Vorfrste schon ein so großes Gedränge war, was war an dem Feste selbst zu erwarten? Noch weit Schlimmeres. Es ziemte sich aber nicht, daß Trauer anstatt Freude, Schmerz anstatt Heiterkeit, Weinen statt Festlichkeit dem Volke werde. Als der Bischof Alexander, seligen Andenkens, die sogenannte Thomas-Kirche, die damals für die allergrößte gebalten wurde, wegen Beschränktheit der andern Orte bauete, hielt er ja doch auch des großen Zulaufes wegen in derselben den Dienst, ohne daß deswegen der weitere Bau ausgestellt wurde. Desgleichen sab ich, daß zu Trier und zu Aquilcja geschehen ist, wo auch wegen der großen Volksmenge, da die Tempel gcbauet wurden, in denselben Dienst gehalten wurde. Keiner hat dies als ein Verbrechen angesehen."*) So weit der h. Athanasius. Was hat nu» der h. Bischof zu Trier zur Zeit seines Erils gesehen? Daß der dortige Bischof, weil an den höchsten Festen die dortigen Kirchen der großen Volksmasse wegen nicht geräumig genug waren, in einer noch nicht fertigen großen Kirche den feierlichen Dienst hielt. Wie, wenn in den Zeitungen berichtet würde, der Erzbischof von Köln habe, des außerordentlichen Zulaufes wegen in der noch nicht fertigen Domkirche an einem hohen Festtage den Dienst gehalten: wer würde daraus folgern wollen, 5) Hpnlux. !M lmpsr-etor. donstantill. l. paß. 241. ecNt. aovi«s. Nietaveu. — 33 — in Köln wären keine andere Kirchen? Sollen denn die Bischöfe Maternus, Agritius, Marimin :c. gar keine Kirchen in Trier, wo zugleich eine Zeitlang der kaiserliche Hof residirt hat, gehabt haben? Waren diese vielleicht nicht so groß, wie die neue zur Zeit des Athanasius erbaute Kirche, so können es doch ansehnliche und für die gewöhnlichen Fälle hinreichend geräumige Kirchen gewesen scyn. Was sollen wir nun hauen von diesem Angriffe der Bonner Professoren? Wahrlich ein blinder Angriff, um nur die Unbewanderten zu täuschen, denn nicht jeder kann die Werke des griechischen Kirchenvaters lesen. Und was so gelehrte Herren, wie die Prof. in Bonn, aus dem Urterte drucken lassen, muß doch gewiß wahr seyn! Mit solchen falschen Manövers glauben die Herren die ganze Tradition der Trierischen Kirche erschüttert zu haben. „Wir haben gezeigt, schreiben sie S. 22., daß die Voraussetzungen, von denen die sogenannte Tradition der Trierer Kirche ausgeht, falsch sind." Wodurch habet ihr dieses gezeigt? Durch falsche Windblasen. Und damit wollet ihr die so tief gewurzelte Trierer Tradition auf einmal umblasen? Herr von Hommer kannte die Sache besser. „Diese Tradition erhielt sich auch nicht allein im Trierischen, sondern auch weit und Kreitz es war allgemein bekannt, daß Trier die Stadt sey, wo der h. Rock unscrs Herrn aufbewahrt werde." Er will nicht, daß wir dies auf sein Wort hin glauben, sondern er bezieht sich auf die Vorzeit, auf die Tradition, welche selbst durch alte Abbildungen, die in alten Büchern gefunden werden, sich bestätiget. Die Bonner Herren mögen wohl nicht gewittert haben, daß schon das ihrer historischen Untersuchung vorgesetzte, überaus wohl gerathene Bild: Wie Helena dz 6 Hemde vand, welches aus der Geschichte der drei h. Könige, Strasburg 1480 entnommen ist, die Tradition bestätige. Der vollständige Text des geschichtlichen Buches wird im Anhange geliefert. In der Vorrede der historischen Untersuchung werden noch mehrere andere dergleichen Abbildungen, die in alten Büchern vorkommen, angegeben. Dafür verdienen die Herren unfern Dank; aber sie werden uns auch erlauben, daß wir ihnen die Beweiskraft vorhalten, die dergleichen alte Gemälde und Abbildungen für eine historische Begebenheit haben. „Es ist bekannt genug, schreibt der protestantische Doctor Ehr. Walch,*) daß aus dem Umstände des Orts, wo Bilder und Stein-Aufschriften gefunden, oder Münzen geprägt werden, nicht selten wichtige Frag'i? entschieden werden können. Die so bekannten Ausschriften, die das Andenken der Verfolgungen erhalten oder Märtyrern gewidmet werden, die Streitigkeit über die Basilidianischen Amulete und andere dergleichen Älterrhümer können davon einen Beweis geben." Um sich aber bei dieser Beweisführung vor gewissen Fehlern zu hüten, schreiben die gelehrten Kritiker mehrere Regeln vor, worauf wir hier nur hinweisen können. ^) So wird die Erfindung des h. Kreuzes durch Helena auf einer großen Silbermünze vorgestellt, welche der berühmte Fr eh er im I. 1600 durch eine eigene Abhandlung unter dem Titel: (lonstanUni Uigantini diumisrns- Us srgsntei expositio erläutert hat. Die Münze stellt aus der einen Seite den Kaiser Constantin, sitzend auf einem prächtig gezierten Pferde vor, mit der Aufschrift: 5) Kritische Nachrichten von den Quellen der Kirchenhistorie. K. I. §. t0. S. 162. ^*) Vist trau. ^nt. Dürr, Oiss. De probstiauo per piotu- ras, »loAuoliae. 177!». K. XI. p. 31. — 35 — (üonstsntirius in (Aristo äeo tiäelis, imperator et mo- cleiator klomgnorum, et sem^ei' ^ugu8ta8. Auf der andern Seite der Münze erscheinen zwei gegeneinander- sitzcnde Frauen, wovon die eine am Oberleibe ganz entblößt ist, die andere aber sittsam gekleidet, in der Mitte ein Born, woraus hervorgeht ein mit Palmzwcigen geziertes Kreuz, unter demselben ist eine Schlange, von beiden Seiten der Frauen ein Adler; die Umschrift lautet: Niki al>8it. Aloi'isi'i. M8i in cruoe. Domini no8tri lle8ll eiil-isti. Die eine sittsam gekleidete Matrone ist, wie Frehcr erklart, die Kaiserin Helena, welche das Kreuz gefunden hat, welches deswegen in der Mitte wie aus der tiefen Erde hervorgeht; die ganz entblößte Frau auf der andern Seite ist die Göttin Venus, deren Tempel auf der Stelle, wo das h. Kreuz verborgen lag, stand» Die unten liegende gekrümmte Schlange soll den durch das Kreuz besiegten Höllcngeist vorstellen, die beiden Adler zeigen die hohen Eigenschaften der Matronen an. Wie alt diese Münze ist, kann nicht genau bestimmt werden. Freher, dem man die Wissenschaft, sie zu beurtheilen, nicht abbrechen kann, hält sie für alt und acht.*) Wie nun hier das für die ganze Christenheit so merkwürdige Er- eigniß durch diese Siibermünze dargestellt wird, so findet mau auch gleiche Darstellungen auf alten Steinen, in alten Büchern, auf Wanden der alten Kirchen, wo die h. Helena mit einem Kreuze vorgestellt wird, wodurch dann die Geschichte der Krcuzerfindung herrlich bestätiget wird.**) 6) vs Cnust-liitivo isto lilzuicka milii eonslltt, veteeein et AS- lluiuum SS8S «sius^ue rei sp»osi»uem cum intelligent! aestiinaloee, yuovi» etinm pignnre posito, von Nsti-eoto. 4, *") Vgl. 4. IVIolimi llistor. Ls, lmsxinum et piotuearum, l,o- vsnii 4771. p. 33S, e» — «6 — Hieran schließen sich die Bilder in den alten Handschriften und gedruckten Büchern, die vorstellen, wie Helena den t). Rock fand, vorzüglich aber die Elfenbeintafel, die Sotzmann aus Berlin in Koblenz gefunden und in einem eigenen Zinssätze der Leipziger allg. Zeitung vom 29. August 18-tch der auch besonders abgedruckt ist, unter dem Tiiel: Der ungenähte Nock Christi in Trier, beschrieben wird. Cr fand diese Tafel in der graflich Neueste - Vreidbach'schen Kunstsammlung, die als eine der reichsten Privatsammlungen auf dem linken Rheinufcr berühmt ist. Auf derselben wird vorgestellt die Einführung der Trierischcn Heiligthümer in die Stadt Trier und ihr Empfang durch die Kaiserin Helena. Man sagte ihm, dieselbe stamme aus dem Schatze der Trierischen Karhedral-Kirche her. Herr Sotzmann sagt dann hierüber: „Diese Elfenbeintafel in der Sammlung gehörte, abgesehen von der örtlichen Beziehung und der Beglaubigung, welche die Sage dadurch erhielt, wegen ihrer Größe, ihres hohen Alters und des Reichthums der Schnitzarbeit allein zu den kostbarsten und wichtigsten Kunstwerken dieser Gattung. Ich habe sie für ein Haupt- stnck der Sammlung erkannt. Das Wenige, was wir uns damals aufzeichneten, wird daher hier um so mehr an seinem Orte seyn, als die Sammlung bald darauf in Antwerpen einzeln versteigert wurde, ohne daß wir wisten, wo die Tafel hingekommen ist." Sotzmann fährt dann fort, die Vorstellung selbst zu beschreiben: „Auf der ungewöhnlich großen und massiven Elfenbeintafel aus Einem Stück sah man zwei Geistliche auf einem offenen, von zwei Pferden gezogenen Wagen antiker Form sitzend, den Kasten mit den Heiligthümer» auf ihrem Schooß, voran ein feierlicher Zug von Man- - 87 - nern mit Wachskerzen in den Händen, der sich rechts nach einer Kirche bewegt, vor deren Thür ihn die Kaiserin in langer Tunica und Mantel, eine Mütze mit Per- lencinfassnng im Arm empfängt. Auf der Kirche, so wie hinter dem Znge auf der Straße und in den Bögen, Fenstern und auf dem Dach eines langen Gebäudes, vor dem die Straße hinlief, ist Alles voll Zuschauer, von denen die in den Fenstern Ranchfässer schwingen. Das Ganze war, bis auf ein paar abgesprungene >Nöpfe, trotz der besonders im Vordergründe stark heraustretenden Schnitzarbeit, wohl erhalten, und der Kunststyl nicht der byzantinische, sondern der römisch-antike der gesunkenen Kaiscrzeit, wie er auf den ältesten christlichen Diptychen vorkommt." Die Hrn. Prof. erwähnen ganz kurz in der Note S. XXII. der Vorrede diese merkwür dige Elfenbeintafel, so wie auch des Geh. R. Sotzmann Aufsatz hierüber, aber sie wissen sich das Ganze gar leicht zu machen, indem sie beifügen: „Es scheint gar kein Grund vorbanden, darin eine Trierer Scene anzunehmen; denn der Umstand, daß die Tafel „aus dem Schatze der Trierischen Kathcdral - Kirche herstammen sollte," beweist dies doch nicht, und die Einzelnheiten der Darstellung pass n nicht im mindesten zu der angeblichen Tradition von der Helena, deren Entstehung nach unserer Auseinandersetzung viel später fällt, als Hr. Sotzmann die Tafel setzen will." — Wie gelehrt die Herren hier raisouiren! Sotzmann, der die Tafel gesehen, genau untersucht hat, schreibt ihr ein hohes Alter zu, und beweiset dies ans der antiken Form und aus der ganzen Eomposilion; die Herren von Bonn dagegen, die diese Tafel nie gesehen, auch bis hierhin noch Ü inen Beweis geliefert haben, daß sie besser als Sotzmann solche Alterlhümcr zu bcur- — 33 — tbcilen wissen, setzen sie in das X VI. Jahrhundert. Warum? Weil die Entstehung der Trierischen Tradition von der h. Helena nach ihrer Auseinandersetzung viel später sällt. So müssen sich also alle unsere Alterthümcr nach der neuen Meinung unserer Professoren richten, und wenn dies nicht gehen will, so wird man dieselben kurz- wegs weglaugncn. Da nun aber nach unserer Auseinandersetzung die Tradition von der b. Helena im Alter- thumc lief gegründet ist, so ist die Elfcnbeintafel eine der kräftigsten Bestätigungen derselben. Daß aber diese Tafel allein auf Trier und auf den dort aufbewahrten h. Rock des Herrn bezogen werden könne, hat jüngst durch kritische Gründe dargcthan PH. Laven in der Schrift: Die kirchliche Tradition vom h. Rocke... durch noch lebende Volkssagen und durch das altdeutsche Gedicht vom grauen Nock, Trier, 484S, in Schutz genommen. — IV. Artikel. Des Papstes Silvester Privilegium für die Kirckie zu Trier: der von den Prof. G. und v. S. zu Bouu versuchte EutwickelnuffSprocesi der Silvestrini- scheu Urkunde. Unter dem glorreichen Pontificat des h. Silvester, welches mit dem Jahre 344 ansängt und die ganze Re- giernngszeit des großen Kaisers Constanlinus bis auf das I. 336 durchläuft, war die Kirche iu Trier eine der blühendsten von ganz Gallien. In der unter Constanrin eingeführten hierarchischen Ordnung wird sie nicht nur Diese Xoiitism ecclesinjU. sindet man bei Lekelstrilten 1'om II. /intiquit. illu8t. p. 2S3. — 89 — als die erste Metropolis von Belgien bezeichne und auch als solche oder als lVletrognlst (^sllisv von dem h. Athanasius anerkannt, sondern der Bischof von Trier wird auch in den wichtigsten Angelegenheiten, die d e ganze kalbo- lische Kirche betreffen, gebraucht. So lesen wir schon in dem Synodalschreiben des Concilium zu Arles vom I. 344 an den Papst Silvester den Namen des k. Agril us nach dem Namen des Bischofs Marinus von Arles, oder als der zweite in der Ordnung. Ob Agritius auch auf dem Gencralconcilium zu Nicäa im I. 325 war, weiß man nicht; sein Name steht nicht in dem Verzeichniß der Unterschriften, es ist aber auch bekannt, daß dieses Verzeichmß nicht vollständig ist, und daß besonders die Namen der abendländischen Bischöse fehlen. Es kann jedoch nicht bezweifelt werden, daß Agritius wakrend der einundzwanzigjährigen Verwaltung der Kirche Trier mit dem Papste Silvester in den freundschaftlichsten Verhältnissen gestanden habe, welches die vit-i ,Vgriii! genugsam anzeigt, sich alvr auch leicht schließen läßt ans den kirchlichen Austrägen, womit er beehrt worden, ans dem engen Anschlüsse der Kirche Trier an Rom und aus der erhabenen Würde, die sie als Metropolis von Belgien und Gallien bekleidete; hierzu kam noch die besondere Gunst des Kaisers Constantin und der kaiserlichen Mutter Helena gegen Agritius. Papst Silvester soll dann auf Begebren der kaiserlichen Mutter dem Bischof zu Trier Agritius ein besonderes Privilegium crtheilt und schriftlich ausgestellt haben, wodurch wie die Stadt Trier einen politischen Vorrang über die andern Städte Galliens und Germa- niens behauptete, so auch die Kirche Trier in der hierarchischen Ordnung die Primatie haben soll. Die hierüber von Silvester ausgestellte Urkunde hat kein Datum, — 90 — was nicht ungewöhnlich bei dergleichen asten Urkunden ist, man setzt sie aber am schicklichsten in das Jahr ^28, wo Helena zu Rom war, obschon Andere ibr ein frübcres Datum anweisen.*) Agritius soll auch zu Rom gewesen styn, als diese Urkunde ausgestellt worden, und so erhielt er sie aus den Händen des Papstes, wie Brower nicht undeutlich angiebt.