35
einen seiner Gewährsleute aufführt. — Und endlichRückert. — Man höre auch diesen! »In der I^XX,sagt er, entspricht das Wort Anathema dem hebräischenLlwrom, der Bezeichnung desjenigen, was mit einem Fluchoder Banne belegt, und der Vernichtung preisgegeben ist,so daß jede Verschonung oder Verwendung zu menschlichemGebrauche als eine schwere Versündigung an Jehova selbstbetrachtet wird. — — Darauf ruht nun im neuen Testa-ment die Bedeutung des Wortes: Anathema.klt'rrr (Anathema seyn) Rom. 9, 3. heißt: ein Verfluch-ter, von Gott Verstoßener, dem Fluche und derVernichtung preisgegebener Mensch seyn; JemandenAnathema nennen 1. Cor. 12, 3. heißt: ihn für einen Ver-fluch ten, einen Auswurf der Menschheit, dem göttli-chen Zorne anheimgefallen, erklären; der an unsererStelle und 1. Cor. 16, 22. vorkommende Ausdruck
(der sey Anathema) kann nur bedeuten: Er seyverflucht, ihn treffe der Fluch und die Strafe Got-tes! Dies ist denn auch hier die gewöhnliche Erklärung.Neben ihr besteht noch eine andere. Weil nemlich der jü-dische Kirchenbann oder die Excommunikation mit diesemNamen belegt wurde, so haben Einige, geleitet vielleichtdurch die Meinung, daß ein solcher Fluch dem Charakteroder dem christlichen Sinn des Apostels nicht angemessensey, angenommen, Paulus wolle damit nur so viel sagen:einen solchen Menschen fliehet, schließt ihn von eurer Ge-meinschaft aus. — — Allein erstlich hätte Paulusdann gewiß üzrcöt- (von euch) oder etwas der Art hin-zugesetzt, ohne was er gar nicht verstanden werden konnte;sodann setzt diese Erklärung das bereits vorhandene Beste-hen eines christlichen Kirchenbannes voraus, was doch selbstaus Stellen, wie Tit. 3, 10. und 1. Cor. 5, 5. 9. nichterwiesen werden kann; ferner würde diese Maßregel beiden galatischen Gemeinen, bei denen Paulus Ansehn sogut, als vernichtet war, fruchtlos, ja fast lächerlich ge-
3*