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Führer durch das Städt. Museum für Vor- u. Frühgeschichte im Bayenturm zu Köln : nach d. Bestande vom 15. Okt. 1930
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2. Bedeutung der Vor- und Frühgeschichtefür die allgemeine Bildung.

Wenn ein gewisses Maß von Gesdiiditskenntnis zur Allgemein»Bildung gehört, muß für die Vorgeschichte dasselbe gelten, denn beide,nur durch die Art ihrer Quellen verschieden, haben dieselben Aufgaben,dasselbe Ziel. Gesdiichte soll, indem sie den Werdegang einer bestimm»ten Zeit auf hellt, deren Verhältnisse unserer Erkenntnis näher bringen,damit die Gegenwart mit ihrem unendlich wechselvollen Spiel erklärlidiwird und Sdilüsse für die Zukunft gemacht werden können. Und nichtzu vergessen: Die Gesdiichte soll begeistern (Goethe). Geschichte hebtan mir den geschriebenen Urkunden eines Volkes. Und doch ist dieZeit, da die Mensdien des Schreibens im Allgemeinen noch unkundigwaren, wert, sich mit ihr zu befassen. In der Kindheit liegen dieKeime zum Wirken des späteren Mannes. Wer die Kindheit einesMenschen versteht, bat den Schlüssel zum Verständnis desselbeng e»wonnen. Darum versenken wir uns gern in die Jugendzeit großerMensdien. Dies auf die Vorgeschichte übertragen, besagt niditsanderes, als daß sie erst den Sdiliissel abgeben kann zu dem späterenAuftreten eines Volkes in der Gesdiidife, daß die Gesdiidite ein Torsoist ohne Vorgeschidite. Immer mehr bricht sidi diese Erkenntnis Bahn,und man braucht kein Prophet zu sein mit der Annahme, daß in Zukunftdie Geschichtsbücher stets mit der Vorgesdiichte anheben werden.

Ein im Menschen unbewußt schlummerndes Gefühl macht ihn ge»rade für die Vorgeschidite empfätiglidi. Denn der Mensch durchläuft jaals Einzelindividuum denselben Kulturgang, den clie Menschheit alsGanzes durdilaufen bat. Den primitiven Verhältnissen der Vorzeit fühltder Mensch sich verwandt, es klingt da etwas in seiner Seele wieder:dämmernde, dunkle Erinnerungen des ererbten Blutes. Den Fragen nachder Herkunft des Menschengeschlechtes, nach der Art seiner Entwicklungund seinem Leben und Treiben in TIr» und Vorzeit steht jedermann mitfast höherem Interesse entgegen als den Ergebnissen späterer Sonder»cntwiddungen. Gräber der Vorzeit, Schmuck undWaffen der Alten sinddem Volke in seiner Gesamtheit ein nie versagender Reiz, wenn es inrechter Weise an diese Dinge herangeführt wird.

Darum bat Vorgesdiichte mit der Urzeit, dem ersten Auftreten desMenschen auf unserem Weltteil, in unserem Lande zu beginnen und mußfortstrebend möglichst lückenlos die Kulturentwiddung darstellen. Dabeiergibt sidi Gleichartigkeit in den Hauptzügen,- bei unendlichem Ver»schiedensein in kleinerem, lassen sich Wechselwirkungen und gegensei»tige Beeinflussung erklären, Handel und Technik.

Indem das Volk zu den Anfängen der mensdilidien Tedinik hin»geführt wird und ihrer weiteren Entwiddung bis zur Gegenwart, lerntes jedes Gerät, jede Waffe, jeden Schmuck als das Endglied einer langen,durch viele Jahrtausende sidi hinziehenden Entwiddungsbahn erkennen.Erst so begreift man das, was von Jugend an jedem vertraut ist, Säge

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