**) Hierauf soll Agritius sich auch an die zu Rom anwesende h. Helena gewendet haben, um von ihr aus dem großen Schatze der h. Reliquien, welche sie aus Palästina mitgebracht und auch zu Rom erhalten hatte, einige dieser Reliquien zu begehren, die ihm dann außer einem großen Thcile des Leibes des h. Apostels Matthias auch noch einen Nagel, womit Jesus am Kreuze geheftet war, den ungenäbten Rock des Herrn und noch mehrere andere Reliquien für die Kirche zu Trier freigebig Übermacht habe. Nach dieser von Brower angenommenen Ordnung — die keineswegs feststeht oder durch archäologische Beweise unterstützt wird, die wir aber, um unnöthige Umwege zu verhüten, hier beibehalten — kann das Vcrzeichniß der Reliquien nicht wohl in der Urkunde Silvesters aufgeführt seyn. Denn die Urkunde war ja schon ausgefertigt, ehe Agritius von Helena die Reliquien begehrt und erhalten hat. Man kann daher ohne Scrupcl das Verzeichniß der Reliquien als einen Zusatz der Trierischen Bischöfe, der ersten Nachfolger des h. Agritius, nämlich des Mariminus oder Paulinus oder auch des Nergl. kolt.inll. Moni. I. a»nu»r. p. 773 Vr. ") Itdi Silvester a^ritium tnin nmpt» potestaie ei konar« »not»», , sb so rlimisit, Nelennm oUltiUisse kerunt, ex Inestinoe Mliesnuris et Vrtiis liomsnne sncrariis, tovenUss pietati» prseslsnti» muners.. r,ibr. IV. ?tr. p. LI5. — 91 — Dolusian annehmen. Die U> künde selbst, auch ohne das . Ncliquicn-Verze>ckmiß, ist aber von vielen shr bewährten Kriiikern der katholischen Kirche und selbst des Bisthnms Trier heftig angegriffen und verdachtig gemacht worden, ohne daß dadurch dem anerkannten Vorränge der Trierischen Kirche ein Nachtheil geschehe, wie nicht nur Calmet und der Bollandist Bosch, sondern auch selbst Hontheim, Weihbischof von Trier, gestehen.*) Wie aber die Trierische Primatie nicht von der Urkunde des Silvester abhangt, und auch ohne dieselbe von den schärfsten Kritikern vertheidiger wird, so ist es auch noch keinem nnsers Wissens eingefallen, die Tricrischc Tradition von dem h. Nocke des Herrn von dieser Urkunde abhängig zu machen oder gar die Aechtheit desselben daraus herzuleiten. Hontheim sagt in der eben angeführten Stelle: „Ucbrigens (was auch Bosch bemerkt) thnt das nichts zur Geschichte der Tricrischen Reliquien, welche die h. Helena nach ihrer Rückkehr aus Palästina der damals schon blühenden Tricrischen Kirche Übermacht haben konnte." Auch Prof. Marr hat dies klar genug ausgesprochen S. 25. Sogar nach alten Tricrischen Nachrichten war schon im V. Jahrhunderte die Silvestrinische Urkunde verschwunden und der damalige Trierische Bischof Volnfian soll von dem Papst Hilarius für seine Kirche eine neue Abschrift begehrt haben. Diese Abschrift trägt in dem Codcr zu Verdün, den Sirmond erwähnt und die in Hontheims Ilistor. cliplomat. steht, den Titel: Privilegium 8>Ivestri Uspse, guoä Volusignns Arcluepiscopus re8eribi sussit. Des Papstes Silvester Privilegium, wovon Erz- Lelt nec eil Mimstlis nostri »MunMMi officium, q.uifliie »>uem Iioe )»»> «»ecuin extitisse, ceitioribus srglimeMis vviucuuus, 't 'om, I. Ilistvi. llipiomM. p, 17 in der Note. — 92 — bischof Volusian eine Abschrift verlangt hat. Erzbischcf Enno von Falkcnstein, der gegen Ende des vierzehnten Jahrh. auf dem erzbischöfl. Stuhle zu Trier saß, rühmt an Volusian, daß er durch diese Abschrist die alren Vorrechte der Tricrischen Kirche wieder erneuert babe. *) Allein was eben von dem Privilegium des Silvester gesagt worden, das gilt auch hier von dessen Abschrift, und so hangt weder das kirchliche Vorrecht von Trier, noch die Authcntie des ungenähten Rockes von der Aechtheit der Abschrift ab. Darum wollen aber gerade unsere Kritiker das Silvestrische Privilegium in seinem inner« Wesen nicht verwerfen, weil die äußere Form desselben nicht anspricht. Der gelehrte Papebroch hat hierüber sich in seinem kioz^lsei gütig. iosit!) zu S. 34 weiset er »ur aus die neue und alte Ausgabe der lZestu ri-evlem-. und auf Hontheim. Die oben aus PapcbrochS pi-a^wei»» angeführte Stelle scheint Hr. Gildemeister nicht gekannt zu haben. Was sollen wir zu diesen schönen Versicherungen sagen? Uns fallt hier die bis auf unsere Zeit erprobte Warnung des alten Dichters Horaz ein: Ruits siäem promisss levsnt ubi plenius seczuo Usuilst venslos, guas vult extruclore merees. Recht gern wollen wir glauben, daß die Erweise „auö den reinsten Händen, von gelehrten Forschern des tüchtigsten Schlages, von höchst unbefangenen Mönchen oder sehr gelebrten Jesuiten und Acbten bezogen worden," aber wir wissen auch, daß nicht selten gewisse Speculauten die aus den ersten und reinsten Händen bezogenen Waaren vermischen oder verfälschen mit schlechten und verdorbenen Waaren. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? t. Kor. V. 6. Solche Spcculanten fanden sich zu allen Zeiten, wie in der Jndustriewelt, so auch in der kirchlichen Welt; sie nehmen bald etwas vom wahren Texte ab oder lassen aus, was ihnen nicht anspricht, setzen bald etwas hinzu, um ihre irrigen Meinungen an den Mann zu bringen. Der alte Dionysius, Bischof zu Korinth hat dies schon erfahren. „Ich habe auf Verlangen der Brüder Briefe geschrieben; diese haben die Teufels-Apostel mit Unkraut angefüllt, und thcils etwas weggenommen, theils zugesetzt. Das Wehe mag sie dafür treffen." Wir wollen indessen den so süß tönenden Worten der Bonner Professoren trauen. Also schauet auf, ihr Trierer, spitzet die Ohren! Ein lang verborgenes Gcheimniß — euer Geheimniß, ut minus lliosm — soll jetzt aufgedeckt werden durch einen kritischen Entwickelungsproccß, woraus hervorgehen wird, ») Bei Eusebius Kgesch. IV. B. 23. Kap. — 8Z ^ daß die Silvesteröcklrkunde, wie ein Embryo im Mutter« leibe, von Zeil zu Zeil in dem Leibe der Trien'schen Kirche angewachsen und zuletzt, mit einem ganz künstlich gewebten ungenähten Rocke, den man den Rock des Herrn zu nennen pflegt, bekleidet worden ist. Dieser cmbryologischc Proceß geht mehrere Jahrhundertc durch, ohne daß auch nur ein Einziger der Lebenden davon etwas gemerkt hat, bis die geschickten Geburtshelfer von Bonn mit ihren kritischen Instrumenten die Entbindung vornehmen und glück, lich ausführen. ?gl'tui'iunt montes, ns800tnr riclioulu8 MU8. Also eine neue Entdeckung im 19. Jahrhunderte und zwar durch zwei Professoren zu Bonn. Der Entwickelnngsproccß ist übrigens so einfach, so einleuchtend, daß man wahrlich die Blindheit der früher Lebenden jetzt, nachdem das Gehcimniß gelöst ist, bewundern muß. Denn sehet, wie die Sache sich nach und nach ausklart: s) „Die erste Urkunde des Silvester, mitgetheilt von dem Jesuiten Brower — gewiß eine reine Hand — in den Trierischcn Annalen, hat nichts von Reliquien." Diese setzen unsere Herren in das VIII. Jahrhundert S. 2o. U) „Erste Erweiterung. Der h. Nagel." Dies geschah im Xl. Jahrhunderte, also während ungefähr 300 Jahren. S. 2tZ. o) „Zweite Erweiterung. Anonyme Reliquien." S 27. Nämlich zu dem oben angeführten h. Nagel kommen nun noch im allgemeinen oder unbestimmte Reliquien. Allerdings ein wichtiger Zuwachs, man weiß aber nicht, wie viel Zeit dieser erfordert hat. >1) „Um das Jahr 1000 wird der h. Rock in Trier vcrmuthct, aber nicht gefunden." — Wahrscheinlich ruhele — 96 — eine Zeit der Entwickelnngsgang, sammelte neue Säfte, um dann desto rascher und kraftiger die weitere Aufkei- mung hervortreibcu zu können. S. 29. e) „Der h. Rock wird zwischen 1106 und 1124 in die Urkunde Silvesters eingcschwärzt." S. 3ö. — Also schon ein wichtiger Fortschritt. Der h. Rock kommt schon in geschriebenen Büchern, auf dem Papier vor: aber um ihn auch in die Kiste einzuschwärzen, dazu gehört ein größeres Kunststück. Denn der h. Rock ist ja nicht von Pergament- oder papicrnen Blättern, sondern gar künstlich gewebt. Zu einer solchen Einschwärzung wird man andere Tausendkünstler nöthig haben. k) „Der h. Rock wird im I. 1196 nicht entdeckt." S.W. — Brower, der gelehrte unbefangene Jesuit, diese reine Hand erzählt zwar mit ganz besonderen Umständen, wie der h. Rock im I. 1196 aufgefunden worden, aber „Brower schreibt im Anfange des 17. Jahrh., über 400 Jahre liegen zwischen beiden, und Brower ist der älteste, ist geradezu der einzige Gewährsmann für seine Erzählung. Wer steht uns dafür, daß er sie nicht ganz und gar erfunden habe?" — Der unbefangene gelehrte Jesuit wird hier also auf einmal ein betrügerischer Schmnggeler, Verfälscher. — Merket es euch, Ihr Katholiken! So lange die gelehrten Jesuiten, unbefangene Mönche und Acbte für die Sache der Bonner Professoren sprechen, sind sie ehrliche Leute, sprechen sie aber nicht für sie, dann werden sie als Betrüger, Verfalscher dargestellt. Das ist keine katholische, sondern eine Ealvinische Kritik. K) „Der h. Rock befindet sich seit 1121 notorisch in der Domkstche." S. 41. — Um diese „wunderliche Sache" noch wunderlicher zu machen, springen die Professoren - 97 - von 1121 über bis auf die von Hrn. Marr beschriebene Ausstcllungsgeschichte im XVI. und XIX. Jahrbundert. So ist also die Tricrische Muttcrkirche im Jahre 1844 glücklich entbunden worden durch die sehr geschickten Geburtshelfer der Bonner Universttat von — einer höchst gefährlichen Mißgeburt, die sie mehrere hundert Jahre nicht ohne Anstrengung und Aufopferung getragen hat. Denn der h. Rock, da er erst im XII. Jahrhundert notorisch in der Domkirche sich befindet, kann ja nichts anderes als eine Mißgeburt seyn. <^uc>ä erst «Ismen- Ztrsnckum. Jetzt folgen noch S. 47. Z. 9. „Sonstige glaubwürdige Geschichten vom h. Nock." Diese glaubwürdige Geschichten enthalten aber weiter nichts als unglaubliche Mährchen, „vielleicht gutgemeinte, jedenfalls aber willkührliche Mönchserfindungeu." S. 48. Da wir nun den wunderbaren Entwickclungsproceß mit Geduld abgewartet haben, werden die Hrn. Prof. uns erlauben, zu dem Urstoff zurückzukehren, um diesen schärfer ins Auge zu fassen und zu untcrsucbeu. Vrower, „gelehrt und unbefangen," giebt die Silvesters - Urkunde gleich beim Anfange des IV. Buchs der Tricrischen Annaleu auf das Jahr 327, wo er den Vorrang der Trie- rischcn Kirche als Primatie-Kirche zu beweisen sucht. Er bemerkt zum Voraus, daß das Diplom selbst zwar verloren gegangen, der Sinn desselben jedoch auf sehr alten Blättern enthalten, übrig sey.*) Es folgt dann' „Wie im Heidcnthum durch eigene Kraft, so ergreife auch jetzt, Trier, den Primat über Gallien und Germanien, den dir schon Petrus, das Haupt der Kirche, in den ersten Lehrern der christlichen Religion, Eucharius, Valerius, Maternus Lcnwiitis tsin«:n vetustissüuis asseivst» Lctieclis, me.ssU. — 9» — durch dcn Stab bezeichnet bat, daß du ihn vor allen Bischöfen diesr Völker haben werdest, gewisscnmaßeu seine Würde vermindernd, um dich derselben lheilhaftig zu machen, dcn ich, Silvester, sein Diener und unwürdiger Nachfolger, durch dcn Patriarchen Agritius von Antiochien, dir erneuere und bestätige." — Brower giebt nicht die geringste Anzeige über das Alterthum dieser sehr alten Blätter (vetugtissimas Lcbvclae.) Die Prof. sagen S. 25.: „Dieser Tert könnte möglicher Weise schon im VIII. Jahrhundert entstanden scyn." Also vor dem großen Brande , der Stadt Trier. Dann könnte aber der Verdacht leicht entstehen, ob die vetustissimse Lelrociae ganz vollständig, vom Brande unbcschädiget geblieben scyen, indem wir im vorigen Artikel aus den alten Nachrichten dargethan haben, daß viele Fragmente ans dem Schutte hcrvorgesucht und gerettet worden sind. Allein da Brower, „gelehrt und unbefangen," nichts meldet von einer Beschädigung oder Unvollständigkeit dieser vetustissimsi um Lelieclarum, so wollen wir annehmen, diese Redaction habe nichts Weiteres gehabt. Nach Brower soll sie ja auch nur die Sentenuam äftilom-uis, also keineswegs das vollständige Diplom wieder geben. Der Bcnedictiner von St. Matthias, Maurus Hillar, auch „gelehrt und unbefangen" giebt in seiner Schrift: Vrnäioise liistorise Nrevirens. eine ausführliche Redaction ex rmtiguissimiz memlwgnis 8sn, lUgtlbisuiz, ans sehr alten Pergament-Handschriften des St. Matthias Klosters, die das vollständig enthält, was bei Brower fehlt. Nämlich nach dcn Worten: erneuere und bestätige, folgt: „Zu Ehren des Vaterlandes der Kaiserin Helena, deren Heimath diese Hauptstadt war; welche eben diese Glückliche mit den Gebeinen des Apostels — 99 — Matthias, die sie aus Iudäa mitgebracht, mit demRockr und Nagel des Herrn, einem Zähne des h. Petrus, Sandalen des h. Andreas, dem Haupte des Papstes Cornelius und andern Reliquien herrlich beschenkt und ausnehmend erhoben hat. Die wissentlich dieses Privilegium augreifen, sollen von der Gemeinschaft getrennt werden, indem sie mit dein Bannflüche befleckt werden." Hillar setzt hinzu: „Eben dasselbe Privilegium des Papstes Silvester enthält mit denselben Worten ein nach allen Anzeigen noch älterer, als der vorige Coder unter lütt, ch,. I. Nr. Ist. nach der angeführten Geschichte der The- baischcn Märtyrer unter dem Kaiser Augnstus, „ohne weitere Fortsetzung der Geschichte."*) Soll man nun diese sntiqui5sima Membrana, nach des Hillar Zcugniß p. 53. vsläe pur» nicht gleichstellen dürfen den vetu» stissimis Kcbestis des Brower? Jedenfalls gehören sie in das neunte oder zehnte Jahrhundert, und so scheitert dadurch der ganze Entwickelungsproceß. Die Bonner Herren scheinen übrigens den „gelehrten und unbefangenen" Brower zu geschwind aus den Händen gelegt zu haben. Hätten sie nur das Blatt umgedrebt, so würden sie wenigstens das Geständniß Browers üb r den h. Nock aus einem andern alten Coder gesunden haben. In einer alten Handschrift, die des Eusebius Chronik enthielt, waren gerade die Worte, welche in dem oben ausgezogenen Silvcstrischcn Diplom fehlen, von einer alten und treuen Hand beigeschrieben.