— 43 —
müssen. Du willst mich zu Nero senden? Wie?Werden denn Nero's Nachfolger so lange aus deniThron bleiben? Du Vespasian wirst Kaiserund dein Sohn Titus auch. Laß mich jetztnoch enger fesseln und aufbewahren. Bald bist duals Kaiser nicht bloß mein Gebieter, sondern derErde und des Meeres Herr. Laß mich auf's Aergstefesseln und hinrichten, wenn ich auf Gottes Namelüge."*) Vespasian behielt darauf den Josephusals Gefangenen bei sich und gab ihm ehrenvoll di«Freiheit, sobald er vom syrischen Heere zum Kaiserausgerufen ward. Spater blieb Josephus bei Titus,dessen Freundschaft er sich erfreute, und ward so selbstZeuge der Zerstörung Jerusalems, die er uns beschrie-ben hat.
Vespasian eroberte allmählig das ganze Judäamit Ausnahme dreier Burgen und rückte gegen Je-rusalem vor. Aber je enger das unglückbringendeKricgsnetz sich um die heillose Stadt zusammenzog,desto größer wüthete in ihr Partheiwuth und Zwie-tracht. Die Zeloten mit Elcazar an der Spitze fan-den in dem Hohepriester Ananus und seinem Anhangevon Gemäßigten noch ein machtiges Gegengewicht,und da sie zu schwach waren, gegen dieselben ihremordbreunerischcn und räuberischen Absichten unge-stört auszuführen, riefen sie 20,000 Jdumaer zuHülfe. Doch Ananus ließ sie nicht in die Stadt;aber in einer furchtbaren Gewitternacht drangen sie,unterstützt durch den Verrath der Zeloten, hineinund richteten ein entsetzliches Blutbad an, so daßin der Einen Nacht allein 8500, und unter ihnenauch der Hohepriester Ananus, getödtet wurden. Nunwar auch die letzte Stütze bürgerlicher Ordnung in
*) Josephvs erzählt selbst in seinem jüd. Krieg lll.,8, 9 diesen Vorfall, dessen Glaubwürdigkeit wir dahin gestelltsein lassen.
4 ^