litten Jahre Pharisäer. Obschon er zur gemäßigten,friedliebenden Parthei geHorte, so mußte er freilichjetzt, da mal alle Hoffnung zum Frieden abgeschnit-ten war, mit den Aufrührern gemeinschaftliche Sachemachen, hatte aber da auch noch von den Zelotenmancherlei Anfeindungen zu erdulden. In seinerihm angewiesenen Statthalterschaft brachte er bald100,000 Rekruten auf die Beine, die er auf römi-sche Weise bestens einübte, und befestigte die passend-sten Orte Galiläa's.
So fand denn Vespasianus, den Nero alsFeldherr mit bedeutender Truppcnmacht zur Unter-drückung des Aufruhrs nach Judäa gesandt hatte,das ganze Land zum Kriege gerüstet. Seine Hee-rcsmacht betrug mit den Soldaten, die ihm seinSohn Titus aus Acgypten zugeführt hatte, imGanzen 60,000 Mann. Zuerst wandte er sich gegenGaliläa, eroberte die festen Plätze und unter Andernauch Jotapata, wo Josephus selbst befehligte, daserst nach 47 Tagen des tapfersten und hartnäckigstenWiderstandes von den Römern erobert ward. 40,000Juden kamen bei dieser Belagerung um's Leben und1200 wurden gefangen und unter ihnen auch dertapfere Commandant der Festung, Josephus selbst,den aus Achtung vor seiner Tapferkeit Vespasianam Leben ließ, um ihn zu Nero zu schicken. Vondieser Absicht unterrichtet, bat Josephus um eine ge-heime Unterredung mit dem Feldherrn, die ihm be-willigt ward. Indem außer seinem Sohne Titusnur noch zwei Vertraute gegenwärtig waren, redeteJosephus den römischen Feldherrn also an: „Duglaubst, o Vespasian, nur einen Gefangenen in mirzu besitzen, ich bin noch mehr, ich bin ein Verkün-diger der Zukunft. Wäre ich nicht von Gott anDich gesandt, so hätte ich wohl erwogen, was dasjüdische Gesetz verlangt und wie Heerführer sterben