**) ») ?!»x. La. Z. III. Vinilic. Die Redaktion der Gesten est ganz gleichlautend. ") In«n!eien l.'miiem tU. L. Dnsebieni Odrvniei, quvrt in m-yori» Lcelesiae dibliatkeca sene veiustum extat, f-et.n copi?., I'egvrieb.im sntigim, sateor, et sxteli man», at retirino «tu»racteri äissimiti et extra oräinem, sä oditr.m senivlt» — 7 00 — Der Bollandist I. Pinius im Leben der h. Helena (18. August 'llom. III. p. 55V.) legt wenig Gewicht auf das Eremplar des Brower und noch wenigeres auf das aus den sebr alten Pergamenthaudschrifteu gezogenen; das halt uns hier nicht auf, denn wir haben hier nicht die Aechtheit dieser Exemplare zu vertheidigen, sondern den von den Professoren vorgelegten Entwickelungsproceß zu prüfen, und zu beweisen, daß, obschon sie Alles aus den reinsten katholischen Händen bezogen, sie ihren Leser» es doch nicht rein überliefert haben. — Der Jesuit Jacob Mase- nius, welcher Browcrs Tricrische Annalen fortgesetzt, ergänzt und herausgegeben hat, giebt in seinen Zusätzen zu dem ersten Thcile Browers p. 576 das vollständige Exemplar der Urkunde, wie wir es oben aus den antiguissi- Ulis meiuboaniz mitgetheilt haben. Hierüber äußern sich die Professoren S. 25. und geben vor, „Masenins habe ehrlich genug dabei eingestanden, daß sein Exemplar erst im 14. Jahrhundert geschrieben sey." — Das ist eine feine Entstellung. Masenins berichtet, der Erzbischof Balduin, der im 14. Jahrhundert lebte, habe das Eremplar aus einem alten Coder ausgezogen. Das Eremplar ist also eine Abschrift eines alten in dem Trirer Archiv vorgefundenen Exemplars, und deshalb zweifelt Mascnius, ob des Brower Eremplar vollständig wäre. Da es hier vorzüglich auf den Inhalt ankommt, so interessirt uns tlonsiantii sl»es»ris, it» serisitum: It»ec Helen» ?r«ve- reo» stallte»» in Nixen», ^.xrieium I-»tri»rcti»m, ^nti« eiien um 'orevirnrum eonstituit kpiseopum, eum >>uu 1'revirii» misit ?unie»m et Ll»vui» vo- mini, enni ussilius ül»ttl>!»e ^>>ostnli et »»eteris 8»nc>vrum reliuuüs, cum llenie sei licet 8. ?etr> ^uu^lvli et 8»nck»liis L^nileeas^pustvli, nve non e»pitv vornelii p»p»e. — 10? — hier wenig die Zeit der Abschreibung, sondern wir babcn vorzüglich unser Auge zu richten auf das Alterthum des Coder, woraus das Exemplar abgeschrieben, auf den Inhalt des Exemplar und auf die Treue des Abschreibers. Der Codex, woraus Balduin das Exemplar abschrieb, war also alt, und wir dürfen auch nicht zweifeln, daß der Inhalt treu wiedergegeben worden. Man muß also das Exemplar des Maseuius nicht in das 14. Jahrhundert, sondern in eine weit frühere Zeit setzen. Hierzu kommt noch ein Umstand, der gar kein günstiges Licht auf die Redlichkeit und Aufrichtigkeit der Professoren wirft. Ma- senius sagt ausdrücklich, sein Exemplar sey das nämliche, welches der Pater Sirmond aus dem Verdüner Coder geschrieben und das unter seinen hinterlassen?» Papieren sich befunden habe.*) Dieses bezeugen auch die gelehrten Jesuiten Alex. Wilthem und Daniel Papebroch. Letzterer schreibt in seinem 4. Thcil des Dropvlaei anticz. cle Di- xlomat. ckiscernencl. p. XV. welches dem zweiten Dom. der ^cta 8s. ^prilis vorgcdruckt ist: Drsclitum est in libris provineialilius Dvevirorum, 8i>vestrum Dontilicem msximum uL^eioii csusa seripsisse Dpistolam, et exempts cireumkeruntur. ^ntiguissimum Viroäuni in coäios ltl. 8. tüolloetionis eanonum reperit mecumczuo communi» esvit llsoobus 8irmonclu8, er lustils mirsculi Stupor«»! elavo Dominica aliqusm ^ (piaN sdsit, paret ciervAütianom , secum vi- «tolieet wyusmocii volvens mellitationem: D»e kortsssi» Dvmini roii^uiae w-yoris sunt meriti ipso clavo Domini, äec. — 10 5 — XI. Jahrhunderts, aber es ist einleuchtend aus den vielen historischen Nachrichten, die in der Vits enthalten sind, daß dem Verfasser derselben ältere Documente vorgelegen haben; die ganze Trierische Vorgeschichte ist ihm Gegenwart, er erzählt Begebenheiten ans den Zeiten der Trie- rischcn Erzbischöse Maximin, Paulin, Felir, NicetiuS, Hildulf:c. und bezieht sich mchrmal auf durchaus wahre Berichte der Vorfahren. In dieser kritischen Beziehung geht also die Autorität des Verfassers der Vits viel weiter als auf das XI. Jahrhundert, oder als auf die Zeit, wo er schrieb. Die Prof. rechnen aber alle Nachrichten, die in der Vits enthalten sind, zum XI. Jahrh. Ihrem Z. Z. geben sie diese Aufschrift: „Der h. Rock wird um das I. 1000 in Trier vermuthct, aber nicht gefunden," und fahren dann in einem ganz entschiedenen Tone fort. „Also bis zum I. 10Z4 dachte die Trierischc Kirche nicht an die Behauptung, sie besäße den ungenähten Rock des Heilandes. Dies Datum steht bereits an dieser Stelle fest durch die Vita ^gi'itii, welche nach dem angegebenen Jahre geschrieben (sie benutzt eine Vita lstiistulti, welche damals^) entstanden) in ihrer Urkunde den h. Rock nicht erwähnt." — Wenn das Datum der Vits feststeht, so folgt hieraus noch lange nicht, daß das Datum der durchaus wahren Berichte der Vorfahren, worauf der Verfasser sich stützet, an der nämlichen Stelle oder auf das I. 10Z4 auch feststehe. Diese Berichte gehören einer weit ältern Zeit an, weil sie nicht Gedanken des Verfassers der Vits, sondern Berichte der Vorfahren sind, die der Verf. Die Bvllandisten geben auf den eilfren Zuli drei vita« lliläulü, wovon die erste gegen das Jahr 964, also im zehnten Hahrh. geschrieben ist. — 106 — aus der Vorzeit erhalten hat, wie unten selbst aus der Viig soll erwiesen werden. Wir lassen einstweilen den Prof. noch das Wort. Sie fahren fort: „Die Vits^gnitii bat nun aber für unscrn Gegenstand noch ein ferneres Interesse. Sie zeigt nämlich, wie in jener Zeit die ersten Elemente zu der Bildung einer künftigen Tradition aufzutauchen begannen." — Also sind wir jetzt, im Xi. Jahrhunderte, angekommen an der vorzüglichsten Entwickelungcpcriode, wo die ersten Elemente zu der Bildung einer künftigen Tradition aufzutauchen begannen. Eine glückliche Entdeckung für die vaterländische, und ganz besonders für die Trierische Geschichte, die unsere Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nimmt. Wo haben die Herren diese Entdeckung gemacht? In der Vits des Agritius. Man höre: „Sie berichtet: Aus wahrer Erzählung der Vorfahren^) lernen wir, daß ein frommer Bischofs) dieser Stadt verschiedene Gerüchte über den Inhalt einer niemals eröffneten Kiste (in der Kirche zu Trier) vernahm. Einige meinten, der ungenähte Rock, andere, der Purpur, mantel, andere, die Schuhe des Heilandes seycn darin. Der Bischof, nach manchen frommen Vorbereitungen, ließ die Kiste öffnen, als aber der Erste, der hinein sah, mit plötzlicher Blindheit geschlagen worden, stand man für alle Zeiten von dem Versuche ab." Nun rücken die Herren Bonner gewaltig auf den Der lateinische Tert hat: verissim», wsforuw relatiooe d, !. aus durchaus wahrem Berichte der Vorfahren. Daß hier nicht von mündlichen Erzählungen, sondern von alten Berichten Rede ist, werden wir unten hören. Der lateinische Text hat: Huiäam religlosus mullum etzis- item uidis?5>i«cvi>us, ein gewisser, lehr frommer Bischof dieser Stadl. — 107 — Herrn Marr los, und werfen ihm unrichtige Einschaltungen, falsche Erklärungen und willkührliche Zusätze oder Verdrehungen vor, fordern ihre Leser auf, das Ganze mit dem Terte zu vergleichen. „Marr schreibt S. 23: in dieser viw wird auf den Grund einer durchaus wahren Erzählung der Vorfahren*) berichtet, in den Zeiten nach dem Agritius (in oder nach dem vierten Jahrh.) scycn öfter neugierige Aeußerungen unter den Gläubigen vernommen worden, was denn doch das für ein Kleid des Erlösers sey, welches der h. Agritius in einem Kasten verschlossen in der Domkirche niedergelegt habe, indem nämlich die Einen gesagt halten ic. „Alles, — so fahren die Prof. fort — was hier im Druck ausgezeichnet ist, fehlt im Original." — Warum soll aber Herr Marr nicht eben so, wie die Bonner Herren sich einer Abkürzung und einer in dem Sinne des Originals liegenden Auslegung bedienen dürfen? Die Bonner Herren haben auch keineswegs eine ganz treue und vollständige Uebersetzung des Originals geliefert.**) „Man sieht sogleich, es sind, wenn es darauf ankam, eine eigentliche Tradition zu fabriciren, durchaus die schlagenden Punkte. Das Original sagt: Es war einmal ein frommer Bischof, der hörte verschiedene Gerüchte;***) Hr. Marr übersetzt: in oder nachdem vierten Jahrhundert wurden öfter neugierige Aeußerungen ver- *) Marr hat hier narrstivne, es muh aber heißen: relmione, Den Originaltext geben die Profcss. im Anhange. Man vergleiche damit ihre Uebersetzung. "») So sagt das Original nicht, >ondern: Aus durchaus wahrem Berichte der Vorfahren lernen wir, daß ein gewisser sehr frommer Bischof, als er die verschiedenen Urtheile der Leute über diese Reliquien des Herrn vernahm lc. 7* — Ivtt — nommcn.*) Das Original spricht von Gerüchten nnter den Menschen. Hr. Marr von Aeußerungcn unter den Gläubigen."*) Im Original bleibt der Inhalt der Kiste völlig unbestimmt, bei Herrn Marr sind die Gläubigen seit dem 4. Jahrh. sicher darüber, daß es ein Kleid des Erlösers ist, und fragen nur, ob Rock oder Schuhe." — Hier ertappen wir wieber die Grossprccher auf einer Verfälschung. Es ist nicht wahr, daß im Original der Inhalt der Kiste unbestimmt bleibt. Das Original sagt: I4i>»> diversas dominum sostimaliones de islit, llonii- ni reliquiis audirel, d. i. als er die verschiedenen Meinungen von jenen Reliquien des Herrn vernahm. Die Leute waren also sicher, daß in der Kiste Reliquien deö Herrn aufbewahrt wurden, nur wußte man nicht sicher, ob der Rock oder :c. Auch nahm man an, daß Agritius diese Reliquien des Herrn in die Kiste gelegt habe. Tronin, in quam d. Agritius dune roposu. erat rdessurum, Wie schön passen nun die Worte der Professoren, die sie auf Herrn Marr anwenden, aus ihr eigenes Verfahren. „Ob dies Versahren einen technischen Namen im literarischen Verkehr hat, weiß ich nicht. Im bürgerlichen ist die Bezeichnung bekannt genug und gleichlautend in allen Strafgesetzen." Wir haben oben gcdörl, daß Hr. Marr die Worte des Originals: verisi-ima majorenn relslionö erklärt aus die Zeilen nach Agritius, in oder nach dem 4. Iahrhun- Die Worte: in oder nach dem 4. Jahrhundert, sollen die Worte: verisslina Mißoimn rewtione erklären und zwar ganz richtig nach dem Original. Wie kieinllch! Die Leute zu Trier waren gewiß auch Gläudige. Damals kannle Trier keine „widerwillige Seciuer." Das Original verlandet gleich darauf den t>v- pulus mit dem cierus. — 109 — dort. Hören wir nun die Kriiik der Professoren: „Sehen wir zu, in welcher Zeit der von ihr erzählte Vorfall, seine Authcnticität eingeräumt, sich zugetragen haben kann. Der Schriftsteller beruft sich auf die Erzählung (Berichte) der Vorfahren. Wer des damaligen Sprachgebrauches irgendwie kundig ist, weiß auch, daß der Ausdruck Vorfahren nicht eben in ein graues Alterthum zurückzudenken braucht. Der Schriftsteller konnte ibn anwenden, wenn etwa ein Greis, der in seiner Jugend der Eröffnung des Kastens beigewohnt, ihm darüber Bericht erstattet hatte. Nichts hindert uns also, den Vorfall in das 10. oder in den Anfang des 1l. Jahrh. zu setzen, und hier die ersten Spuren jener Gerüchte aufzufinden." Dies, ihr kritischen Herren, sind ganz unnütze Verdrehungen. Der Verfasser giebt kurz zuvor, nämlich im II. Kap. Nr. Ii klar genug zu verstehen, wie die Worte: rei-issima m-ijoeum relulinno zu nehmen sind. Er redet hier von der Verfolgung im Anfange des 1. Jahrhunderts und von den Zeiten des h. Athanasius und des h. Maritim?. Hier sagt er auch: omnium rolstione msjorum nostieuum gstusguo nostism pei'vonit notitism; d. i. ans dem Berichte aller unserer Vorfahren ist bis zu unserer Kenntniß gekommen. Wie also hier die relatio ingjm'um von dem 4. Jahrh. zu verstehen ist, so wird auch wohl derselbe Ausdruck im 4. Kapitel zu verstehen seyn. Der Schriftsteller unterscheidet auch ganz klar die selbst gewonnenen Kenntnisse von den Berichten der Alten. Dies findet noch eine neue Bestätigung in den Worten: es war einmal ein frommer Bischof, oder ein gewisser sehr frommer Bischof :c. Würde er sieb so unbestimmt ausgedrückt haben, wenn die Geschichte etwa vor Z0 oder 60 Jahren sich ereignet halte? Würde — II« — er nicht vielmehr den Namen des frommen Bischofs genannt haben, so wie er die Namen der andern Trierischen Bischöfe und des Kölnischen Bischofs Bruno nennt? Tnrch den unbestimmten Ausdruckt guielnm religinsns mulnim stujus VI bis episoopus etc. scheint er anzuzeigen, das? man wegen der Länge der Zeit eigentlich nickt genau wisse, unter welchem Trierischcn Bischöfe die wunderbare Geschichte vorgefallen sey. Man wird jetzt leicht erkennen, warum die Profess. sich so sehr bemüheten, die relativ m-ijorum, den Bericht der Vorfahren in das 10. oder 11. Jahrhundert zu verschieben. Sie glaubten durch ihr feines, kritisches Messer die schweren Wurzeln der alten Tradition, die hier so klar zum Vorschein kommen, abschneiden zu können und auf ihre Stelle die „ersten Elemente zur Bildung einer Tradition" zu legen. Aber wir Katholiken kennen unser Terrain und lassen uns so leicht nicht täuschen. Auch das so hochgeschätzte Stillschweigen der beiden Benedictiner Aebte, des Berengosns von St. Marimin und des Thiofrid von Echternach, sestt uns nicht in Sorgen. Beide schweigen von dem ungenäbten Nock, da der erste doch weitläufig handelt von der Erfindung des Kreuzholzes durch Helena, da er in eben diesem Werke redet von den Verzierungen der Stadt Trier durch Helena, da er in einer besondern Schrift über die Verehrung der b. Reliquien redet. So auch Thiofried schrieb im Anfange des 12. Jahrhunderts ein Werk über die Verehrung der Reliquien und widmete dasselbe gar dem Triernchen Bischof Bruno (ItOt—1142). Keiner meldet etwas von dem ungcnähten Rock; man wußte also damals noch gar nicht, daß er in Trier war, Thiofried kennt nur einen — l! l — ungenähten in Safed im Jahre 590 aufgefundenen Rock des Herrn. Berengos, der gemäß der Chronik von St. Marimin noch im I. 1125 lebte, halte allerdings eine schöne Gelegenheit, über den Trierischen Rock zu sprechen, aber weil er es nicht gethan bat, daraus folgt nicht, er habe nichts davon gewußt. Aus Alcnin wissen wir, daß zu Trier eine herrliche Partikel des h. Kreuzes war, auch davon spricht Berengos nicht; so auch nicht von dem Nagel des Herrn, der doch noch kurz zuvor so große Wunder gewirkt hatte, wie die Vits Vgi itii meldet. In der Schrift über die Verehrung der h. Reliquien redet Berengos zunächst von den in seiner Klosterkirche aufbewahrten Reliquien, wofür er ein eigenes Fest anordnet. Tbiofrid starb im I. 1110. In seinen Schriften ist er mebr Ascet als Historiker. Es ist zu bewundern, daß der belesene Trithem ihn weder iniee «criptm-es eocleü., noch unter den berühmten Männern des Benedictiner- Ordens anführt. Es ist leicht zu erklären, wie er darauf verfallen, die Notiz von dem zu Safed entdeckten Rocke aufzunehmen. Denn die damals berühmten Chronikschreiber, Hermann Contractns, Ekkehartns und Si- gebert waren Benedictiner und diese Chroniken wurden in den Klöstern häufig gelesen. Daß hieraus Tbiofrid wörtlich das Ganze mit den offenbarsten Unrichtigkeiten geschöpft habe, gestehen die Professoren selbst ein. Dem Erzbischof