Druckschrift 
Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

233

überbietet, ja nichts Anderes, als eine Carrikirungaller und jeder Logik zu bezwecken scheint.

Daß auch der »Nichtchrist die Kraft zur wah-ren Tugend besitze,« will Paniel auf Rom. 2, 14gründen: »Denn so die Heiden, welche das Gesetznicht haben, von Natur thun des Gesetzes Werk:so sind sie, die das Gesetz nicht haben, ihnenselbst ein Gesetz.« — Hier ist zu bemerken zuvör-derst, daß die Möglichkeit einer relativen Gesetzes-erfüllung auch bei den Heiden allerdings statuirt wer-den muß; daß aber zum andern das »Thun des Gc-setzcswcrks,« (rss rll ,'Htu) wie es auch unter den Heidenvorkommt, mit dem aus dem Princip der Liebe hervor-gehenden Thun des allein gottgefälligen Guten,mit Nichten identisch ist. Wie hoch Paulus jene Legalitätder Heiden anschlägt, erhellt schon aus dem 15. Verse, wo erdie letztere als solche zeichnet, deren »G cd an ken sich unter-einander verklagen und entschuldigen.«—»Auchihnen«, will er sagen, »wohnt in einem gewissen Gradeder Klarheit das Bewußtsein des göttlichen Gesetzes inne.Auch sie fühlen sich an dies Gesetz gebunden; aber sie kom-men nicht über das blos äußerliche Werk und überdas innere Schuldbewußtsein hinaus. Sofern nunaber auch sie, — das ist der Nerv der paulinischen Dcduc-tion, >— obwohl des positiven, geschichtlich geoffenbartenGesetzes ermangelnd, doch nicht (Gesetz-los) sün-

digen; — denn sie sind ihnen selbst ein Gesetz, und dasGewissen bezeuget sie; gehen sie — abgesehen von Christo— nicht weniger mit Recht und durch ihre Schuld ver-loren, als die Juden, die das in Buchstaben verfaßte, po-sitive Gesetz übertreten.« (V. 12.) »Durch des GesetzesWerk wird kein Fleisch vor Gott gerecht.« (3, 20) »AlleWelt ist Gott schuldig.« (V. 19.) »Juden und Grie-chen, Alle sind unter der Sünde. Ich habe es droben(Cap. 2) bewiesen.« (V. 9.) »Hier ist kein Unterschied