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Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
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siehet und glaubet an Ihn, der hat das ewigeLeben; können hier jedoch weder eine große Schwierig-keit, noch gar einen Widerspruch erkennen, indem es jaklar zu Tage liegt, daß ohne die individuelle Applicationder geschehenen Erlösung, welche Zueignung einmal noth-wendig eintreten muß, die Erlösung für die Einzelnen garnicht vorhanden wäre. Wie kann ich doch der Erlösungmich freuen und getrosten, wenn ich es nicht erfahre, undlebendig inne werde, daß ich erlös't bin; und derGlaube ist es eben, wodurch mir die objective Ver-söhnung eine subjectiv lebendig bewußte wird. Ue-berdics ist der Glaube das Princip des neuen geistli-chen Lebens, mit welchem uns erst die Genußfähigkeitfür die in Christo erworbenen himmlischen Güter gegebenwird. Er gehört also mit zu den Früchten der Erlösung.Wie kann man nun noch fragen wollen: »Wozu der Glaubenoch vonnöthen sey, da Christus ja für die Sünden allerMenschen genug gethan habe?«

ISies Argument: »Während behauptet wird, daß dernatürlicheMcnsch diesen nothwendigenGlau-ben nicht aus eigener Kraft in sich erzeugen,sondern dieser nur durch den heiligen Geistbewirkt werden könne, bewirkt der heiligeGeist diesen Glauben notorisch nicht in allenMenschen, die also mit dem Willen Gottesverloren w ären.« —

Die Antwort auf diese subtilisirende Frage ist schon inderjenigen mit enthalten, mit welcher wir den 7ten Ein-wurf unsers Gegners abgefertigt. Der Glaube ist aller-dings ein Werk des heiligen Geistes, und »es liegt nichtan Jemandes Wollen oder Laufen, sondern anGottes Erbarmen.« (Röm. 9 16.) Nichts desto we-niger geht der nicht Glaubende nach dem Zeugnisseder ganzen Schrift nicht durch Gottes, sondern durch seine