Bruno von Trier konnte diese Notiz über den Rock von Safed aus denselben Chroniken auch nicht unbekannt seyn t wie sollte er dann die Anführung derselben von Thiofried als eine Grobheit haben ansehen können? Den beiden Bencdictinern aus dem 12. Jahrh., die nichts vom h. Rock zu Trier melden, setzen wir jetzt zwei andere Mönche ans der namliebcn Zeit entgegen, die genaue Nachricht davon geben. Der erste ist der St. Martinas Benedictiner, der die Uebertragung der Reliquien des b. Matthias geschrieben bat gegen das Jabr ll27 und sich zugleich bezieht auf die Erzäblung eines alten Priesters, der in der Mitte des eilfien Jahrhunders gelebt und das Erzahlte gesehen hat.''') Dieser sagt nun Nr. 2 pag. 4)5.: „Diesem (Agritius) übergab die h. Helena durch den Papst Silvester jene herrlichen Reliquien, nämlich den ungenähten Rock des Herrn mit einem der Nägel und mit dem Messer Jesu, auch den aus Jndaa mitgebrachten h. Apostel Matthias zur Beschütznng der Stadt. Ihm auch hat derselbe Papst das Privilegium der alten Würde, das bis dato in den öffentlichen Monumenten enthalten ist, erneuert." **) Hier haben wir Alles, den ungenähten Rock mit dem Nagel und zugleich die Urkunde Silvesters, die in öffentlichen Monumenten aufbewahrt wurde. Wie hätte sich hier der Verfasser auf öffentliche Monumente berufen können, wenn der h. Rock erst kurz zuvor in die Urkunde Silvesters eingeschwärzt worden wäre, wie die Prof. sagen? — Der Zweite ist ungefähr 20 Jahr jünger. Schreiber dieses besitzt nämlich einen schönen Pergamcntcoder, enthaltend Reden des '^) tVarravit milii qnillain senex reN>rio«n« cum lacrvmi«, « e in Conuresd^teru saepius Iwo villisae. !V. -t zu 4-tN, 'vom. III. keedr. NuNaniI. — Die Bollandisten setzen si, 4,'Z7. hinzu: INa «ciNcel co»pre«d>'tero, q»i circa annuni toso. manibns «ui» aitreciaverat reliqnias 8. Älatiiiiae. Ituic L. Helena reliqula« mnAnilica«, iunicam viiteNcet vnmini incnnmUilem. cum unv clavornni ac cnIteNn Ne«n, Lanctnm qunqne Natlliiam ^sioslnlnm lleNndsea tranaikttum «uae uriii lteeeniienklnm per manu« 8ilve«iii Nasine irailiitit. Dni etia»! iilem .Vuc>«iol!cn« ueicNeSiinm anlii/nae liiuaniaii«, «zuull Iiactenu« in inonninenti« ziudlici« Iiaiietur, returmavit. — 113 — h. Augustin, das Symbolum Ruffins von Aquilcja mit Mehrerin Andern. Dieser Codex, welcher früher zu dem Kloster Himmerode (L. Nsrise dc tllunziro) Trierer Diöcese geHörle, ist geschrieben im Jahr 1154.") und enthält vollständig die Urkunde Silvesters, nämlich: Uoivileginrn primatis trevirensis ^rolncpiscopi. 8icut in Aentilitstc propiia virtutv «nrlire et n« t> evir primas spudc super gallos et ^ermguos pricnstuin guein t' precibz liarum epss« in primitivis Xlisne reli- Aionis doctorilzus scilieet eucbarii et valerii stgue ins- teeni, sc per bscul in eap^d ecel'e petrus siAnavit da- Izenduin gucidsin in" susm di^nitstem niinuen«, ut prulieipen, läceret. (äuein ego silvester e"e serrä suc- ce^iynegs' indignä per pstrisrclism gntioobenum sr^i- einm renovsns conlirmo all bonorem patric domne be- lene LUAnsts metr^polum älstbiam indes trsnsliitum, cum tonics et clsvo d5ri cetorisgs religuiis insrzniliee ditsvit speoialiterg» provsxit. Illn'. privilegü canscii nncivi omuli eommunions diriinanlur t" lege novo imms dal H' veleri. Hierdurch fällt nun das ganze Geschreibsel fort, das die Prof. in Z. 6 über die Gesta Treoirorum machen, wobei sie steh vorzüglich wieder auf Thiofrids Stillschweigen berufen. Unsere Handsehrist, die wir oben bezogen haben, rührt nicht von den Verfassern der Gesta ber, nicht einmal von den Venedictiuern, indem Himmerod? Dieses sagen die am Schlüsse folgenden Worte: Xnnoüo- inimcae me!>r»iNio>Ü8 MOI.IV. anno XXIII. orliinationis U-nuliNti XNNalis, iu'rsci'i>->ti>8 lidni isle lioatae Ulari»« cle c.'Iili!8tro ad Xldoeto scriploro, eoopcrante Nenoro cautore. — 114 — Cisterzienscr-Ordens war. Man kann daher auch kühn den Satz der Professoren S. 38: „In das Archiv des Erzbislhums ist die Urkunde erst im 11. Jahrhundert, offenbar aus den Gesten entlehnt, unter Erzbischof Enno von Falkeustein gekommen", einer offenbaren Unwahrheit bezüchtigen, indem Erzbischof Balduin, lange vor Enno, die Abschrift ans einem alten Eremplar genommen hat, wie eben gesagt worden ist. Obschon nun heut zu Tage kein Mensch glauben wird, daß, wenn auch das Wort tu nies in die Urkunde Silvesters im XI. Jahrh. wäre eingeschwärzt worden, deßwegen der Rock selbst im folgenden Jahrhundert in die Kiste zu Trier gekommen wäre, so wollen doch die Professoren umgekehrt ihre Leser glauben machen, daß, nachdem der Rock am 23. October 1121 bei Hellem Tage, ohne daß doch jemand, außer den Prof. in Bonn im I. 1841, etwas davon gewahr worden, in den St. Ni- colaus-Altar eingeschwärzt worden ist, auch zugleich das Wort tunios in allen Eremplaren der Urkunde Silvesters erschienen sep. Das wird nun Manchem etwas unbegreiflich vorkommen, aber die gelehrten Professoren wissen es auf eine handgreifliche Weise vorzustellen, nur muß man unbedingt ihren Worten glauben. Denn bis hichin las man überall, wie die Prof. selbst S. 38 schreiben, daß der Rock im Jahre 1196 durch Erzbischof Johann I. zum ersten Male, seit ihn Agritius im I. 328 in den Kasten gelegt, an das Licht gezogen worden sey, aber das ist nicht wahr. „Der hl. Rock wird im 1.1196 nicht entdeckt." — Wenn ein lang verborgener Leib oder eine Reliquie eines Heiligen entdeckt wird, so heißt das in der Kirchensprache lavvutio, Auffindung, die von dcrDJeraUo Erhebung und von der Draus!atio Ucbcr- — IIS — tragung ganz verschieden ist. Es ist natürlich, es kann keine Reliquie erhoben oder übertragen werden, ohne daß sie, wenn sie verborgen war, entdeckt ist. Wir haben ganze Reden des hl. Ambrosius von der Jnvention der hl. Märtyrer Gervas und Protas, des hl. Augustin über die Jnvention des hl.Z Erzmarlyrers StephanuS. Auch findet man oft in dem römischen Martyrologinm die Ankündigung Inventio. So heißt es auf den 21. Februar: llmeosol^miz invontio ^»rima ospiti8 pi asoui'80ris Oo- mini, und auf den 29. August kommt die zweite Auffindung des Hauptes des hl. Johannes vor. Es kann also eine Reliquie mehrmal entdeckt und somit auch die Jnvention gefeiert werden. Wird die Reliquie aus der ersten Ruhestätte erhoben und in einen bessern Sarg gelegt, so ist das eine IRevauo; wird sie aber von einem Orte zu einem andern verschickt, so ist es eine IRsnsIatio. Unter dieser Rubrik findet man wieder viele Ankündigungen in dem Martyrologinm. Die protestantischen Prof., mit der katholischen Kirchensprache weniger vertraut, wollen nun die Worte Browers all arm. 1196. lunioa Ilomml invmwa, auf eine feine Weise wegschaffen, wahrscheinlich um der Einschwärzung der Tnnica im I. 1121 den Weg zu bahnen. „Was 1193 geschah, war keine Auffindung und Translation, sondern nur eine Translation." Ist dann in dem erwähnten Jahre die Tnnica von Trier nach einer andern Stadt überbracht worden? WaS 1196 geschah, war eine wahre Jnvention und Elevation. „Das steht ja auch überall zu lesen", wie die Professoren selbst sagen. Denn „Der Erzbischof, schreibt Brower, verschönerte die Domkirche, riß vieles Alte ein, führte manches Neue aus, untersuchte die Reliquienkistcn, holte alle Behälter hervor, — 116 — und stieß hiebn auf den durch deutliche Zeichen offenbar gewordenen Rock, der bis dahin in der Gruft des Domes zwischen beiden Thürmen, in dem Nicolaus-Altarc eingeschlossen war. Er wurde dann in feieilicbem Gepränge und tiefster Andacht erhoben und in den Altar des HI. Petrus gelegt." Nachdem die Prof. über diese Worte Browers Manches nach ihrer Art kommentirl haben, bringen sie ibre Bedenklichkeiten dagegen vor. »Die angegebene Auffindung ist vom I. 1196, Brower schreibt im Aufauge des 17. Jahrh., über 400 Jahre liegen zwischen beiden, und Brower ist der älteste, ist geradezu der einzige Gewährsmann für seine Erzählung. Wer steht uns dafür, daß er sie nicht ganz und gar erfunden habe?" — So spedirt man gar leicht den „unbefangenen redlichen Jesuiten" Brower, der früher in andern Sachen die Archive, Bibliotheken, alte Handschriften für seine Arbeit benutzt hat. Er ist allerdings mehrere hundert Jahre spater als die Geschichte, die er beschreibt, allein sind denn die Bonner Professoren älter, als Brower, sind sie der Sache näher, als Brower, waren sie vielleicht im I. 1196 in Trier, daß sie Alles besser wissen? Brower ist ihnen der „älteste, ist geradezu der einzige Gewährsmann für seine Erzählung." Wahrlich, die Professoren scheinen hier ihr Gedächtniß verloren zu haben. Denn im Anhange führen sie selbst die Stellen des Enen und des Scheckmann S. 403 über diese Entdeckung an; diese bedienen sich eben so, wie Brower, des kirchlichen Ausdrucks: invents est tuniea. Auch Wilb. Kyriander in seinen Tricrischcn Annaleu redet von der Erhebung der Tunica im I. 1196 und von der Versetzung derselben in den St. Peters-Altar. Alle diese in der Trierischen Geschichte bewanderten Schriftsteller habe» vor - 117 - Brower geschrieben, sie fanden es also in ältern Schriften, die sie benutzten. Daß nun Scheckmann sich auch bei der Erhebung der Tunica im I. 1-Z12 desselben Ausdrucks bedient, thut nichts zur Sache. Zwischen 1196 und iül2 liegen ja auch wieder mehrere hundert Jahre, die Tuniea wurde also 1Z12 zum zweiten Mal erfunden, oder ans Licht gezogen. Wenn die Gcsta nicht so umständlich die Sache erzählen, sondern nur erwähnen, Erzbischof Johann habe die Domkirchc und den Hauptaltar in derselben feierlich eingeweiht, dann auch an demstlbcn Tage mit großer Ehrfurcht und Verehrung der Gläubigen den Rock des Herrn in den Hanplaltar gelegt^), so kommt dieß daher, weil der Verfasser die Thaten des Johannes in einem Kapitel (k02) in gedrängter Kürze zusammenstellt, daher das fortlaufende: Iclem äroliiepiseopus. Das ganze Kapitel 102 gehört noch zu der Lebensbeschreibung lind Verwaltung des Erzba Johannes, wie jedem Leser einleuchtet, man begreift daher nicht, wie die Professoren schreiben konnten, in dem Leben des Johannes in den Gesten geschähe gar keine Erwähnung dieser Feier. Da die Gesta hier berichten, Johannes habe bei der Kirchenweihe den Rock des Herrn in den Altar des hl. Peter gelegt, glaubten sie für einen vernünftigen Leser genug gesagt zu haben, weil der Rock in den neuen Altar nicht gelegt werden konnte, ohne ihn zuvor aufgefunden und von der alten Stätte weggenommen zu haben. Daß hierüber die In (lik etinm äelNcntionis milZons «cclesiae, qune est in lest» INUIippi et .Incodi, snmnmin olt-iee enm M!>l5»n so- tennitnte et Nevatione cunseernvit, e! tnnienm Vv«>ini cum inn^nn reveeeniia et venerntione iiumnum vUueum ipso Nie i» iUliue d. t'etri reposuu unno sciiieet ttiw. — 118 — Prof. so viele Worte verschwenden und Hrn. Marr eine Hintcrlistigkeit vorrücken, ist nur eine verschmitzte Sophisterei, um ihre elenden Beweise durch ein glänzendes Mäntelchen auszuzieren. Die Note der Herausgeber leistet ihnen auch keinen Schutz^), denn es wird hier aus einem andern Coder vielmehr die Nachricht vervollständiget, indem gesagt wird, bei der Reparatur des Domes sey auch der Rock des Herrn, der im St. Nicolaus-Altar verborgen war, aufgefunden worden. Die Herausgeber setzen hinzu: „Der andere Scribent der Trierischen Vorfälle schweigt von einer auf solche Art geschehenen Auffindung." Das haben wir oben ja gehört, wo auch die Ursache dieser Verschiedenheit angegeben worden. Will man nun auch annehmen, daß das 102. Kapitel in den Gesten ein besonderer, vielleicht späterer Zusatz eines Ueberarbeiters sey, so müssen diesem doch neue und achte Documente vorgelegen haben. Die neuesten Herausgeber der Gesten, da sie S. 297 bemerken, daß das 102. Kapitel in einigen Codices fehle, setzen gleich hinzu, daß es jedoch in den bewährten und genuinen Handschriften enthalten sey^). Und unsere Prof. gestehen auch, daß dasselbe „eine Compilation von Urkunden des Erz- bischofs Johann" sey. Diese Urkunden haben also die Hintcrlegüng des hl. Rockes in den St. Peters-Altar eben so wie die Auffindung desselben unter dem St. Nicolans- In eoä. INS. ?i'evir., X. ILI6 s>nn. Intimus: ,v ,n>» ll !>i> oecnsiune rennvntionis snnnni tnni>>Ii invent» est toA» ltlii'isti ineonsntiiis, ljuüsi sinnicei eolveis, nens 8. iVicolni inclus», Ui-imn HUiZi >iu>>nlt> Ssiectninlii prvponitn,^ et inl liltüre novuui 8. Ueti'i tinnslintm') ne i-eclinlitni-, Uecensetur vvru vx Aenunns ciiailis in OoitU. LkerM (.'Ins. ete. — 119 — Altar enthalten und aus diesem haben die folgende» Scri- bcnten der Trierischeu Geschichte sie gezogen. Es ist also urkundlich sicher, daß im I. 1196 der hl. Rock aufgefunden und mit großer Feier, wie Browcr und dessen Vorgänger Enen, Schcckmauu berichten, in den St. Pctcrs-Altar gelegt worden ist. Es ist also auch sicher, daß er früher, vor dem I. 1196 iu der Trierer Kirche war. Hier bieten uns die Prof. wieder eine neue Entdeckung au. „Der hl. Rock — so ist die Aufschrift des Z. 8,— befindet sich seit 1121 notorisch in der Domkirche." Notorisch? Seit 1121? Also früher nicht, seit 1121 aber notorisch. Die gelehrten Herren wissen ganz genau — ohne Urkunden, ohne Berichte der Vorfahren — daß der hl. Rock im Jahre 1121 in den St. Nicolaus-Altar heimlich eingeschwärzt worden, daß von dieser Zeit, obschon keine Christcnscele diese Einschwär- zung bezeugen kann, notorisch der Rock in dem genannten Altar liege und aus demselben nach 70 Jahren genommen worden scy; sie wissen sogar, welche Veränderung der Ueberzeugung in dem Kopfe des damaligen Trierischen Erzbischofs in der Nacht vorgegangen scy. Der Hokuspokus geschah in einem Nu, allein durch den Erzbischof, ohne Beihülfe Anderer, den 23. Octobcr. „Bald nach 1131, — also zwölf oder dreizehn Jahre später, so versichern auf ihr Profcssors-Wort die Bonner Herren — wissen dann andere Handschriften der Gesta an derselben Stelle ganz genau — ans Urkunden oder aus ihrem Ea- pitolio?—daß der Rock durch Agritius iu der Domlirche niedergelegt worden ist."