Druckschrift 
Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

nur der heilige Geist in ihm zu vollziehen vermag, ihm dieVerlorne Befähigung für dieses Reich zurückgeben kann.(V. 5.) Und in jenem verderbten und zerrütteten Imbituswird er creatürlich gezeugt und »geboren.« Hier bleibtalso für den Begriff einer sogenannten Selbstbesserungkein Raum. »Eine übernatürliche Palingenesieist's, was dem Menschen noth thut.« Wie könntestarker und unzweideutiger die »Erbsünde« gepredigtwerden, als es hier geschieht; und wie nimmt sich im Lichtedieses Ausspruchs der rationalistische Satz aus, daß »derMensch weder gut noch böse sey, sondern in einem in-differenten Zustande auf die Welt komme? Doch an die-sen Satz glaubt ohnehin kein Nachdenkender mehr. »Einindifferentes Gleichgewicht,« sagt Jemand treffend, »das im-mer nach der linken Seite überwiegt, so daß es unter allenMyriaden Menschen keinen einzigen Gerechten gibt, solltedoch Jedem sich selber aufzuheben scheinen.«

5) Wenn der Herr Marc. 7, 21. 22 gleichfalls wiederganz allgemein bezeugt: »Von innen aus dem Herzendes Menschen gehen heraus böse Gedanken, Mord,Ehebruch, Hurerei, Dieberei, Geiz, Schalkheit,List, Unzucht, Schalksauge, Gotteslästerung,Hoffahrt, Unvernunft;« so versteht er offenbar unterdem »Herzen« eben so wenig dasjenige blos, was derRationalismus »Sinnlichkeit« nennt, als er mit den »ar-gen Gedanken« 5rc>vyc)c>!) »sinnlicheTriebe« bezeichnen will. Das »Herz« ist Ihm der innersteSitz und Heerd der geistigen Lebensfunctioncn im Menschen,und umfaßt die Vernunft und den Willen nicht minder, alsdie Sinnlichkeit oder das Bcgehrungsvcrmögen. So ist esalso wieder das sittlicheGrundverderben der mensch-lichen Natur, das in jenem Worte ausgesprochen wird.Der Pelagianer wird 'erst sein eigenes besseres Wissenüberschreien müssen, wenn er dies verkennen, und in Abredestellen will.