1. Wissenschaftliche Bedeutung der Vor-und Frühgeschichte.
Alles, was der Spaten des Forsdiers oder der Zufall an Kultur*hinterlassenschaft der Vorzeit zu Tage fördert, ist zu werten gleicheiner Urkunde, welche Zeugnis ablegt über einen bestimmten Vor*gang der Vergangenheit. Gleichwie nun aber eine einzelne Urkundeauf Papier, Pergament oder Stein wohl blitzartig irgend ein Ver»hältnis beleuchten kann, zu klarem Erkennen von Grund, Ursacheund Folge größerer Zeiträume, jedoch ungezählte solcher Urkundenund Dokumente vorliegen müssen, so bedarf auch die Vorgeschichtezur Aufhellung ihrer Zeiträume zahlreicher, ja man könnte sagenzahlloser, Urkunden,- das sind die Bodenaltertümer.
Aus letzterem Grunde hat die Sammeltätigkeit der Bodenalter*tümer ein so ungeheures Arbeitsfeld vor sich,- denn erst dann könntevon genügender Erkenntnis gewisser Perioden geredet werden, wenndie gesamten Bodenaltertümer eines Bezirkes, einer Provinz ge*wonnen wären. Von diesem Ziele ist die Gegenwart noch sehrweit entfernt, ja, dieses Ziel wird die Wissenschaft auch nie ganzerreichen, da im Laufe der Jahrtausende unzählige Bodenaltertümerder Vernichtung anheimgefallen sind, unzählige niemals zum Vorscheinkommen werden. Hierin besteht ein Mangel der Vorgeschichte gegen»über der eigentlichen Geschichte, die sich durch die ganz andereArt ihrer Urkunden von der Vorgeschichte unterscheidet. Bei derGeschichte sind es in irgend einer Form geschriebene Urkunden, beider Vorgeschichte Bodenaltertümer. Beide wollen den Wandel derZeiten, die Entwickelung einzelner Abschnitte erfassen. Scheinbarmöchte darum die Vorgeschichte zurückstehen gegenüber der Geschichte.Aber letztere, wohl nicht beschränkt durch mangelndes Urkunden*material, findet ein Hemmnis in der ungeheuren, ja unlösbarenSchwierigkeit rein objektiver Behandlung der Quellen, die oft so weitgeht, daß die widersprechendsten Darstellungen aus denselben Quellenzum Vorschein kommen. Beide, Vorgeschichte und Geschichte, leidenalso an einer gewissen Besdiränkung, wie alles Irdische überhaupt.
Während die Gesdiidhte seit Jahrtausenden schon ihre wissen*schaftliche Bedeutung erprobt und bewiesen hat, konnte von derVorgeschichte als Wissenschaft erst in dem Augenblidc die Redesein, als man die Bodenaltertümer zu deuten vermochte. Bis dahinwaren die Ergebnisse einzelner Ausgrabungen sowie Zufallsfundenichts anderes als „Kuriositäten", an denen Liebhaber sich wegen ihresAlters oder ihrer seltsamen Form erfreuten. Dieser Zustand ist jetzt