*) Noch mehr, selbst der Erz- Die Verfasser dieser Handschriften sind also nach der Voraussetzung der Prof. entweder schändliche Betrüger oder unwissende Scribenten gewesen. Wie sollte jemand das — 120 — bischof Johann, der im I. 1196 den Rock in den St. Peters-Altar legte, wußte, daß der Rock vor etwa 70 Jahren in den St. Nicolaus-Altar gelegt worden war. „Er weiß, so schreiben die Prof. S. 46, daß Erzbischof Bruno den Nock als den ächten in den Nicolaus-Altar gelegt hat*), und genau so viel, nicht mehr und nicht weniger wissen auch wir über sein Alter. Im Jahre 1121 ist er vorhanden; über Nacht hat Bruno, der um 1106 noch an den Thio- fried und den Rock in Safed geglaubt hat, seine Ueber- zcngung geändert." Jetzt wird man uns erlauben, auch die Professoren zu fragen, woher sie so genau wissen, daß der Erzbischof Bruno im Jahre 1121 den Nock in den St. Nicolans- Altar gelegt habe? Daß er erst seit dieser Zeit sich notorisch allda befinde? Sollen wir dieß Alles nach 724 Jahren, wo die Wissenschaft so große Fortschritte gemacht hat, bloß auf ihr Wort ohne untadlige Zeugnisse glauben, da sie doch selbst oben eingestanden, daß sie nicht mehr und nicht weniger wüßten? Wenn die Sache notorisch ist, so wird man dieselbe auch wohl notorisch, d. i. durch untadlige Zeugen derselben Zeit beweisen können? Sie werden erwiedern: Es steht fest, daß der St. Nicolaus-Altar den 23. October 1121 von Erzbischof Bruno eingeweiht worden. Das sagt eine von den neuesten Herausgebern der Gesten aus einem alten Trierischen Ritualbuche gezogene Notiz**) und dieß wird was erst vor 13 Zahren geschehen ist, in das graueste Alterthuni hinweisen können? Und das sollen alle Scri- benten insgcsammt gelhan haden. H Wovnrch mag er es ge.iahr worden scvn? Vielleicht durch den Genius semes Vorgängers Bruno, der ihn >n der Nacht davon in Kenutniß gesetzt h t? 'Xnnu 11L1 Iiutlet, XV. X. XiUentl, Xuvemder NeUlest» — 121 — bestätiget durch eine etwas spätere Urkunde des Erzbischofs Bruno*). Ganz wahr, aber dabei geschieht mit kemer Splbe Erwähnung des bl. Rockes. Würde der Eizbischof Bruno eS wohl unterlassen haben zu sagen, daß er den hl. Rock zugleich in den Altar gelegt habe? Die Prof. gestehen ja, daß sie nicht mehr und nicht weniger wissen: woher wissen sie denn das, was Bruno, der Erzbischof nicht weiß? Man wiid einwenden, der Altar ist neu errichtet, den 23. October 1121 feierlich eingeweiht worden, es ist anch notorisch, Laß der Rock sich in dem St. Nicolaus-Altar befindet; er kann also nicht früher und nicht später darin gekommen sepn, und so ist es also gewiß, notorisch gewiß, daß der hl. Rock sich erst 1121 in der Domkirche befindet. — Wie leicht man sich täuscht oder getäuscht wird, wenn man keine hinreichenden Kenntnisse von den alten katholischen Gebräuchen und kirchlichen Einrichtungen hat! Man muß hier die Gruft des Altars sO^pta Ut-wiz) von dem obern Altar oder Altartische unterscheiden. Die Kiste, worin der hl. Rock enthalten war, lag, wie Brower mit deutlichen Worten sagt, in der Gruft unter dem Altare, die bei der Erweiterung der Domkirche und bei der Aufstellung des neuen St. Nicolaus-Altars, unberührt belassen wurde. Und daß der hl. Rock sich dort, in der Gruft, befinde, war notorisch, auch vor dem I. e«t Iiujus clomus nvv.i quae e«t .icl nceiclentem cum 3. Nievlni Onnk. in e:i sito, :i ZZinnnne) veneilidili IVeviroium ^rekiiepiscnpn, pnntilic.il us sni nnnn viSe-umn, in knnvre sanetne et incliviciune 'I'i initatis s.inctiqne Nico- !ai ILpisc. et Onnl., en^iis reliquikie in en enntinentur. (^üntiiec Ooclex. lliplnnnit I. 193. In acl^ta m.iximi templi, spatin inter ntrannjue tnriim me- äin^ in ara v. Nicolan saer». II) 91. — 122 — lt2l, weßwegen bei der Eonsccration des neuen Altars St. Nicolai von dem hl. Nock gar keine Rede ist. V. Artikel. Die zwanzig andern h. »ngcnähtcn Röcke des Herr». Zwanzig Röcke des Herrn — der nicht hatte, wo Er Sein Haupt hinlegte! Matth. VIll. 2t). — Welch ein auffallender Contrast, der allein fähig ist, die Trierische Geschichte des h. Rockes bei dem großen Publikum lächerlich zu machen und in die Fabelwelt zu verweisen! Und gerade dahin geht ja das Bestreben der Bonner Professoren, die durch den immensen Vorralh ihrer Wissenschaft uns — dumme Katholiken am Rhein und an der Mosel aufklären wollen, obschon, wie Anfangs gesagt worden, wir lange vorher schon wußten, daß es mehrere Röcke des Herrn gebe, deren eine gute Portion I)o. Günd- ling vor hundert Jahren ausgestellt hat. Wir wissen auch, daß unser armer Erlöser Jesus Christus in Seinem sterblichen üeben keinen Koffer mit Kleidern aufScinen Rn'sen für sich oder Seine Apostel nachgeführt hat, und doch verwerfen wir darum nicht die zwanzig andern Röcke des Herrn, ja wenn wir den protestantischen Herren zu Bonn eine gute Prise damit machen können, so wollen wir ihnen noch zwanzig andere Röcke des Herrn zusetzen, die aber, weil sie Röcke des Herrn, oder ein Theil des ungenähten Rockes genannt werden, dem Trierischen Rocke dennoch keinen Abbruch thun. Das klingt vielleicht wunderlich in ihren Obren, und wenn schon die ersten zwanzig Röcke des Herrn, welche das Bonner Magazin lieferte, Aufsehen erregten, wie wird dann nicht die Dop- pelzabl die Welt in Erstaunen setzen? Wer hätte so etwas erwartet? — 123 — Mit den Röcken verhält es sich so, wie mit den Nägeln des Herrn. Wir Katholiken haben beinahe in allen Königreichen einen Nagel des Herrn. Calvin, der tiefe Forscher, zählte deren vierzehn bis fünfzehn, wußte auch ganz genau die Orte und Kirchen anzugeben, wo dieselben von den Katholiken verehrt wurden, obschon einige der genannten Orte weder auf einer Landcharte, noch in einem geographischen Lericon zu finden waren. Wie viele Nagel des Herrn waren es denn? Ein alter armenischer Gcschichlschreiber aus dem IV. Jahrh., Moses von Chorene,^) berichtet, die Kaiserin Helena habe fünfNägcl bei dem Kreuze gefunden. Da diese Stelle des Moses zugleich ein Zeugniß für die Krcuzerfindnng durch Helena enthält und dadurch unsere Behauptung im ersten Artikel durch einen fast gleichzeitigen Zeugen bestätiget wird, so wollen wir diese Stelle ans dem armenischen Urtexte hier nachtragen. „Nachdem der h. Constantin mit Schapuh Frieden geschlossen, schickte er seine Mutter Helena nach Jerusalem, um das vcrchrungswürdige Kreuz zu suchen, ") Der Italiener ,I>i»Nis irn!Nl»>i»u5 hat in seiner Abhandlung: llrclnrnm, lUomae I7tö. IN. fünf und zwanzig aufgezahlt, auch die Orte bezeichnet, wo sie verehrt werden. Moses war geboren in dem Dorfe Chore ne gegen das Jahr 370. Bon ihm schreibt ^arl Fried. Neumann in dem „Versuch einer Geschjchle der armenischen Literatur nach den Werken der Mechitaristen." Leipzig. 1836. S. 45. — „Moses ist wohl der berühmteste unter den Schülern der Ooctoren Isaak und Mesrop. der ver. dicnter Weise von seinen Landsleuten nicht nur mit dem Titel des Dichters oder Gelehrten, sondern auch mit dem des Vaters der Literatur beehrt wurde. Er hielt sich während eines Zeitraumes von acht Jahren in Mesopotamien, Alexandrien, Rom, Athen und Äonstantinopel auf. Von ihm haben wir eine ariiienische Geschichte, welche er auf Verlangen des Fürsten Isaak geschrieben hat, und — 124 — welches, das heilbringende Holz, sie auch fand mit fünf Nägeln." Hierunter war vielleicht ein oder Verändere Nagel, der gedient hat zur Anheftung des Kreuztitels oder des Fußgestcllo. Andere h. Näicr nehmen bald drei, bald vier Nägel an. Woher nun die vielen andern? Diese hat man nachgemacht. Der wahre Nagel, der zu Rom in der Kirche des h. Kreuzes ist, wurde zuweilen abgefeilt; er hat deshalb keine Spitze mehr. Diesen Fcil- staub schloß man in andere, dem wahren nachgemachte Nägel ein, und so vervielfältigte man die Nägel des Herrn. Die in der von Constanrin vor Eonstantinopel errichteten Marmorsäule eingeschlossenen Nägel, wovon bei Zouaras und in dem Leben des h. Andreas Salus Rede ist,*) waren wahrscheinlich solche nachgemachte, so auch die in den Klöstern vorkommenden Nägel.**) Auch berührte man mit dem wahren Nagel die andern nachgemachten, und theilte diese als fromme Erinnerungszeichen unter die Gläubigen ans. Dies that besonders der b. Carolus Borromäns, Erzbischof von Mailand. Dergleichen mit Feilstaub des wahren Nagels vermischte oder an den wahren Nagel angerührte Nagel trugen auch den Namen Nagel des Herrn und zeigten nicht selten eine besondere Kraft.***) — Wenn die Gläubigen die wahren so wohl, wie die nachgemachten verehren, so geht diese Verehrung, die in drei Büchern besteht, welche im Jahr 1827 von den Mechitaristen zu Venedig herausgegeben worden." *) Al)na>-as ?alt. Iii. ^.nnal. — äV. Nieesilior. in Vita 8. Kali Vl. Mass! RoIIanclian. pa»-. 90. um Ende. Vgl. Hlaliillvn .^.eta Kanetur. im ^eben des l). Abtes Ler- eli-tiius ('roin. II. paA. 810. eclit. Venet.) und des h. Angl lbertus. ('I'nm. V. p.iA. 108.) ***) Vgl. Oietsei) cle Ouee. I. C. 20. p. 30. — Honorat. a 8. «VllN'ia >Vnima(lvei'8. 1_.ilir. V. viss. 5. «irt. 5. — La- ronius acl imn. 320. 52. — I2Z — wie schon Ambrosius in der Trauerrede auf Thwdosius bemerkte, nicht auf die Form oder auf den Stoff der Nägel, soudern einzig auf den Gottmcnschen, der für uns durch die Nagel gelitten hat.") So schwur Papst Vigilius vor einer großen Versammlung der Bischöse durch die Kraft der Nagel, womit unser Herr Jesus Christus gekreuziget worden."") Wird die protestantische Kritik,""*) wenn sie nicht allen Glauben an den gekreuzigten Gottmenschen ablegen will, hierin etwas Tadelbafles, Verwerfliches oder gar Abergläubisches finden? Wird sie die Aechtheit der wahren Nägel deswegen in Zweifel ziehen, weil die Nebe und Pietät der Gläubigen zu dem Gekreuzigten andere nachgemacht hat, um das Andenken des Leidens nusers Herrn sich zu vergegenwärtigen? Ist nun der h. uugenähte Rock des Herrn auch auf gleiche Weife vielleicht vervielfältiget worden? Calvin, wie »n >l. Artikel gesagt worden, macht uns ja den Vorwurf, wir hätten den Nock des Herrn zerschnitten. Man liest auch wirklich in mehrern Urkunden, daß eine nur« tuuieüö inoonsulitis, ein S tu ck d es ung e na h t en R o ckes, sich unter den Reliquien befinde. Tie Bonner Professoren haben diese Stücke fleißig gesammelt, worunter doch noch kein Stück ans den Franziskaner - Klöstern vo> kommt, wovon Günbling genaue Kcnniniß hatte, wie wir im Vgl. die Rede des I>etr. veneradil. lio" vg> 1449. LuM vestes «t stmiti» guaiigu« k-euetui um »u» gregiier se, seit prvpter Hsnetveum istorum Iiviwrem veiiersdites. klsiitui«. ItoNeel. (.'»iieil. tll. ltZ4. Ole putheianer machten den Tramuig Luthers — 8>m- d»l>,i» cxstitülis I »v!>!leli!>tis — nach und lheilten die nachgemachten Ringe unter die Verehrer aus. — 126 — kl. Artikel gehört haben. Die Zahl könnte also leicht vermehrt werden, wenn man die Franziskaner-Ordensgc- schichte durchgeben wollte, die, weil die Väter dieses Ordenö die h. Grabskirche in Jerusalem besitzen, gewiß reich an dergleichen Reliquien seyn wird. Pater Wadding*) berichtet auch aus Crarepolius von einem Kölner Franziskaner Pater Conradus, er sey ein ganz besonders fleißiger Reliquien-Sammler gewesen. Kein Wunder also, daß auch in Köln, wo so viele Reliquien cke loci« sancüs oder kslacstiuse bei Gclenius und Windhcim vorkommen, ein Stück oder der Saum dcs ungenähten Rockes sich vorfinde. Woher aber alle diese Stücke des h. Rockes? Woher die vielen ganzen Röcke deS Herrn? Der h. Gregor von Tours berichtet, die Gläubigen und Pilger hatten zu Jerusalem gewebtes Zeug verfertiget, dasselbe auf die noch mit dem Blute Jesu bespritzte Säule, woran der Herr gegeißelt worden, gelegt oder daran angerührt,**) in der festen Ueberzengnng, die Kraft des h. Blutes checke sich, wie der h. Paulinus sagt,*"*) dem Angerührten mit. Ohne Zweifel suchte die Pietät der Gläubigen, da das Gewebte und Angerührte doch etwas ans die Leidensgeschichte Bezügliches vorstellen sollte, die Kleidungsstücke des Herrn nachzuahmen, als: Windeln, Gürtel, Schwcißtücher, Saum des Kleides :c. Die in ihre Heimath zurückkehrenden Pilger sammelten dergleichen *) .^nn»>, vräin, minor. »6 ^nn. 1334. IV. 3. , coliimnüw, sä qusm verbergt»» est vominus et Iteiiemtor Hierosolz'mis, niulti LNe pleui occectente«, corriß)»» textile» fsciunt esmque circumäsnt, >z»ss I ursum uro bvneNictione reci» piunt, liiversi« intirmitotibus prokulurss. r.ibr. l. 6e tüori» m»rt;r. Oop. 7. Püx. 7Z0 eäit. Kuinkit. ve illius esrnis «-»nAuuie bidisse, r. XXII. che divilsl. vei Oy. H. X. 6. ?vi». VII. ") Oe qun sisrv»!»«? larlulae lvrivsnlur, »e per lli versas inunUi psrles Iruniii»iIIu»lii>. "'») 3'om. III. k'ebru»r. 103. -s) Vgl. Michaud, Geschichte der Kreuzzüge, übersetzt von 0>. Ungewilter — S. auch Vil-r L. Iticlurrlli ^bb»l. Vir- «lunens. 'I'vin. II. 3ui>ü u>>^. twl. — 123 — So brachte der Eine etwas von der Dornenkrone, der Andere vom Schwamm, der dritte vom Saum des Kleides oder eine Partikel des unoeuähten Nockes ?c. mit. Die von den Tempelherren an verschiedenen Orten bcwabrte tu nies iueonsutilis oder lintoi gepnlebrsles, Grabtücher, waren nachgemachte und an heiliger Stätte angerührte Reliquien. Die Gläubigen nahmen zu allen Zeiten solche nachgemachte Denkmäler als wahre Eremplarc an, weil sie durch die Anrührung gcheiliget, den Herrn selbst reprä- sentirtcn. Die ganze Verehrung, die der Katholik^) diesen Nachbilden beweiset, gehen ans das Urbild, auf den Gort- meuschen Jesus zurück. In dieser Hinsicht nannte man diese angeführten und nachgemachten Sachen beneäietiaires, ki-aucles, Sauetusiia, Heiligthümer, die in schönen Gefäßen aufbewahrt, zu gewissen Zeiten zur Verehrung ausgestellt wurden. Die Gläubigen küßten sie, berührten damit, wie der h, Hieronymus bezeuget, ihre Augen oder kraule Glieder.Bei Altar- oder Kirchweihen wurden ^lii sacri exercitus prnceres tunc »ri »ns etiain »lilzuiU <>e praepuii» Ouinini, e spnniri», cie Irin- kriis vestiinentoruni efus tulerunt, qua«? nureis et ar^en» teis Iiierulkecis conciusa sinAut» Iiabentur in Laerariis. .?. 