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Jerusalem, wie es war und wie es ist, oder seine Geschichte und sein jetziger Zustand : nebst e. Grundr. von Jerusalem
Entstehung
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Mittlerweile erreichte die Hungersnot!) in derStadt eine furchtbare Höhe. Wie tolle Hundedrangen die Rauber in die Hauser hinein und such-ten nach Lebensmitteln; man aß Schuhe, Gürtelund das Leder an den Schilden. Die schrecklichsteThat aber verübte Maria, eine durch Reichthumund Geburt ausgezeichnete Frau, die aus Bethysopjenseits des Jordans zu Ansang des Krieges sich indie Stadt geflüchtet hatte. Bereits waren ihreSchatze und Kleinodien, sowie die Neste von Le-bensmittel durch die Rauber, die taglich in ihrHaus einbrachen, ihr geraubt. Vergeblich hatte siedie Rauber zu reizen gesucht, daß Einer aus Wuthoder Mitleid ihr den Tod geben möchte; da griffsie in dem furchtbaren Hunger, der in ihren Ein-geweiden wüthete, zum Unnatürlichen. Sie nimmtihr Kind, schlachtet und bratet es und verzehrt dieHalste. Die Aufrührer, durch den Geruch vomBraten gelockt, dringen gierig ins Haus und dro-hen ihr mit dem Tode, wo sie die bereitete Speisenicht Herausgabe. „Ja, ein schönes Stück habe ichfür Euch ausbehalten!" ruft sie und deckt die Ueber-bleibsel ihres Kindes auf. Da faßt Schauder undEntsetzen die Räuber und wie vom Schlage gerührt,stehen sie da. „Mein ist das Kind, ruft sie, meinist auch die That; esset, auch ich habe gegessen.Seid doch nicht weicher, als ein Weib, nicht gefühl-voller, als eine Mutter. Hegt Ihr aber wirklichso fromme Gefühle und schaudert Euch vor meinemOpfer, so wisset, daß ich, da ich schon die eineHalste verzehrt habe, auch die andere genießen will."Zitternd flohen die rohen Krieger von hinnen undbald verbreitete sich die entsetzliche That in derStadt und drang auch zu den Römern, wo Titus,davon ergriffen, es mehrmals bezeugte, wie er un-schuldig sei an solchem Frevel, da er vergeblich den