297
jetzt tragt sich's wirklich zu, daß das Wörtlein »schlecht«zum Scorpionenstachel zugespitzt wird, und wenigstens mei-ner »Moral« hintereinander den Garaus machen soll. —Man höre das panielsche Geschrei S. 123 u. s. f. »Ab-scheuliche Tollhausreden,« ruft er. »Alle Pre-digten dieses Verfälschers des Gotteswortesenthalten mehr oder minder dasselbe! — Er pre-digt einen todten Glauben! — Er sagt, wennman nur an die Genugthuung Christi glaube,so sey es gleichgültig, ob man sündige, oderfromm lebe; ja man erlange dann ohne weiteresden Himmel, man möge so heilig, oder so schlechtseyn, als man wolle! — Er erklart die heiligstenTugenden des Herzens für Sünde! — Er machtChristum zum Sündendiener! Er vernichtet dasChristenthum, und alle Religion!« — und in die-ser Weise geht 's nun fort, bald matter, bald exorbitanter,und jeden Augenblick taucht das unglückliche Wort »Schlecht«geschwabacht wieder auf, und endlich wird der Furor hei-ser, endlich wird er irr, endlich delirirt er.
Für diesen ganzen Aufwand von überflüssigen Gemüths-bewegungen wäre kein Raum geblieben, hätte mein Gegnernur so viel Billigkeit besessen, um zu jenem isolirten Ex-cerpte aus derselben Predigt auch die vorhergehendenWorte mit aufzuführen. Jetzt bin ich genöthigt, sie nach-zubringen. — Hier sind sie:
„Wer darf aber mit Paulus sagen! „Wer will verdammen!"Antwort: „Niemand, als wer mit Paulus sagen kaun: Christusist hie. Das gibt die Befähigung dazu. Leicht sieht sich das an,nicht wahr? Aber halt, freuet euch nicht zu früh. Es kommt Allesdarauf an, wie das Wörtleiu „hie" zu nehmen ist. Ihr meint z.B.,wenn man nur sagen könnte: „Christus ist hie" — im Kopfe —dann wär's genug. Ja, lieben Brüder, dann könnten alle Tenfelschreien: „Wer will verdammen?" Denn in diesem Sinne könnenauch die wohl sprechen: Hie ist Christus. Ich sage euch: den Christus,der nirgends anders sitzt, als hier, den könnt ihr mit zur Hölle neh-