3. llliilktet >ie t-inteis sepniclrrat. PNA. KV. — Sieh auch die Note 2(1. der Schrift der Herren G. und v. S. mi Anhange. Gi etser erklärt dieses auf gleiche Weise: Uiyusmoäi sacra pixnvra et tipsana, ex imitntione »»etil et ex protz^po saepius expressa, occasinnein äecierunt posterisz cum nonnisi ima- Kiuein ex primo suUnrio x'el «inclone eMZiatani Iraderent; qui errnr omni culpa caret, cum et in primis Ulis, et in Iris, quss uck imitationem illorum aäumkrata sunt, lie» äemptor noster lronvretur. l,ibr. I. A. 193. Wir mußten es aber hier kurz berühren, um gewissen Herren die Augen zu öffnen. Will man aber nicht glauben, daß diese nachgemachten Heiligthümer dnrch die Anrührung des Urbildes eine wunderbare Kraft erhalten haben, sso antworten wir mit dem h. Hieronymus: „Will man uns nicht glauben, so glaube man wenigstens dcm^Tcufel und seinen Geistern, die, so oft sie durch dergleichen Heiligthümer aus den Besessenen ausgetrieben werden, zittern, heulen, als ständen sie vor dem Angesicht des Richters Jesu, und zu spät bedauern, den gekreuziget zu haben, den sie fürchten sollen.*) Jetzt löset sich von selbst die Frage: woher so viele Theile des ungcnähten Rockes, ohne daß er zerschnitten worden? Der Trierer Rock behalt sein ganzes Ansehen, indem keine Schneiders Hand ihn zerstückelt hat, wie Calvin behauptete. Die Theile, die aus den Reliquien- Verzeichnissen angeführt werden, gehen selten über die Zeit -7- Rpist, eit> 8 — I?o — der Kreuzzügc, und kommt in altern Urkunden etwas davon vor, >o heißt es nicht: Do psrto tunieao inoon- «utilis, von einem Stücke des ungenähten Nockes, fondern lle vosto oder vosiimvnto k4omi»i, vom Kleide des Herrn, oder clo Ilmbriis vostimonti, vom Saume deS Kleides. Nie wird aber auch gesagt, wie groß die oder der Theil des ungenahten Rockes sey, der in einer Kirche aufbewahrt ist. Es ist nichts Seltenes, daß )edes kleine Stückchen pars genannt wird, weil das «lniiuuitieuin >,getioula, psroo11s, um die hohe Ehrfurcht gegen daö Heiligihum nicht zu verletzen, bei Reliquien von den Alten weniger gebraucht wurde. Wir wollen naber nicht gänzlich in Abrede stellen, daß von dem Original-Rocke des Herrn ganz kleine Partikeln an andere Kirchen vielleicht versendet worden.*) Die Alten pflegten das in der Mitte der Kirche vor dem Hauptaliar ausgestellte Erucifir ganz vom Halse biS zu den Füßen zu bekunden, und dieS Kleid nannte man auch luinoa, vcn-liz tickaris Domiai, den Rock des Herr». Diese Röcke wurden aufbewahrt in dem tz-winrium oder auch in der Sacristei. Die gelehrten Benedictincr Ma- billon und Ruinart haben mehrere dieser Röcke, oder dieser mit einem Rocke bekleideten Eruciflre auf ihren Resten durch Frankreich und Italien angetroffen, womit also daö Bonner Magazin reichlich vermehrt werden könnte. Ma- dlllon spricht davon in seinem ilo,- it-ilio. lN eist, .Vll i-iawlos (losmsin ot D-uninnum votus tchuoilixi kigur» tslai'i vosto iullul» vZl; quoll lle quibu^llsi» slii« ob. 8orvsviniui>. Iii dem V. Band der Vota Lsootorum Orll. d. tkeuellieli. Lsooul. IV. I'ai't. I. i>l. 47. erwähnt 4 Dies wird sogar eingestanden von den Vertheidigern deS h. lltoctcö zn Ärgenteeul. — ? 3I — er ein anderes, welches er zu Rheims gesehen bat. Ties scheint das nämliche zu seyn, wovon Ruinarr in den Anmerkungen zu Gregor von Tours redet.*) Auch in Paris war cm solches nach dem Berichte des französischen Verfassers des Werkes: Vy^sgosTituigigusz cko b'iuueo. WO., so auch in dem Sr. DionysiuSkloster und an andern Orten Frankreichs. Man sehe ck. W T-tguot Anmerkungen zu des Nolsnirs Ickistoris 8g. Imaginum psg. 42). wo noch mehrere dergleichen mit einem veste wgsta, langen Rocke bekleidete lörucifire angeführt werden. Diese Röcke wurden in der Volkssprache Rocke des Herrn genannt, wie die Kleider, womit die Mariabilder früher in einigen Kirchen bekleidet erschienen, oder die Schleier der Klosterfrauen, unter dem Namen Muttergottes Kleider, St. Maria Kleider vorkommen. Wer wird aber diese Röcke des Herrn, oder diese Partikeln des Herrnrockes mit dem Trierer Rocke, wofür eine so alte Tradition spricht, in Vergleich setzen? Das scheinen jedoch die Prof. zu Bonn mit dem stolzen Aus- hängeschilde: „und die zwanzig andern Röcke" zu bezwecken. Mrbr als die Hälfte von diesen 20 sind dock, nach ihrer eigenen Angabe nur Partikeln des ungenähien Rockes, vielleicht nur einige Fäden desselben. Wollen sie nun diese Partikeln, die in verschiedenen Gegenden und Kirche» angeblich vorhanden sind, zu einem vollständig ganzen Rock zusammenschneidern, um einen eben so lange» und weiten Rock, wie der Trierer ist, ausstellen zu skönnen, auch als einen ungenähten? Ob alle diese Partikeln vom nämlichen Stoffe, von der nämlichen Farbe, ans *) Oerie we non seine! viäisse memini Oueilixiim Dominum, veste telori initutuui, Nemos in Occiesi!, enliexislo Zenctse se», »t vueo»), 8. vtntrieis, 74». 8" — 132 — der nämlichen Spinnerei und Weberei seyn mögen? Das liegt den Professoren ob, aus archäologischen Gründen zu beweisen. Dabei wollen sie uns auch genau Zeit und Ort bestimmen, wann und wo diese Partikeln von dem ächte» ungenähten Rocke abgeschnitten worden, und mit welcher Scheere. Man darf uns diese etwas curios lautenden Forderungen nicht verargen, denn die Bonner Herren babeu sie uns in ihrer Prüfung des Trierer Rockes gelehrt. Auch schreiben sie S. St. §. 10. „Dem Trierer h. ungenähten Rocke ist sein Recht geworden, es ist billig, daß eö den übrigen h. ungenähten Röcken nicht versagt werde." Wir glauben also, diesem Billigkeitsgesetze folgen zu müssen, doch scheint uns das nicht Recht zu seyn, wenn mau einem Theiichen das zueignet, was^) dem Ganzen zukommt. Darf man wohl ein Stück von dem Saume eines Kleides als ein vollständiges Kleid ausgeben oder darstellen? Mit welchem Rechte stellen dann die Prof. jede kleinste Partikel, deren zwölf bis dreizehn in der Schrift vorkommen, als einen ganzen ungenähten Nock vor? Soll man dies Verfahren nicht einer Unredlichkeit, einer Tauschung des Publikums beschuldigen dürfen? Sie versprechen dem Publikum zwanzig andere Röcke — nämlich wie der Trierer Rock ist, und geben nur einige Fäden! Im Anhange werden zwar die Originaltexte aus lateinischen Werken geliefert, aber nicht alle Leser verstehen diese Sprache, und doch liest jeder auf dem Titelblatte Die Regel der Poesie: pars pro low, findet hier keine Anwendung. Zn der Kirchenspruche bei Reliquien wird zwar zuweilen ein Theil des Körpers der Körper, Corpus 8. iviart^ris genannt, wie Baronius »a .^nn. ss, iv. tö, bemerkt, aber in einer w i sse n schas l i i ch en Untersuchung über die Aechtheit einer bcsondern Reliquie hört diese poetische und kirchliche Freiheit auf. — 133 — und im Laufe der Schrift selbst: Und die zwanzig andern ungenähten Röcke. Das nun am Ende die lateinischen Texte nachgetragen werden, kann man nicht anders als eine schlaue Listigkeit ansehen, um die im Texte eingeschmuggelte Verbreitung zu bedecken. Ter gutmüthige Leser ist schon eingenommen und so betrogen, ehe er den Anhang eingesehen und verglichen hat, wenn er ihn vergleichen kann. Ja selbst unter den vielen aufgestellten Partikeln sind einige, die genannt werden cls vosUmonto oder Vtüitlmentis lUri-isti, im allgemeinen, also nicht von dem ungenahten Rocke. Von den andern Kleidern d>6 Herrn können allerdings mehrere Theile vorrärbig seyn, weil diese von den Henkersknechten beim Kreuze getheilt worden sind, der ungenäbte Nock blieb aber nngetheilt. Wir finden es auch sonderbar, daß hier ein besonderes Gewicht auf den Ausdruck in der Mekrzahl: llo vostimontis, von den Kleidern, gelegt wird, da der nämliche Ausdruck im Evangelium in der einfachen Zahl gelten soll. Nach Abzug der dreizehn Partikeln*) bleiben noch sieben ganze Röcke, die von den Prof. ausgestellt werden. Der erste und älteste davon ist der, welcher von dein h. Bischof zu Gregor Tours (gest. 595.) in dem oft bezogenen Buche Oo Olcwis UarHa-uirr erwähnt wird. Er *) Diesen t3. wollen wir noch einige hinzusetzen: Bei ltanisius lom. III. IV II. Älonnment. eclit. lin^na^ii s>!>A. LH. unter den Reliquien des Klosters Windberg: de Innica iiicensuliti Ilomini. Bei de wulleeviA llelig. Itlrs. im VI. Bande pnx. 60. in einer Urkunde des Kaisers Friedrich v.J. 1463: de Umica Ltirisii: noch viel mehrere könnten wir anführen unter dem allgemeinen Titel: von den Kleidern lies Herrn, worunter, wie die Professoren sagen, auch der angenähte Rock verstanden werden könne. In der Urkunde des h. Adalhard ist beinahe in jedem Gefäße eine Partikel vom Kleide des Herrn. — 134 — ist also, wie die Prof. schreiben, „um mehr als ein balbes Jahrtausend dem Trierer Rock überlegen," versteht sich, wenn der chronologische Calcul der Prof. fest stcbt. Wie berichtet min Gregor diese Sache? Und wie erzählen sie die Prof. ibren Lesern? Gregor trägt die Sache vor als ein ihm zugekommenes Gerücht oder als eine Sage; die Prof. geben sie als eine von Gregor mitgetheilte historische Thatsache. Wörtlicke Uebersetzung Die Mittheilung der Gregors. Professoren. Ich kann nicht verschwei- In einer Stadt Galatiens, gen, was ich von Einigen bundert fünfzig Meile» von über den Rock des nnbefleck- Eonstantinopel, befand der ren Lammes gebort habe. Sie Rock sich zur Gregors Zeit, sagen, er werde aufbewahrt am Ende deS sechsten Iahr- in einer Stadt Galathäens, biinderts. in einer verborgein der Kirche, welche zu den nen Grnft der Kirche zu den b. Erzengeln genannt wird b. Erzengeln in hölzerner sdenn diese Stadt ist von Eon- Kiste verschlossen, und genoß stantinopelungefährlöOMei- die ihm gebührende Vereh- len), in welcher Kirche eine rung. ganz verborgene Gruft ist, und in dieser liegt in einer hölzernen Kiste verschlossen das Kleid; von Frommen und Glaubigen wird diese Kiste mit Recht sebr verehrt, als welche das Kleid enthält, welches des Herrn Leib berühret und bedeckt hat. In der Darlegung der Prof. nimmt der Bericht des Gregor eine ganz andere Gestalt an. Wollte man nun oiese Darlegung mit dem Berichte Gregors nach den Regeln prüfen, welche die Prof. bei der Prüfung des Trierer Rockes angewendet haben, so würde gar bald — I3S — die ganze Geschichte in eine Fabel übergehen, oder in eine ganz leere Sage. Indessen ist den Prof. diesilbe zu ihrem Zwecke dienlich und deswegen wird sie festgebalten und angerübmt. „Sie ist so einfach, legt so wenig eine Absicht zu Tage und hält sich so fern von allem Wunderbaren , daß aus ihr selbst schwerlich ein Zweifel hergeleitet werden kann und angenommen werden muß, daß dem Greger in der That eine solche Nachricht zu Ohren kam, obfcho» auf Nachweisung seiner Quelle Verzicht zu leisten ist." Aus dem Terle des Gregor erhellt klar, daß er diese Nachricht als eine Sage ausgenommen bat und seinen Lesern mitthellen wollte: warum wollen dann aber die Pros, sie als eine historiswe Nachricht darstellen? Ohne alle Beweise ändern sie Galatbaen in Galatten, weil ein Land Galalhaen nickt b kannt ist, die Prorinz Galaticn dagegen zu dem Nattia ckar Eonstantinopel geHort, wodurch die Nachricht eiinge Wahrscheinlichkeit gewinnen soll. Es scheint aber, daß hier bei Gregor gelesen werden müsse: in der Stadt Galathäas. weil er gleich hinzusetzt: „Diese Stadt ist von Eonstantinopel hundert fünfzig Meilen," wodurch offenbar auf eine früher bestimmte aber unbekannte Stadt hingedeutet wird. Wie nun diese Stadt ans der Luft gegriffen ist, so auch der dort aufbewahrte Rock Zuletzt nachdem die Notiz aus Gregor als ein wichtiges Gegenstück zu dem h. Rock zu Trier aufgeführt ist, wagen die Professoren eine Vermuthnng, die ihrer Abneigung gegen die Reliquien Luft machen soll. Ein mor- genländischcr Bischof*) Snnvn, dem Gregor in seiner O Die Prof. beobachteten nicht, daß Gregor schon lanae voraus, ehe der Bischof Simon nach Frankreich kam. sein Buch von der Glorie der Märtyrer herausgegeben — 136 — fränkischen Geschichte ein rühmliches Zcugniß giebt, oder ein syrischer Handelsmann, den die Prvf. einen Reliquienhändler nennen, sollen dem h. Gregor die Nachricht vom Rocke des Herrn aufgetischt haben, um Geld zu gewinnen. Also doch selbst nach dem Gcständniß der Prof. eine leere Sage: warum machen sie dann Lärm damit? Warum speisen sie in dieser katholischen Angelegenheit ihre Leser mit einfältigen Windblasen? Soll dies ein Puff für die Katholiken seyn? Soll eine Ver- muthung hier aufgestellt werden, so können wir eine andere vorbringen, die vielleicht die Angabe Gregors über den Rock in einer Stadt Galathäcns, wie auch die Berichte des Fredegar und der folgenden Chronisten über den in Z plad entdeckten Rock einigermaßen aufzuhellen fähig seyn könnte. Am Ende des V. Jahrhunderts ist nach dem Zeugniß der griechischen Menologien und einer von Combests^) herausgegebenen geschichtlichen Erzählung das Kleid der h. Gottes - Mutter Maria aufgefunden, dann nach Constantinopel überbracht worden. Dasselbe wurde später von dem Patriarchen zu Constantinopel unter Begleitung mehrerer Provinzialbifchöfe und einer großen Anzahl Geistlicher in die Hauptkirche in Llaoliornis übertragen. Das Fest dieser Uebcrtrngung wird von den Griechen auf den II. Juli gefeiert. Wie leicht konnte das Kleid Maria mit dem Kleide Jesu von unerfahrenen hatte; er bezieht sich sogar in demselben Kapitel, wo er sie Ankunft Simons meldet, auf fein früheres Buch Ue Alarm Alarl^raai. I« Xuotari« liNNlatli. Natrnm Llraeear. ?»m. II. 72l. Vgl. Xieeflliar. Illstor. eccles. Inbr. XIV. 49. — ltaclin. Lara»»!. Ne ltt'Iie. IS. Mit den Note» des Greiser und Grar st!tA. >144. edit. lioimeiis. — 4'tle»i>»». caiitiinmt. s>. 407. — 4>a tbariA« LonsNuNinanul. elirist. lidr. IV. p, S. — 137 — Reisenden oder Pilgern verwechselt werden! Wie leicht Galiläen in Galathäen umgeändert werden! Das Kleid Maria soll aufgefunden worden scyn in einem Orte nicht weit von Nazareth, und hier haben wir ein Saffa, welches große Aehnlichkeit mit Zaphad oder Saphad hat. Dies Saffa liegt nach der Beschreibung des Adri- chomius drei Stunden von Nazareth. Mehrere Gelehrten sind der Meinung, die Tuwca, wovon Gregor redet, sep die nämliche, die anch Frcdegar und die andern Chronisten erwähnen. Ruinart äußert diese Meinung in de» Anmerkungen zu Gregors von Tours Buch clo (lloria Nai't)'!'