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Gebote«, und es kann gesagt werden, daß dem Men-schen im Grunde nur Ein Gebot gegeben sey: die Liebeeben. — Bildet die nicht im Menschen das Grundtrieb-wcrk all seines Denkens, Begehrens, Wollens und Ver-haltens, so besitzt der Mensch die Angemessenheit an dasunwandelbare Gottesgesetz nicht mehr, und ist vor Gottüberall und immerdar ein Sünder. Und jene Liebe istin der That, Schrift und Erfahrung bczeugen's, das innerstePrincip des menschlichen Wesens und Lebens nicht mehr.Der natürliche Mensch ist von dieser Liebe überallverlassen. Er kennt Gott nicht, er brennt nicht für Gott,er gehorcht Ihm nicht, er ordnet sich Gott nicht unter, erfindet in Gottes Gemeinschaft nicht seine Seligkeit, in derBefolgung der göttlichen Gebote nicht seine Wonne.Er ist in seinem unwiedergebornen Stande gott-los undGottes leer. Und wäre er nur nichts mehr, als das!Bestände nur seine sittliche Verdcrbniß ausschließlich nurin einer Negation des Guten, in einer Abwesenheitdes Göttlichen! Aber seine Verdorbenheit ist zugleichPosition des Bösen. Sie ist -— nicht Mangel des Rechtenblos; sondern auch Dasein des Unrechten. — Nichtallein daß die kindliche Gottesliebe in ihm erlosch; es tratdie Eigenliebe und Selbsthcit an ihre Stelle. DieNeigung zu Gott verkehrte sich in Abneigung, der Gehor-sam in Widerstreben, die reine Erkenntniß in düstern Wahn,die Wahrheit in Irrthum und in Lüge. So steht es umdie menschliche Natur in ihrer gegenwärtigen Beschaffen-heit; und richtig bemerkt Sartorius: »Jener sündlicheDefect und Affect, wie er sich in allen Menschen findet, ist,wie Luther sagt, jene habituelle Ursünde, welche nicht ge-than wird, sondern alle (actuellcn) Sünden thut.« — Danun aber die Behauptung, daß eben so, d, h. in jenerUnangemessenheit zum Gesetz, darin sie Gott unmöglich ge-fallen kann, die menschliche Natur aus der Hand des Schö-pfers hervorgegangen sey, nicht allein einen unsinnigen Wi-