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Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
Entstehung
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212
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IN einem berühmten Namen Befriedigung zu finden. Undin welchem Connex steht mit der Sinnlichkeit der Zweifel,die Blasphemie, die Abgötterei, der Pharisäismus, und somanche andere Greuel der ärgsten Gattung? Schon vonpsychologischem Standpunkte aus beurtheilt, kann es eineseichtere, unhaltbarere Theorie nicht geben, als diejenigegegen welche wir zu streiten haben. —

6) Daß nach jener Theorie die »fund liehe Lust«als solche nicht Sünde ist, das hat sich meinen Lesernwohl schon zur Genüge bemerkbar gemacht. Nein, der inseinem Verstecke immer auf Gelegenheit lauernde Hang zumBösen ist, wenn er nur von der Vernunft bekämpft wird,nach jener Lehre an sich nicht strafbar und verdammlich,sondern indifferent. In dieser fürwahr nicht unwesentlichenAnsicht sind Rationalismus und Papismus eins; — und somüssen sie nicht allein den Apostel des Irrthums zeihen,wenn er Röm. 7, 7. bezeugt: »er habe nun eingese-hen, daß die Lust Sünde sey, und er sey an dieserEinsicht moralisch gestorben;« sie dürfen's auch Christoselbst nicht zugestehen, daß, »wer ein Weib ansehe, ihrerzu begehren,« in diesem Begehren »die Ehe ge-brochen habe. « (Matth. 5, 28.) Die Nationalisten d er-jenigen Gattung wenigstens, zu welcher auch Panielsich zählt, kennen das Gute wie das Böse nur in derThat. Jenes wie dieses finden sie ausschließlich inden einzelnen persönlichen Willensacten des Menschen. AlsZustand, als Imditus, als Gesinnung kennen sie dieTugend, wie die Sünde, nicht. Ihre Moral ist darumeine rein äußerliche, ja sofern sie nur »die tcmporellenAusbrüche der Sünde, nicht deren fortwährenden Lebens-heerd für verdammlich halten,« gradezu unmoralisch.—Ein Satz, wie der der We gsch ei d er'schen Dogmatik,»daß diebvfeLust, wenn sie nicht mit derZustim-mung des Willens, oder mit Nachlässigkeit ver-bunden sey, von der Natur der Sünde weit ent-