die Lutheraner wie gegen die Papisten; er griff vorzüglich dieKindertaufe und das hl. Abendmahl an I. In Westphalen, be-sonders in Münster tobten die Wiedertäufer oder Anabaptiste»,und verwirrten die Köpfe und das Land. Jeder dieser Neuererbezog sich auf das reine Wort Gottes, das er allein besitzeund recht erkläre. Das auffallendste dabei war, daß alle dieseneuen Lehrer und Verbesserer bei ihrem Austritte aus der Mutler-kirche die Bibel, wie sie die katholische Kirche von den Apostelnals rechtmäßiges Erbtheil erhalten hat, mitnahmen, und baldnachher lehrten, sie allein hätten das reine Wort GottcS, die Ka-tholiken aber nicht, da doch selbst die Bibel nach der Lehre deshl. Augustin 2) durch das Ansehen der katholischen Kirche vonAußen die kirchliche Autorität erhalten hat.
Luther und Melanchton sahen das Zunehmen der Religions-strcitigkeiten und der daraus entstehenden Zerwürfnisse wohl ein.Der Erstere klagt, daß seit der Verkündigung des neuen Evangeliumsdas Volk schlechter geworden sei; auch Melanchton gesteht, daßtäglich neue Ketzereien entständen; er wisse, welche Meinungen,welche schädlichen Lehren man heimlich brüte, man laure nur aufschickliche Gelegenheit, sie öffentlich bekannt zu machen Me-lanchton, um eine Einigung der Lehrsätze wenigstens unter denprotestirenden Gliedern zu befördern, wünschte die Feststellungeines GlaubenS-Normal, so auch die Herstellung einer bischöflichenVerwaltung. „Ich sehe, schrieb er an Joachim Camerarius «),was für eine Kirche wir haben werden, wenn die kirchliche Ver-fassung aufgelöst ist. Ich sehe, die Tyrannei) wird für die Folgeweit unerträglicher sein, als sie früher war."
Um nun wenigstens von Außen in etwa diesen Wirrnissenabzuhelfen und zugleich Luthers Werk desto besser befördern zukönnen, hatten einige protestantische Fürsten Pfarrvisitationenangeordnet, wobei nothwendiger Weise für den Lehrvortrag undfür die äußere Kirchenordnnng im Sinne Luthers gewisse Bestim-
>) l. Dovlilai Ilietoria de A.»tis et soi-gitis Qutlieri ad ann. 1527.2) „Ich würdt selbst dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht dasAnsehen der kath. Kirche dazu bewöge.« So der hl. Augnstin. ^
U lchüst. Illelanetnn, ad vliiist. a Stadl», bei »retLclineldcrwelormatoi'. Il, 274.
H Bei vretsoluieldei' l)urg. llvl'vi'iuat. Il, ZZlj.