. Lgp. ß. und sagt, diese Tunica sey zur Zeit Carls d. G. nach Frankreich und dann nach Argentcuil gekommen. So wären also diese drei Rocke nur einer. Dadurch verminderte sich wieder die Zahl der Röcke. Uebrigcns steht bei der Nachricht des zu Zaphad aufgefundenen Rockes nichts fest, weder die Zeit noch der Ort, noch die genannten Personen, obschon alle Chronisten die Nachricht selbst dem Frcdegar nach erzähle». Einige setzen die Auffindung auf das I. ZW, Andere aus 594 oder 595. In den gewöhnlichen Ausgaben des Marianus Scotus wird sie ganz kurz auf das I. 613 angegeben. Die ganze Stelle fehlt aber in der neuesten Ausgabe des Marianus, welche in dem VII. Band der Alonuwon- toi', (lorm. bist. Vei't2. enthalten ist. Der Ort wird von Fredegar genannt, so auch in den spätern Chroniken; in einer andern Schrift, die uuten angeführt werden soll, heißt er Nssxstat. Weil aber dieser Ort In dem Jahre, wo die Tunica gefunden worden, war nach Fredegar eine totale Mondfinsterniß. Diese ereignete sich aber im Jahre 5S9. — 133 — nicht ausfindig gemacht werden konnte, wollte man ihn jn Joppe, Jaffa, Safed :c. finden. Noch schlimmer sieht es mit den genannten Bischöfen aus. Hier wird ein Thomas als Patriarch von Jerusalem aufgeführt, da doch in der ganzen Zeit keiner dieses Namens zu Jerusalem gewesen ist. Papebroch in seinem Lona>u8 clv Lgi8vop. Llierosolymit. streicht die zwei Buchstaben Tb. aus, und liest dann r4mos oder Omas, aber damit ist Leguie» nicht zufrieden, indem Vmos erst Patriarch zu Jerusalem geworden, als die andern benannten Patriarchen von Antiochien und Eonstantinopel schon todt waren. Eine andere Variante giebt Vratris Vkliei8?skri Lragalorium in terrae sanetse, krallige etVeg^pti peregrinstionem. eäit. klassier Volum, secunüum. Ltuttgarüiae 1843. wo p. 24l. steht: Lost snnorom multorum eurrieu>g 8sncto (3re- zzorio^) seüem Letri tenento anno Domini DLXXXXIV. invonta kuit in IVlas ^Irat prope lerusalem tunica Domini inconsulilis in gros marmorea, guseeum jejuniis etlletibus 8. IÜpi«eoz>U8 <3reA0r!u8 ^ntioelrenus, Dono« ins lorosol^- rnitanus, 4osnne8 Lon8tantinopolitgnu8 transtulerunt in Jerusalem acl Irloelesiam <3olggtsngm cum multo vulgi gsu- üio et clevotione. Hier haben wir also statt Thomas einen Honorius, der aber in der Reihe der Patriarchen gar nicht genannt wird. Die alte Straeburgische Ekrouik von IV itsolie tllo8sner, auch herausgegeben zu Stuttgart 4842 von dem literarischen Verein, hat bei der Nachricht keine Namen der Bischöfe, setzt aber die Auffindung in die Negierung des Kaisers Mauritius, die mit 602 anfangt: Uaurieius riolrsele XX. jor. Li cles viten vvart unsers krerren ro^, cler rlo unger^et >vas, lüuclen r.u Leplrat, Gregor I. regierte vom Jahre SSV bis 604. — 139 — nolre Iii ckbeeuealem, uu vart Zen äberus-tlern AK» tuoi et. Es ist bekannt, daß Frcdegar, der Anführer der andern Chronisten, Ercerpte aus Gregor von Tours gemacht hat. Bei Sirrin. Du (Rosrre in dem Volleotsireuin Ui^tonieoi-. Voaneiae 'Dum. l. hat das vierte Buch der Distorise miseellsn. des Fredegar PSA. diese Aufschrift: Hxeorpta Lbicwies ex Dregcrrio Nunonensi. Hieraus ließ sich einigermaßen schließen, Fredegar habe die Nachricht von dem b. Rocke aus Gregor gelchopft und sie nur etwas näber ausgemalt. Ob er dabei Erzählungen der Pilger benutzt habe, läßt sich aus der Geschichte selbst nicht entnehmen. Orientalische Quellen Haler keineswegs benutzt, weil kein orientalischer Schriftsteller von dem zu Zaphad gefundenen Rocke erwähnt. Frcdegar war überhaupt in der orientalischen Geschichte des VI. und VII. Jahrhunderts sehr fremd und bringt deshalb, wie Pagi schon angemerkt hat,^) manche Fabel vor, besonders im Kirchengeschichtlichen. So führt er auch auf das I. 693 die Bekehrung des Perserkvnigö an. Als im X. und Xl. Jahrh. die Benedictincr-Congregationen die Ihrigen aufmunterten, Klosterchroniken zu schreiben, erwachte zugleich die Lust, zu allgemeinen Weltchroniken. Man suchte alles Material zusammen, um diese Chroniken von Anfang der Welt oder von Christi Geburt bis auf die laufende Zeit anzufertigen. Wer kann zweifeln, daß unter diesem Material auch Gregors von Tours und Nur im Jahre 584 waren die Patriarchen von Antiocdlen und Jerusalem zu Constantinvpel. Vg!. Löseln! > IZolUrnil. PSA. SS. »Nie. lirnv»!! alt »nu. 533. N. III. te^eUer-irr!»» nnrU» liilriitvsivrrr, mnnrr qnrre Lrrrnnins ex Iristorirr iridj» eettne Ue eviiversinue Ue». tNersrrruur retert, »Udueit. — 140 — Fredegars geschichtliche Werke waren? Die ersten Wclt- chroniken, die wir haben, sind von französischen und deutschen Benedictinern angefertiget, die dann auch wörtlich aus Fi edegar die Nachricht von dem zu Zaphad aufgefundenen Rocke entnehmen. Die Prof. gestehen selbst, daß Frcdegar die einzige Quelle scy, und wie glaubwürdig Fredegar hierin ist, haben wir ja eben gebort. Mau begreift daher nicht, wie die Prof. mit Ernst schreiben konnten S. A4. „Beide Röcke treten der Hypothese von der Trierischcn Helena hemmend in den Weg." Man wird doch nicht glauben, daß dergleichen Erdichtungen einer wahren Geschichte in den Weg treten oder derselben sogar den Weg abschneiden können. — Eine andere Reliquie kann hier allerdings zu Grunde liegen, wie oben angedeutet worden, aber nicht, wie die Prof. S. 55. in ihrer Befangenheit ironisch vermuthen, eine Thräne Christi oder die beliebte Milch der h. Jungfrau oder gar ein Stück von Noahs Bart.*) Wir können hier die Herren nicht anders als bedauern, daß sie, da sie sich unterfangen, über katholische Reliquien eine Untersuchung anzustellen und dem Publicum vorzulegen, die erbärmlichste Blöße an Tag legen. Ucber die Thränen Christi hat der gelehrte KritikerHonorat -> 8t. lllsrisin seinen 4nimgclver8 in vegul. et USNIN Olitio. eine Ilbhandlung angefertiget,Welche hinreichende Aufschlüssegicbt und geschichtlich darthut, daß, wenn Rede ist von Thrancn *) S. 55. schreiben sie: „Marx sagt, es sen wahrscheinlich irgend eine andere Reliquie z. B. setzen sie hinzu — eine Thräne Christi, wie deren eine in dem Kloster zu Vendome aufbewahrt wurde? Oder weshalb hält er fest, daß sie gerade von Christus war, und behauptet nicht lieber, es werde wohl ein Stück von Noahs Bart, wie eines zu Corbie war, gewesen seyn, oder etwa die beliebte Milch der h. Zungfrau, die sich aller Orten findet." — I l I - Christi, nicht jene Thräncn verstanden werden, die Jesus in Seinem hiesigen Leben geweint, sondern die aus Cru- cifirbildern wunderbar geflossen sind. Wollen die Prof. „die beliebte Milch der h. Jungfrau, die sich aller Orten findet," prüfen, so möge» sie sich zuerst belehren lassen, was da>unter verstanden wird. Denn Martens) berichtet, daß die Milch der h. Jungfrau, die sich iu Vcrdün befindet, natürliche Kuhmilch scy, welche vom Papst Eugen III. zur Ehren der h. Jungfrau Maria gesegnet worden ist. Dieser Gebrauch gründet sich wahrscheinlich auf den alten liturgischen Ritus des h. Ostcrtages, wo für die Neugetauften Milch und Honig gesegnet wurdet) Die zur Ehre der reinsten Jungfrau Maria gesegnete Milch wurde zum Unterschied der in der Ostermcsse für die Neugctauften genannt Lieber Frauen Milch, oder Milch der h. Jungfrau und unter die vi-inäos vder Loneäictiones, gesegnete Sachen gerechnet.... Aber ein Stück von Noahs Bart!**) Welch alte und sonderbare Reliquie, die man besser den Juden nach altem Schlage überlassen könnte. Obschon man auf solche Ein- zelnhcitcn, die nur hervorgehoben werden, um das Heilige lacherlich und verächtlich zu machen, nicht verpflichtet ist zu antworten, so dürfen wir hier doch nicht ganz schweigen. Die Reliquien, die in der Urkunde aufgeführt werden, soll der h. Abt Adalhard von Carl d. G. also im Anfange des IX. Jahrh. erhalten haben; es werden aber darin Reliquien von später» Heiligen genannt, wie Mabillon auch *) Itiner»r. litersr. Nsrt. Ii. »üA. 93. Vgl. IZflisit. 3v!ln»i» viseuni. 'Noi». I. Slusei Italic. tllüvU- lonü. ». 73. Diese Worte stehen nicht in der von den Prof. citirten Urkunde vom I. 1275, sonder» in einer spätern verdächtigen v. I, 1283 bei iViadiUon Xcl. Ls. IteneUicti. — 142 — schon bemerkt hat. Dann stimmen die Reliquien der zweiten Urkunde mit denen der ersten nicht übercin, und am Ende heißt es sogar, man babe der alten Schrift wegen, die Namen der Reliquien nicht lesen können, wodurch diese Urkunde sich sehr verdächtig macht. Dies wird genügen in einer privat Klostersacke, worauf am wenigsten die Bonner Prof. einen Werth setzen können. Im 12. §. S. Sä. bieten die gelehrten Herren den französischen Schriftstellern wegen des zu Argenteuil verehrten Rockes die Schlacht an. Dies geht die Trierer gar nicht an, denn die Chronisten, die von diesem Kleide Meldung thun, sagen, der Rock sey von Maria verfertiget worden, als Jesus noch Knabe war, und dieses soll auch die beigefundenc Urkunde erklären.*) Er tritt also dem Trierer Rock nicht in den Weg, den Jesus zur Zeit Seines Leidens gelragen und den die Kriegsknechte verlooset haben. Match, von Wcstminster will zwar wissen, der Rock oder die Cappe sey mit Jesus in den Jahren gewachsen,**) aber ans dergleichen „tadlige Zeugnisse" werden unsere Gegner sich nicht einlassen, und wir sind auch keine Freunde von Vermehrung der Wunder ohne Notb. Mit dem uugenähten Rocke im Lateran zu Rom (§. 13. S. 69.) müssen wir es ernstlicher nebmen, weil die Prof. ein besonderes Gewicht darauf setzen. „In der Hauptkirche der Welt, in dem Ogput et uister eoolosisrum omnium, (das ist ächt kirchlich, nicht calvinisch gesprochen) im Lateran befindet sich ein ungcnähtcr Rock, dem wir 8»Iv»toris repert» est tuuicu inconsutilis et sukiuli coloi-is, izuum -xiurins» meter ejus fecil ei, cm» uiUiuc puer esset, p>'»ut lesiertue cum e» Ntvrse inllic!>b»nt, lUuvnio, tVicol. I'rivelti Kit mm. 1150. '1'um. Vitt. tzpicileA. 1>'ilctici>. pium eNit, s>. 411. IN crevit ipsu ccescciae. «N »im. I15V. - IchZ — eigentlich die erste Stelle hätten anweisen sollen, und der früh genug als vorhanden erwähnt wird, um dem Trierer Rock beschwerlich zu fallen." Hier baben wir also gewiß einen eben so langen und weiten, eben so bunten Rock des Heren, wie der Trierer ist, zu erwarten, der vielleicht sogar die strengste archäologische Prüfung aushalten wird. Viel Ehre für Rom, „die Hauptkirche der Welt!" Aber man ist diese Großsprecherei schon ziemlich gewohnt und weiß aus der Erfahrung, was die Herren damit bezwecken; sie wollen ihre faulen Eier gern anbringen. Wir berücksichtigen hier nicht, was I. I. Elüfflet von dem h. Kle>de im Lateran urtheilet, weil er für seine Meinung keine Beweise liefert. Nach ihm soll der Rock*> im Lateran von gröberm Leinen seyn und für Iesuö als Knaben angefernget worden; er wäre also dem Trierer Rock nicht beschwerlich. Die Prof. wigen besser ihre Aufgabe zu lösen und zwar durch „untadlige Zeugnisse." Als ein solckes stellen sie hier vor „die wichtige Anctoritäc des Diakon Johannes, der in der Mitte des zwölften Jalwk. eine Beschreibung des Lateran verfaßt hat. Sein Werk ist noch ungedruckt; die uns interessirende Stelle steht aber bei Onuphrius Panvinius und Rasponi." — Sehr klug, Ihr Herren! um den Lesern die eigentliche Quelle zu verschließen. Sollten die belesenen Herren nicht gewußt haben, daß Dom Mabillon in seinem II. 'b'nm. hinsei Iisliv. II. rLppencl. vor etwa hundert fünfzig Jahren die Schrift des Diakon Johannes in Druck gegeben habe? Die uns interessirende Stelle steht im 3. Kap. und lautet: „Der ungenähte Rock, den die Jungfrau Maria ihrem Sohne unserm Herrn Jesus Christus gemacht hat, welcher wueis LvtiuleiaUb. xax. L8. — Ichch — bei Seinem Tode von den Kriegsknechten verloosct, nicht zerschnitten worden ist. Da der Heiland diesen allhier aufbewahren wird, so wird in derselben nicht lange eine Irrlehre oder Glaubcnöspaltnng bestehen." Man findet sich hier wieder in der Lage, die ganz eigene Krink der Profi zu bewundern, die, da sie die s» alte und bewahrte Tradition der Kirche anfechten und verdächtigen wollen, zu unächten und von katholischen Kritikern langst verwiesenen Documenten ibre Zuflucht nehmen. Nach dem eigenen Zeugniß der Prof. schrieb der Diakon Johannes in der Mitte des zwölften Jahrh., oder wie die Sehnst selbst angicbt, unter dem Papste Anastasius IV. also gegen das I. 11ZZ, das zweite Kapitel erwähnt aber am Schlüsse Sachen ans dem I. 1260 und das eilfte Kapitel sogar eine Eonsecrationsfeier aus dem I. 1297. Es ist also sicher, daß die Schrift Zusätze erhalten bat. Wer trennt uns nun genau die spätern Znsätze von dem Eigenthnme des Verfassers? — Martin von Polen und die Vompi. luUo olirouolog, sind zwar so gefällig, den Inhalt der obigen Stelle mitzutheilen, jedoch die Lompilstio ist ganz kurz in ihrem Bericht, wogegen der Erzbischof von Gncsen, oder der polnische Martin sogar die Fabel aufgenommen und wiederholt hat, die Johannes von Titus und Vespasian im 5. Kap. anfuhrt. Diese Kaiser hätten nämlich die Bundesladc mit dem Manna von Jerusalem nach Rom gebracht. Wenn Hr. Marr solche Quellen für sich angezogen hätte, wie laut würden die Prof. auf das Stillschweigen eines Flavius Jost, eines Hegesippus, eines Eusebius hingewiesen haben? — Jetzt befriedigen die Herren sich mir dem Citat eines Onuph. Panvinius, eines I. E. Rasponi. Man bat aber Grund zu glauben, daß es sich hier mir der Reliquienrafel eben so verhält, wie mit der — 14ö — Ablaßtafel, die dem Rasponi selbst nicht ganz keusch vorkam und die ee nur sder Antiquität wegen anführte, die aber der „unbefangene und gelehrte Jesuit und Bollandist Papebroch" ohne weiteres als Figinent verwarf.