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Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
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fernt sey,« altertet nicht blos den wahren Begriff derTugend ganzlich, sondern kann nur Jmmoralitat befördern,indem er durch Entschuldigung der sündlichen Neigung d i e-ser und ihrer Machtentfaltung den bedenklichsten Vorschubleistet.

7) Die ganze Verkennung des gegenwärtigen Zustan-des der menschlichen Natur, wie er wirklich ist, hat vorAllem in der Wahl des Maßstabes ihren Grund, den manan dieselbe an zu legen pflegt. Man macht es, unbekümmertum Gottes Wort, in gottwidriger Willkühr und Autono-mie bei sich selber aus, was Tugend seyn solle und wasSünde, und nach diesem aller höhern Bcsiegclung erman-gelnden Kanon schätzt, urtheilt und richtet man. — Es istaber das einzig ächte untrügliche Maaß des moralisch Gu-ten: das göttliche Gesetz. — Dieses Gesetz ist die Formund der Ausdruck des unwandelbaren heiligen Gotteswil-lens an die vernünftige Creatur. — Aus ihm strahlt unsder volle Glanz des göttlichen Ebenbildes an, zu welchemder erste Mensch erschaffen ward. Nur die vollkommeneAn g ein esse n h e it an dieses Gesetz ist die Gerechtig-keit, die vor Gott gilt. Es nimmt dasselbe nun aberden ganzen Menschen in Anspruch, und will sich in allenLebensgebietcn des Menschen lebendig wiederfinden. DieVernunft entspricht ihm nur, sofern sie die reine Gottes-erkenntniß zum Inhalte hat, in deren Lichte sich bewegt,und frei von Irrthum und Zweifel nur der Wahrheit lebt;das Herz, sofern die Liebe Gottes die Alleinherrschaftin demselben führt, und alle Regungen und Triebe in die-ser Liebe sich verklären, ja in sie aufgehn; das Gewissen,sofern es von Befleckung frei und unbelastet von Schuldund Sünde, als reines ungetrübtes Bewußtsein der gött-lichen Ordnung den gesetzgebenden Gott im Menschen leben-dig reprasentirt; der Wille, sofern er mit dem WillenGottes tiefinnig harmonirt, und in unverrücktem Gehorsamgegen Gott sich thätig und wirksam erweis't. — Also nur