so wollten sie damit so viel sagen, als: »Gott strafemich!« Der damalige jüdische Sprachgebrauch spräche alsowieder für meine Ansicht, sofern dieselbe in Gal. 1, 8 eineAnkündigung göttlicher Strafe und Verwerfungfindet. Eben darum aber will Paniel den Apostel dochnicht als einen Solchen gerade angesehen wissen, der sichdas Anathema im vulgären und plebejischen Sinn desWortes bedienet habe; sondern läßt ihn dasselbe, wie wirschon vernommen haben, lieber als »Pharisäerzögling« imSinne der neben den göttlichen Institutionen ohne höhereSanction entstandenen rabbinistischen Disciplinarordnungsprechen. Hier nämlich soll das Wort Cherem oder Ana-thema wieder eine andere Bedeutung gewonnen haben,als es in der populären Conversations-Sprache hatte.»Pauli Lorw« sagt Paniel, wie bereits be-
kannt, »war der zweite Grad der pharisäisch-hierarchischenErcommunication, oder die »exeommumoMio minor;« —und führt dann aus den »Verfluchungen«, wenn nichtetwa aus Büchner's Concordanz, oder aus Joh. L u n-dius unter Beifügung der Titel derjenigen archäologischenWerke, aus denen jene schöpften, die ganze rabbinistischeBannordnung mit ihren drei Graden auf. Und diesenjüdischen Pönal-Codex hätte nun also Paulus ohne wei-teres ins Christenthum hinüber geschleppt? — Paulus,der von dem ersten Momente seiner Bekehrung an in einemMaaße, wie kaum ein andrer Proselyt aus Israel, den Ju-den, und vollends den pharisäischen Juden ausgezogenhatte? Paulus, dem ja die evangelische, den Geist der er-barmenden Liebe und der heiligsten Weisheit athmende Dis-ciplinarordnung, wie sie nach Mattl). 18, 15—17 Jesusselbst seinem Reiche gab, nicht fremd war? — WelcherVernünftige wird sich einreden lassen, daß dieser Pau-lus in unverantwortlicher Willkühr dergleichen in den gött-lichen Urkunden nirgends begründete pharisäische Satzungendem christlichen Gemeineleben aufgedrungen habe? —