Druckschrift 
Führer durch das Städt. Museum für Vor- u. Frühgeschichte im Bayenturm zu Köln : nach d. Bestande vom 15. Okt. 1930
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

und Sichel, Schwert und Speer, Messer und Meißel, Beil und Dolch,Krug und Kleid, Haus und Herd. Jedes Ding wird ihm vertrauter, da erden Werdegang überschaut, und von selbst kommt ihm der Gedanke,daß auch die Gegenwart nidit das Ende dieser Bahn bedeutet, daßweitere Entwicklung jedes Dinges harren. Wie das Volk näher eintrittin die eigentliche Menschheitsentwiddung, findet es Streben und Ringenzu allen Zeiten, Wechsel und Wandel überall und strenge Gesetze,denen das Leben eines jeden Volkes unterworfen ist. Daraus ergibtsich ihm von selbst, daß audi die Gegenwart nicht das Hödiste bedeutet,daß, wie bis heran, neue Zeiten mit neuen Anschauungen stets sichfolgten, auch weiter folgen werden, daß jede Generation nur einDurchgang ist zur nächsten. Muß da nicht von selbst jedem einzelnenbewußt werden, daß ein solches Verhältnis Pfliditen erheischt undDemut vor dem, was die Urzeit gesdiaffen!

Besonders widitig ist es, gerade die Jugend mit diesem Werdegangder Kultur bekannt zu machen, daß in die empfänglichen Seelen Ehr-»furcht vor dem, was die Vorzeit geleistet, sich pflanze, daß niemals derEinzelne, niemals eine Generation aus sich selbst das Große schafft,sondern daß langsam ein Stein dem andern sidt fügt zu einem großenBau, daß jeder einzelne nur das leistet, wozu ihn Vorzeit und Volks»tum befähigt hat, nachwirkend für das ganze Leben. Dieser eineGedanke, dies eine Gefühl der Jugend lebenswahr eingepflanzt, istwirkungsvoller Geschichtsunterricht.

Ein solches Ziel erfordert die Einstellung des Museums nach ent»widdungsgeschiditlicher Hinsicht, ohne jedoch die wissenschaftliche Seitezu benachteiligen. Langsam muß die Jugend, das Volk in den Kultur»besitz der großen Zeitabschnitte eingeführt werden. Dazu sind Bild»werke, Beschreibungen, Führungen, Modelle aller Art und Wander»ungen unbedingt nötig. Vor allem ist die Beihilfe der Lehrerschaftwirkungsvoll. Sie muß mit Sachkenntnis und Hingabe das Museum zurSchulstube machen und hier, auf Grund der vorhandenen Dinge,Geschichtsunterricht erteilen.

Das Kölner Museum für Vorgeschichte hat sich bestrebt, trotz derUngunst der zur Verfügung stehenden Räume, in diesem Sinne dieSammlungen dem Volk, der Jugend und der Lehrerschaft darzubieten.Wie ein roter Faden zieht sich von der Abteilung für Menschheitsenf»widdung bis zur Frühzeit der Wille, durch eingehende, in die Bedeutungder Funde eindringende Beschriftung, durch Bilder, Modelle und Ent»wicklungsreihen die Bodenaltertümer lebendig zu machen und demVerständnis näher zu bringen. Durch eine besondere Schrift sinddie Schulen instand gesetzt, für die einzelnen Stufen das passendeLehrmaterial auszuwähfen und vorzutragen. Dankend darf an dieserStelle ausgesprochen werden, daß von vielen Schulen hiervon Ge»brauch gemacht wird.

8