Auf diese Weise, nach vorgeblichem uraltem, unvcrjährtemRechte sich als Obcrlehnsherrn von Spanien hinstellend, hatteer sogleich die Könige in seiner Gewalt, die an dem, was Grc,gor mit dem Grafen von Rocccjo vornahm, wohl einsahen, daßihre Herrschast keine Garantien habe, wenn sie den Papst nichtauf ihrer Seite hatten, d, h. wenn sie nicht durch unbedingteWillfährigkeit seine Gunst zu erringen strebten.
Hier wirkten demnach die alten Römischen Künste.
Ein anderes Mittel, welches Gregor anwendete, bestanddarin, daß er in alle Angelegenheiten der Spanischen Reicheund Kirchen unmittelbar ohne weiteres eingriff. Beständigdurchzogen seine Legaten das Land, wo eine Synode gehaltenwurde, da waren sie, um vorzusitzen, zu bestätigen; sie nahmenalle Appellationen an; belegten mit (Zensuren, Bann und Abse-tzung, machten Gesetze und Verfügungen, consirmirtcn die Bi-schöfe, gaben hier Privilegien und Exemtionen, die sie dort, umzu größerem Eifer für Rom zu entzünden, abschlugen. Da-neben war jede mündliche Phrase oder jeder Brief Gregors einePrimatsprcdigt.
Unter diesen Umständen kann es nicht ausfallen, daß diei-i mehren Territorien von einander getrennte Kirche Spaniens,vom Beistände ihrer Könige verlassen, bald eine Beute des Rö-mischen Primats wurde, der sich mit unglaublicher Schnelligkeitbefestigte.
Dem Römischen Stuhle konnte unter so günstigen Verhält-nissen nichts unangenehmer sein, als daß die Spanier noch im-mer an ihrem alten, offenbar aus dem Oriente stammenden Ri-tus hielten; derselbe war ein steter Zeuge, daß die SpanischeKirche in ältester Zeit ihre Formen des Eultus, ihre Institutio-nen nicht von der Römischen Kirche erhalten, also ihr auch nichtunterworfen gewesen sei. Diesen stillen, aber doch eindringlichredenden Zeugen gegen den Primat mußten sie beseitigen.
In Arragonicn hatte schon Alexander II. diesen Feind besiegt;in Eastilien und Leon gelang es erst Gregor VII. und Urban II.Nachdem dieser den König Alphons durch viele Briefe bearbeitet,namentlich ihn aber durch seine französische Gemahlin Constantia