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2) Streites halber könnte mir indeß die Nachweiseaufgegeben werden, wo denn doch von Seiten des Ratio-nalismus behauptet worden sey, daß der Mensch nichtvermöge, eine vollkommene Heiligkeit zu erstreben; undso supponire ich denn einmal, es werde wirklich rationa-listischer Seits gelehrt, daß allerdings die Erzielung einerfleckenlosen moralischen Vollkommenheit im menschlichen Ver-mögen liege; sehe mich aber nun genöthigt, den Rationalis-mus um die Beantwortung der Frage zu ersuchen, warumdenn doch von Anbeginn der Welt unter all den MillionenSterblicher, mit Ausnahme des Einzigen, dessen Zeugungin dem Gebiete des Uebernatürlichen ruhte, Keinerdas Ziel vollendeter Unsträflichkeit erreichte? —Denn daß wirklich Keiner zu diesem Ziel gelangte, son-dern Alle sündigten und sündigen, das räumt der Ra-tionalismus ohne Bedenken ein. Wie lös't sich aber die-ses wundersame Räthsel? »Die große Schwäche desMenschen!« <— Wohl; aber diese » Schw ä ch e« erklärtIhr Leute ja für göttlich anerschaffen, und so wärealso wieder die letzte Ursache des Elends in Gott zu suchen.— »Die schlechte Erziehung!« — Ja; aber was istdieselbe, als eine Sünde der Eltern; und wo steht nunwieder die Wiege dieser Sünde? — »Das böse Bei-spiel!« — Gut! Das böse Exempel ist — die Allgemein-heit des Bösen in der Welt. Aber diese nun wieder,woher stammt sie? Es ist doch Thorheit, ein Geheimnißmit einem andern, und eine Hieroglyphe mit sich selbsterklären zu wollen. Daß Keiner je unbefleckt und heiligdagestanden hat, und Keiner gerecht erfunden wird aufErden, ob man ihn mit Laternen suchen wollte, zwingtdieser Umstand nicht zudem Schlüsse, daß der Quell undGrund der allgemeinen Sündigkeit wohl noch anderswo,und weiter rückwärts, und tiefer gesucht werden müsse,als in der freien Entscheidung und Selbstbestimmung dereinzelnen Individuen? Dazu kommt nun noch, daß, wie
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