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Entfaltung kein Raum gegeben. — Von Anbeginn anschwebte der regierende Geist über den Wassern. Stattdes Schirlingsgcwächscs der Eigenliebe und der Leidenschaftduftete und blühte uns aus dem jungen Wesen ein sprießen-der Frühling göttlicher Gesinnungen entgegen, und wir er-blickten nichts in ihm, als Harmonie, als göttliches Eben-maaß und himmlische Schönheit. — Jetzt ist es anders.Statt jener heiligen Liebe hat die Selbstsucht ihrenThron in der Brust des Adamssohnes aufgeschlagen, undes ist der natürliche Mensch in jedem Momente seines Le-bens jetzt in sich, statt außer sich in Gott. Sein Ich istjetzt sein Gott; das Seine suchen, sein angebornes Prin-cip. Welches Lebcnsgebiet des Menschen wir bcschreitcnmögen, überall begegnen wir jenem von Gott entfremdetenGeiste, den wir Egoismus nennen. In der Vernunftleugnet er Gott, oder macht sich Götter nach seinemSinn, und vergöttert sich selbst. Den Willen kettet er ansein Joch, und unterwirft ihn seinen niedern Interessen.Der Sinnlichkeit gibt er Raum, oder setzt ihr Schranken,jenachdem es ihm, und nicht nachdem es Gott gefälltund dient. Das Gewissen selbst, dem der wahre göttlicheEanon moralischer Beurtheilung entschwunden ist, bestichtder Egoismus zu seinen Gunsten, und verleitet es zu auto-nomistischcr Willkühr. Ja selbst die Tugenden des na-türlichen Menschen sind nur Engclgewande, die ihn um-hüllen. Es gehört freilich oft ein nicht geringer psychologischerund moralischer Scharfblick dazu, um ihn hinter diesemHeiligenscheine zu erHaschen; aber in welcher subtilen Ge-staltes immer sey, dahinter steckt er; denn dieser finstereGeist weicht nur dem Erneucrungswerke des heiligenGeistes. In der Selbstsucht besteht nun aber nachGottes Gesetz das Grundwescn aller Sünde, so wie die»Liebe Gottes von ganzem Herzen« mit Recht dasNealprincip der wahren Ethik genannt wird. Diese Liebeist »des Gesetzes Erfüllung;« »die Summa der