*) Daß im XV. Jahrhundert der 4ni>. Sorrsous das Verzeichniß der Reliquien so wie die große Tafel aufgenommen hat, darf keinen wundern, der den Stand der damaligen Kritik kennt. Ucbrigens wird von den Prof. das Buch des Sero-mus als ein klassisches hervorgehoben, da es doch in der Literärgeschichte ziemlich unbekannt ist; auch der berühmte Bollandist Januing in dem Werke lls Nusilio. vatio-m. Dom. VII. gunii ihn nur kurz berührt, dagegen das Buch des )oÄl>. Leversnus, auch unter dem Titel: 60 septem lli'biz Lcolosiis, häufig benutzt. Die schönste Anekdote bringen die Prof. in dem 14. §. S. 74., der die llebcrschrift bat: „Der h. uugenähte Rock zu Bremen und Loccum." Derselbe soll nach den von chnen selbst bezogeneu Quellen einem Kinde vom Himmel geschickt worden fiyn. Wie steht der nun zur Seit? des Trierer ungeuählcn Reckes, der bei der Kreuzigung vcrloost worden? Das wissen die Herren ganz begreiflich zu machen. S. 75 schreiben sie: „In diesem zeigt sich eine neue Ausbildung des Mythus: nicht einmal Maria ist mehr würdig, die Tunica angcfertiget zu haben, Ipso Hasponus^ am di An am admvdum eerum apnd so esse iilioiN) salis insinnat sviacjne IiAinenti vetnstate mvveri se^ ut illul!, alibi praeterilnm^ die nen einninv p> aelerenndnin^ eenseat. Nvn enim ea releri ^ nisi sud dae eantela: Li qnid siclei antiqnissimo ^redivii nes tri eodiel ae ta!) n 1 ae ^ qua in M a A n am appe11 a m n s ^ pari a n- tiqnitate veneradili dal) e n dl» in sit. ulX.tlpii nidil ddei dadendnm esse ntrlljlie) tam manil'este mendaei) ine- eum erede sentiet, spiiscfnis iiaee, cpiin> piopesni^, eonside- raverit. (^onat. (^'drenelvA. Hem. ?until'. viss. Vlll. paA. 45. — 146 — sie steigt d>r et vom Himmel herab, und wächst nicbt bloß mir dem Träger, sondern kann sich auch wieder verkürzen. Wohin der Nock später gekommen, ist unbekannt w." — Das glauben die ungläubigen Herren und wollen die Trierer mir selben Auekcötcheu schlagen! Ucbrigens hätte man nicht vergessen sollen, die Worle des Gottf. v. Vi- terbio: lliottm-, jmiaiur, man sagt, man meint, zu übersehen. Her unbefangene gelehrte Jesuit Labbe*) sagt von dem Pantheon des Godfued: malus tälmli« lnvpi äiiguo rolei tum. Nach dem, was im Anfange dieses Artikels gesagt worden, wird man uns erlauben, von dem lZ.H. Abstand zu nehmen, weil daran nur „stückweise Röcke" vorkommen. Tie gelehrten Herren hätten auch billig ibre ikeser mtt dergleichen farblosen Stücken verschonen sollen. Denn wozu so viele Worte wegen eineö kleinen Stückchens? Wozu so große Anstrengung, um leeres Stroh zu dreichen? Hierzu gebort dann auch die Partikel des h. Rockes zu Trier, der wieder, um einen ganzen Rock daraus zu machen, ein besonderer tz. 16. unter der Rubrik: „Der andere h. ungenähte Rock zu Trier," gewidmet ist. Daß eine kleine Partikel eines Kleides ohne Rath ist, wird Niemanden wunderlich vorkommen; wenn aber gesagt wird, ein anderer ungenähter Rock, so muß doch jeder einen ganzen Rock darunter verstehen. Diese pia kraus gehört nun zur Ausbildung des Mythus. Wo ist aber der andere ungenäbte h. Rock zu Trier geblieben? Ist er vielleicht bei der allgemeinen Säcularisation säcularisirt, oder gar mit dem erster» wieder verschmolzen worden? Ein neuer Stoff zur Untersuchung. ttom. I. lte Scri^torib. eeclvs. p, — 147 — Der 20. tz. trägt die Aufschrift: „Die h. ungenauen Röcke in Constanttnopel, Meorgien unv Moskau." Zur Nachweise für den Reck zu Constanrinopel geben die Prof. ein Schreiben des Kaisers Alerms an Robert von Flandern von, I. 1005, wie bei Martenein derNote zu lesen ist. In dielein Schreiben >st aber nnr i)iede von Kleidern, die man Christo vor der Kreuzigung abgenommen hat. Die Prof. bemühen sich dann, unter diesen Kleidern i» der^) Mehrzabl auch die Tunica zu finden. Wir können ibnen hierbei einen kleinen Dienst leisten, wodurch sie auch in den Stand gesetzt werden, zu erkennen, daß wirklich die Tunira noch im XlV. Jahrh. in Constanrinopel war. Wilhelm von Baldensel sagt in seinem Uucloe^ovicon scl loiuclNl «grietnrn,^^ welches nach der Angabe Vasnages gegen das I. t33ti geschrieben worden, von Confianli- nopel: „In dieser h. Stadt sah ich einen großen Tbeil des h. Kreuzes, den ungcnäbrcn Rock des Herrn ic." Alw zu Constanlinopel ein ganzer h. ungenäkter Rock, ein Rival des Trierer Rockes, worauf die Prof. gleich Anfangs den Hrn. Marx ganz stolz hingewiesen haben. Der Kritik liegt jetzt ob, einen Vergleich zwischen diesem und dem Trierer Rock und eben so archäologischen Untersuchungen über den Stoff, die Farbe, Länge und Weite des Constantinopl. Rockes anzustellen. Aber — hier liegt Vestimenta, qnikus »nt« crncem »>ioI>!U»s knit. Hier werben klar genug die Kleider angedeutet, die getheill worden sind. Der h. Joh. DaniascennS lidr. IV. Ue knie ortlnnl. kl. erwähnt auch diese Kleider, aber von der ru>- nica ist keine Rede. Nene. Ounisii UUieüiiiir. Hlnnument. eccles. 'dvin. IV. eltit. Nilsnu^ii. s>. 337. In Ineo sneri» urde villi ex inieinlieto IVni Imperiitari« »niLtnnm siurtei« crucis ildiiilnicse, 'du- uicaiu Iloiuinl inconsutilein etc. - 11 lt — der Haase im Pfeffer. Selbst die Bpzautiner oder Griechen wissen nichts von diesem Rocke, die Grieche», die sonst so stolz auf ihre Heiligthümcr sind. Wissen nun die Bonner Prof. etwas Mehrcres, etwas Geschichtliches und Glaubwürdiges davon? Sie wußten ja nicht einmal, daß unter den Reliquien eine tunioa incousutilis, ein nnge- nahter Rock war. Diese Entdeckung haben sie ja uns zu verdanken. Wie leer gehen die gelehrten Herren hier aus! — Die Griechen erzählen genau, welche vorzügliche Reliquien in ihren großen Tempeln zu Constantinopel waren. In der IZasllies Ulsolroimisn-i wurde das Kleid der h. Gottcs-Mutter Maria, in der Llmloop, atisim aber die Tons oder der Gürtel derselben aufbewahrt und verehrt; für beide waren im Juli und August besondere Feste angeordnet. Würden sie nicht auch und vielmebr ein Fest für den ungenahten Rock des Herrn, wenn sie ibn gehabt hatten, angeordnet baben? Wilb. von Baldeusel will zwar in der Sophia-Kirebe, wckche Kaiser Justiuian gebeult hat, einen ungenahten Rock gesehen baben, albut wir besitzen genaue Beschreibungen von den H.itigibümern der Sophia-Kirche, worunter ein nngenäbter Rock nicht genannt wird. Vielleicht hat auch von Baldeusel das Kleiv oder den Gürtel Mariae mit dem ungenahten Rocke des Herrn irrtbümlich verwechselt. In Abgang aller älteren Zeugnisse für diesen Rock ^ glauben d e Prof. ihre geneigten Leser speisen zu dürfen mit ganz neuen russischen Nachrichten, welche genommen sind aus einem von Engenius, Archimandriten des Aleran- der-Newskpklosters, 1802, zu Petersburg herausgegebenen Werke, unter dem Titel „Georgien oder historisches Gemälde von Grusien in politischer, kirchlicher und gelehrter Hinsicht. Aus dem Russischen übersetzt oon Fried. Schmidt." — 149 — Riga und Leipzig 1801. — Hier heißt es S. 89: „Bei der Eroberung Constantinopels durch die Türken im XV. Jahrh. begaben sich einige griechische Bischöfe und andere Geistliche von dort nach Grnsien. Diese brachten viele Reliquien und Heiligthümcr nach Grnsien, die sich bis jetzt noch daselbst befinden. Unter die Heiligtbümer gehört besonders das Gewand des Herrn und Heilandes Jesu Christi. Schah Abbas überschicklc dasselbe nachher dem russischen Czar Michael Theoderowitsch, und es befindet sich bis auf den heutigen Tag ein Theil in der Kathedralkirche Uspensky auf dem Kreml in Moskwa,*) ein anderer in der kaiserlichen Hofkirche in St. Petersburg und auch noch etwas davon in dem in dieser Stadt sich befindenden Alerandcr-Ncwskykloster." Hier sollten wir billig viele Fragen über diese russische Notiz auswerfen, nämlich: 1) Ob bei der Eroberung Constantinopels durch die Türken wirklich griechische Bischöfe gegenwärtig waren? Gewiß ist es, daß der päpstliche Legat Alles, besonders nach dem Tode des griechischen Kaisers, geleitet und daß Venetiancr, Gcnnescr und Franken die Stadt vertheidiget haben. Würden diese sich das h. Gewanv haben nehmen lassen? 2) Wäre ein ungcnähter h. Rock in Constanti- nopcl gewesen, so darf man kühn annehmen, daß dieser mit den übrigen Hciligthümern frühzeitig, vor der Belagerung, geflüchtet worden; davon findet man aber kein Wörtchen in der ganzen Geschichte dieses Krcuzzuges. 3) Wie das Gewand beschaffen war, wird gar nicht gesagt: warum sollen wir es also für die Dunicn inoonsu- Ulis, für den angenähten Rock halten? Allein wozu alle diese Fragen? Die Prof. schreiben selbst S. 89. „Diese ") Bei dem großen Brand von MaSkwa wird es wohl wunderbar vor dem Feuer bewahrt worden seo»! Nachricht durchkreuzt sich mit einer andern, die es um so nöthiger seyn wird, hier vollständig herzusetzen, da von dem russischen Buche,*) dem sie entnommen ist, keine Ueberzengung eristirt." Diese andere Nachricht dat die Aufschrift: „Von der /Translation des Rockes unsers Herrn in die Czarenstadt Moskau und verschiedenen Kran- kcnheilungen." Obschon nun von dem Buche „keine Ue- berzengung eristirt," und für die darin erzahlte russische Nachricht noch weniger Bürgschaft, so glauben doch die Prof., daß „keiner seiner Nebenbuhler sich neben ihn stellen, so wie er in Wunderthaten nach den eben mitgctheillcn Berichten keinem derselben nachsteht." Wir glauben Ursache zu baben, hier uns zu freuen, daß die sonst so ungläubigen Prof. zu Bonn doch einen ächte» Rock des Herrn in Rußland gefunden haben, wohin sie ohne Zweifel bald mit den Ihrigen eine Wallfahrt antreten werden; sie können versichert seyn, daß sie von Seite» der katholischen Deutschen und besonders von uns Rheinländern in dieser religiösen Uebung nicht gestört, auch nicht deshalb verhöhnt oder gelästert werden. Bei uns lebt noch das alte Sprichwort: gr-asos l!cke8 und darum geben wir keinen Pfifferling für diese griechische Nachricht, thcilen jedoch mit den russischen und griechischen Christen die hohe Ehrfurcht gegen das Gewand des Herrn, worin wir alle den Gvttmenschen Jesus Christus anbeten. Sollte der russische Rock auch ein nacktgemachter seyn; ibm wurde die Ehre und Verehrung zu Theil wegen des göttlichen Heilandes, in dessen Namen sich alle Kniee *) Chronik der vielen Unruhen und der Zerrüttung des Mos. kow>!>ickcn Reick es druck innere und äußere Feinde und vieler andern Beledenheiten danialiger Zettle.— Zusammenge- stellt aas glteu Berichten damalige, Zeit. Pctersdurg. t?7t. — !? I - beug!'». — Wenn wir aber so liberal gegen die rus- silchen Wallfahrer uns zeigen, so hoffen wir, daß für die Zukunft diese neuen Wallfabrer von Sonn nach Moskau auch gleiche giberalität gegen uns zeigen werden, wenn wir den kürzcrn Weg wählen und nach Trier oder Aachen die Heiligthümer besuchen. Wir respeclircn ihren Glanben von dem russischen b. Nock, lassen sie nun auch uns Katholiken unfern Glauben vom h. Rock zu Trier. Das nämliche gilt auch von dem h. Rock der Türken, den wir den gelehrten Herren gern vergönnen, ja, wenn wir sicher wüßten, daß es ihnen angenehm wäre, so wollten wir ihnen ein Präsent mit einem h. Rock des Eonfucius machen. I. Nachtrag zu dem ersten Artikel: der h. Noch und die znngsten Kritiker zu Aon». In Elberfeld hat man sich gestoßen an die Ausdrücke im ersten Artikel: die Pilger beteten das Kreuz an, und daraus den so oft zurückgewiesene» Einwurf: die Katholiken beten das Holz an, begründen wollen. Zur Belehrung dieser mit der Muttersprache der katholischen Kirche Unbekannten mag hier eine Stelle des griechischen Kirchenlehrers Johannes Damascenus dienen, welche aus dessen viertem Buche von dem wahren Glanben, Kap. kt. (vclit. lwguien 'Tom. z. p. W4.) gezogen ist. — „So soll also mit Recht das wahrhaft kostbare und ehrwürdige Holz, woran Christus sich für uns als Opfer brachte, als welches durch Anrührung des heiligen Leibes und Blutes geheiligt worden, angebetet werden; so anch die Nagel, Lanze, Kleider und die heiligen Aufenthaltsorte, als: die Krippe, Hohle, der Golgotha und das heilige Grab, der Sion, die Beste der Kirchen u, dgl., gleichwie David, der heilige Altvatcr sagte: „Wir wollen eingehen in Seine Hütte, anbeten an dem Orte, wo Seine Füße standen." Daß er aber hier das Kreuz verstand, geht aus dem, was folgt, hervor: „Gehe, Herr! in Deine Ruhe ein." Denn der Begleiter des Kreuzes ist die Auferstehung. Denn wenn die Sachen derer, die wir lieben, uns thcuer sind, um wie viel mehr jene, die unseres Gottes und Heilandes sind, wodurch uns auch das Heil erworben worden. Ja wir beten auch die Figur des kostbaren und heiligen Kreuzes an, obschon sie aus einem andern Stoffe gemacht ist, nicht daß wir den Stoff oder die Materie anbeten (Gott behüte!), sondern die Figur, wodurch gleichsam Cdristus angedeutet wird. Denn Er selbst sagt, da Er Seine Jünger ermahnte: „Alsdann wird das Zeichen des Menschen-Sohnes am Himmel erscheinen," wodurch Er das Kreuz andeutete. Deswegen sagte auch der Bote der Auferstehung zu den Weibern: „Ihr suchet Jesus von Nazarcth, den Gekreuzigten;" und der Apostel sagt: (Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten" denn es giebt viele Christus und Jesus, aber nur Einen Gekreuzigten. Er sagt nicht: Wir predigen de» mit einer Lanze Durchstochenen, sondern den Gekreuzigten. Weshalb wir das Kreuzzeichen anbeten sollen: denn wo das Zeichen ist, da ist auch Er selbst. Ucbrigens wenn — !SZ — zufällig die Figur des Kreuzes zerstört ist, so werden wir die Materie, woraus die Figur des Kreuzes bestand, nicht anbeten. Alles also, was Gott gewidmet und geweihet ist, beten wir so an, daß wir die Verehrung auf Ihn richten." Die Materie also, sey sie Holz, Stein, Gold, Silber, woraus das Kreuz gemacht ist, hat uns wenig Werth, wenn die Gestalt des Kreuzes zerstört ist. Diese Gestalt ist uns Christus der Gekreuzigte, der Gott- Mensch , der aller Anbetung würdig ist. Das ist die Sprache oder Lehre unserer Mutter, der heiligen römischkatholischen Kirche. Nachtrag. Nachdem gegenwärtiger Artikel der Redaction der Katholischen Blätter übergeben war, kam uns der Carton zu der Schrift der Bonner Prof. zu, worin sie ihre Mißgriffe in etwa verschleiern wollen. Was das Verdüner Urkundenbuch betrifft, so wird jeder, der nur einigermaßen die lateinische Sprache versteht, leicht einsehen, daß in dem Eremplar Worte, vielleicht mehrere Wortefehlen: gugm ip5!Z kolix z>se ^Iivstclluin äuäes translstum ccteiisguc religuiiz äomini miignillec äitsvit. Vor dem ceteeisguo muß etwas ausgelassen scytt, und nicht bloß cum, sondern auch noch etwas mehr, um dem Verbindungswort guc seine Bedeutung zu geben. Es ist also wahrscheinlich, daß hier, wie in dem Sirmondischen Verdüner Eremplar, muß gelesen werden: cum tunioa et elavc» ceteeisgue celiguiis äomini. Man sehe Masenius in den ^äclitamemis, wo er die Varianten des Verdüner EremplarS anführt. - IZ4 - In der Nr. 3, wo die Prof. das Datum, das in der Schrift so fest stand, ungefähr um hundert Jahre weiter, oder aus dem cilften in das zwölfte Jahrhundert setzen, verbessern sie ihre Verfälschung, die sie an dem Eremplare der Vits Vgritü gewagt haben. Das Uebrige, was sie hier zur Erklärung ihrer vermeinten Erweiterung vorbringen, hat schon seine Erledigung gefunden und wir halten es für überflüssig, weiter hierüber zu sprechen.